Google+ ist immer noch der Neuling unter den Social Networks. Der Start war voller großer Hoffnungen und auch überzogener Erwartungen. Vom Facebook-Killer sprach man gar und auch Twitter sollte überflüssig werden. Das ist bisher nicht eingetreten. Bei Google+ wird immer noch viel improvisiert. Auch Unternehmen wie Telefónica Germany arbeiten an der endgültigen Strategie. Wir haben aber schon einen guten Start hingelegt.

Tim Alexander, Vice President Brand Management von Telefónica Germany, über die Gründe für Google+.

Tim Alexander, Vice President Brand Management von Telefónica Germany

Tim Alexander

Von Anfang an war uns klar, dass wir auf Google+ keine Inhalte präsentieren wollen, die es woanders schon gibt. Nach gründlicher Analyse unseres Social Media Channelportfolios wollen wir unseren Kunden auf Google+ andere Mehrwerte bieten. Für uns ist es besonders wichtig, den Dialog anzustoßen – Menschen die Möglichkeit zu bieten, sich mit uns über relevante Themen zu unterhalten. Daraus entstand die Idee des Host der Woche: Jede Woche hat ein Kollege die Möglichkeit, über seinen Aufgabenbereich zu sprechen, auf Fragen einzugehen und sich unmittelbar auszutauschen. Mit diesem Konzept geben wir einen Einblick in unser Unternehmen, den es auf unseren anderen Social-Media-Kanälen bisher nicht gibt. Die Diskussionen der vergangenen Wochen waren tiefgreifend und beweisen wie transparent wir im Umgang mit Social Media sind.

Künftige Anwendungsbereiche für Google+

Google Plus LogoWir wollen mit den Menschen, die sich auf Google+ mit uns verbinden, einen echten Austausch pflegen. Sie sollen uns Fragen über alle Bereiche des Unternehmens stellen und die Antworten direkt von den verantwortlichen Mitarbeitern bekommen. Das ist für beide Seiten interessant: Kunden und Kommunikatoren erfahren mehr über unsere Abläufe und wir lernen mehr über ihre Bedürfnisse.

Diesen Austausch wollen wir noch weiter verstärken, die Experimentierphase ist noch nicht abgeschlossen. Spannend wird es zum Beispiel, wenn wir in Zukunft Hangouts anbieten. Das sind richtige Videokonferenzen. Wir können uns durchaus vorstellen, dass unser CEO René Schuster direkt per Video mit unseren Kunden spricht. Der Dialog ist für uns das zentrale Element bei Google+. Wir freuen uns sehr auf die zukünftigen Hangouts, doch die Teilnehmerzahl müsste für unsere Zwecke noch erhöht werden. Bisher liegt das Limit bei zehn Personen – was nicht ausreichend ist.

Unsere bisherigen Erfahrungen

Screenshot-Google+ Seite mit Markus GöbelNach anfänglichem Hype sehen wir jetzt ein organisches Wachstum bei Google+. Das soziale Netzwerk muss nun zeigen, was es kann. Der Anfang ist gemacht und wir werden weiter viel ausprobieren. Dabei bleiben wir flexibel und lernbereit, wir passen uns den zukünftigen Anwendungen und Veränderungen an. Das Ende der Entwicklung ist längst noch nicht abzusehen, denn Google experimentiert selbst noch sehr viel mit seinem sozialen Netzwerk. Jede Woche hört man neue Nachrichten über die Verknüpfung mit Suchergebnissen, neue Funktionen und neue Buttons. Wenn sich in Zukunft andere sinnvolle Möglichkeiten für uns ergeben sollten, werden wir sie nicht ungenutzt lassen. Es bleibt also spannend.

Google+ vs. Facebook

Screenshot der Google Plus Seite von o2

o2 bei Google Plus

Wer heute über Google+ spricht, der kann Facebook nicht unerwähnt lassen. Der Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken hat 900 Millionen Mitglieder. Das Wachstum ist bisher ungebremst und die guten Ideen gehen nicht aus. Dennoch erscheint Google+ in vielen Bereichen innovativer und muss sich nicht vor Facebook verstecken. Viele Funktionen sind einfach besser.

Google+ bietet gute Möglichkeiten, mit Texten und Bildern zu arbeiten, mit denen Facebook nicht mithalten kann. Neben Formatierungsfunktionen für Texte ist es auch von Vorteil, dass man die Reihenfolge der Bilder in Galerien beeinflussen kann. Damit lassen sich grafische Effekte erzielen.

Auch die Organisation der Zugriffsregeln über Kreise ist wesentlich einfacher als die Listen von Facebook. Generell bringt Google+ seine Features wesentlich übersichtlicher auf die Profile. Ein gutes Beispiel ist, dass die Hangouts im direkten Kontext von Beiträgen stehen: Was bei Facebook nur ein Videochat ist, ergänzen bei Google+ die Kommentare und die Plus-Funktion.

Einer der derzeit größten Nachteile sind aber die fehlenden Vanity-URLs von Google+. Die bisherigen Bandwurmadressen kann sich niemand merken, doch für größere Aktionen müssen Unternehmen auch offline kommunizieren. Da kommt man nicht um eine knackige Short-URL herum, die eigentlich der Standard ist. facebook.com/o2de prägt sich sofort ein. Deshalb behelfen wir uns jetzt mit der Notlösung eines externen Anbieters: gplus.to/o2de, solche Adressen scheinen sich durchzusetzen.

Natürlich vermissen wir auch immer noch den Zugriff über eine API und die Verknüpfungsmöglichkeiten, die sich daraus ergeben. Bei Facebook waren diese Schnittstellen der große Wachstumsbringer, ähnlich wie die Apps, die bei Google+ auch noch fehlen. Unseren Kunden könnten wir damit noch mehr Features und bessere Unterhaltung bieten.

A propos Kunden: Bei der Reichweite hat Google+ noch einiges aufzuholen. Solange Facebook den Großteil des deutschen Social-Media-Publikums bindet, wird unser Fokus auf Facebook liegen. Mal sehen, wie sich Google+ 2012 weiter entwickelt.

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