Erwachsen ist es schon länger, doch diesen Mai wird das E-Plus Netz auch offiziell volljährig. Vor 18 Jahren beginnt die E-Plus Gruppe, Verbraucher über ihr Netz mit Mobilfunkangeboten zu versorgen. Die Ambitionen sind von Anfang an hoch. Aber niemand kann bereits 1994 vorhersagen, dass aus 600 Kunden der Starttage einmal mehr als 23 Millionen Teilnehmer werden. Ebensowenig, dass E-Plus Innovationen wesentlichen Anteil am Siegeszug des Mobilfunks in Deutschland haben werden.

27. Mai 1994: Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger genießt den 71. Geburtstag in den Vereinigten Staaten. Da klingelt sein Telefon. Dr. Wolfgang Bötsch, seinerzeit Bundesminister für Post und Telekommunikation, ist am anderen Ende. „Alles Gute, Henry“, wünscht er dem gebürtigen Franken Kissinger. 500 Gäste sind live dabei, als Bötsch den Glückwunsch in ein türkisfarbenes Mobiltelefon spricht. Dieses erste offizielle Gespräch über das E-Plus Netz ist Teil einer Eröffnungsgala im Roncalli-Zirkuszelt in Berlin. Kurz nach dem transatlantischen Gruß greift auch Moderator Günther Jauch zum Nokia-2140-Handy, das bei E-Plus PT-11 heißt. Er erreicht Thomas Gottschalk in einem Münchener Restaurant.

Zu dem Zeitpunkt nutzen bereits die ersten 600 Kunden das Mobilfunknetz von E-Plus. Elf Tage vorher hatte die Vermarktung begonnen. Allerdings ist mobiles Telefonieren 1994 kein günstiges Vergnügen. 44 Mark, also umgerechnet 22 Euro Grundgebühr pro Monat kostet der Partner-Tarif. Hinzu kommen bis zu 1,64 Mark pro Telefonminute. Für Kunden mit dem Profi-Tarif (für 59 Mark) reduziert sich der maximale Minutenpreis immerhin auf 1,19 Mark. Flatrates sind noch Zukunftsmusik.

Zum Vermarktungsstart ist die Netzversorgung bei E-Plus nicht flächendeckend. Eine kostenlose Mailbox gehört daher von Anfang an zum Service. Beim Netzaufbau stehen erst einmal Ballungsräume im Fokus. Das gilt auch im Osten. Wenige Jahre nach dem Ende der DDR fehlt es dort an Festnetzanschlüssen. So ist es kein Zufall, dass der zweite offizielle Netzstart im Osten erfolgt: am 6. Juni im Großraum Leipzig/Halle/Dessau. Wieder wird mit Roncalli und Günther Jauch gefeiert. Dieses Mal holt der Moderator mit dem türkisen PT-11 Udo Jürgens an die Strippe. Der Erfolg des Netzstarts zeigt sich Ende 1994, als die Zahl der Nutzer des Netzes bereits auf 30.000 gestiegen ist.

E-Plus Netz: Immer für eine Innovation gut

Gegenüber DeTeMobil (Telekom) und Mannesmann Mobilfunk (heute Vodafone) ist die E-Plus Mobilfunk GmbH & Co. KG zwar ein Nachzügler. Außerdem hat E-Plus aufgrund seiner Frequenzausstattung mit wesentlich höheren Infrastrukturkosten zu kämpfen. Für den Ausbau ihrer Netzabdeckung vorrangig über die 1800er-Frequenz braucht das Unternehmen deutlich mehr Stationen als die Wettbewerber mit ihren räumlich weiter reichenden Frequenzen. Doch von Anfang an macht die Nummer drei am Markt mit pfiffigen Ideen und mancher Innovation von sich reden. So gelingt es E-Plus früh, störende Nebengeräusche von Mobilfunktelefonaten zu unterdrücken. 1998 kürt die Zeitschrift connect das E-Plus Netz zum „Netz mit der besten Klangqualität“.

1999 beginnt E-Plus, die Datenversorgung in seinem Netz zu beschleunigen: Als erster Netzbetreiber führt das Unternehmen HSCSD ein. Durch die Verteilung der Daten auf vier parallele Kanäle steigt die Übertragungsgeschwindigkeit im GSM-Netz von 9,6 auf 38,4 Kilobit pro Sekunde, später sogar auf 56 kbit/s. Aus heutiger Sicht bescheidene Werte, aber der Zeitschrift connect ist HSCSD der Innovationspreis 2001 wert.

Netzstart der E-Plus Gruppe

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