Statt für ein Forschungsfreisemester entschied sich Prof. Dr. Detlef Mansel von der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen für ein „Praxissemester“ bei der E-Plus-Gruppe, um sein Industriewissen aufzufrischen. Die praxisnahe Lehre ist ein Markenzeichen der Hochschule.

Alle vier Jahre darf ein Professor an der Westfälischen Hochschule in der Lehre fehlen und stattdessen ein Semester lang nur forschen oder Praxis nachtanken. Prof. Dr. Detlef Mansel vom Gelsenkirchener Fachbereich Informatik und Kommunikation entschied sich im auslaufenden Wintersemester für die Praxis. Er ging in die E-Plus-Zentrale nach Düsseldorf.

Es war ein Praxishalbjahr, das ganz auf gegenseitiges Vertrauen und den Dialog zwischen Praxis und Wissenschaft setzte. “Ohne Vertrauen geht es nicht, denn natürlich ist nicht auszuschließen, dass ,der Praktikant’ auch Dinge erfährt, die firmenintern bleiben müssen”, so Dr. Hans-Jürgen Schrewe, während des Praxissemesters der “Vorgesetzte” von Prof. Dr. Detlef Mansel. Der ergänzt: “Firmeninterna sind für mich selbstverständlich tabu, auch in der zukünftigen Forschung und Lehre.”

Unternehmen und Fachhochschule profitieren von dem Austausch

Wenn die Vertrauensbasis stimmt, haben beide Seiten viel von dem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis. “Unsere Studierenden in Gelsenkirchen werden davon profitieren, dass ich jetzt wieder auf dem aktuellsten Stand bin, welche Themen in der Industrie diskutiert werden, beispielsweise die nächste Generation der Internet-Programmiersprache HTML”, gibt Mansel einen Ausblick auf Neuerungen in seinen Vorlesungen. Dabei geht es auch um Standards, die firmenübergreifend dafür sorgen sollen, wie die kommende Generation von Informatikabsolventen beispielsweise die beliebten Zusatzprogramme für Smartphones, bei den Nutzern besser bekannt als “Apps”, programmieren wird.

FH Gelsenkirchen Praxisfreisemester bei E-Plus

Umgekehrt hat der Professor bei der E-Plus-Gruppe dafür gesorgt, dass an der einen oder anderen Stelle mal nicht im üblichen Firmenstil gedacht wurde, sondern quer und von der anderen Seite aus. Natürlich hat er dabei nicht nur mit Schrewe gesprochen, sondern auch mit den rund 20 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Abteilung, in der er bei E-Plus arbeitete. Und außerdem bei einem Vortrag vor Führungskräften von E-Plus. “Als Unternehmen versuchen wir, einen ganz engen Kontakt zu unseren Kunden aufzubauen”, er-läutert Schrewe. Die Lehrenden und Studierenden der Westfälischen Hochschule sind für sie dabei besonders attraktiv, “denn sie sind nicht nur häufig privat auch Kunden, sondern gleichzeitig an der Front der Entwicklung und brüten ständig an neuen Ideen, die das Handy-Telefonieren in die Zukunft führen können.”

Der Kontakt soll über das Praxissemester hinaus bestehen bleiben

So hatten beide Partner etwas von der dialogorientierten Atmosphäre des professoralen Praxissemesters. Und beide denken bereits über das Ende des Semesters hinaus: Im Kontakt bleiben will man auf jeden Fall. Und Mansel könnte als Mittler zwischen Hochschule und Praxis dafür sorgen, dass Studierende im Rahmen ihrer Abschlussarbeiten Themen von E-Plus bearbeiten oder als Absolventen ihren Berufseinstieg dort nehmen. Das Praxisfreisemester wird von Professoren der Westfälischen Hochschule eher selten genutzt: “In den vergangenen 20 Jahren haben nur rund zehn Professoren ein Praxisfreisemester gemacht”, so Personalleiter Franz-Josef Spindeler, “wahrscheinlich auch, weil nicht viele Firmen solche Gelegenheiten bieten.” Vier von fünf Freisemestern dagegen werden für Forschung und Entwicklung genutzt, sowohl in den Technik- als auch in den Natur- und Geisteswissenschaften.

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