Campus Party 2012 in Berlin

Campus Party 2012 in Berlin (Fotograf: Felix L. Steck)

Nach dem ersten Tag auf der Campus Party sind sich unsere rasenden Reporter einig: Die Realität übertrifft die Vorstellungen und Erwartungen, die sie sich vorab von so einer Großveranstaltung gemacht hatten. Stellvertretend für alle rasenden Reporter schildert Philipp Oppermann den ersten aufregenden Tag auf dem größten Technologie-Festival der Welt.

Wir rasenden Reporter haben uns im Vorfeld auf vieles eingestellt: mehr als 5.000 Teilnehmer, Keynotes bekannter Schriftsteller, Techniker, Programmierer, Workshops, Gewinnspiele, Turniere.

Campus Party 2012 in Berlin

Campus Party 2012 in Berlin (Fotograf: Felix L. Steck)

Die Realität hat die Erwartungen allerdings um ein Vielfaches übertroffen. Um es vorweg zu nehmen: die Campus Party ist groß, wirklich sehr groß. Viel mehr aber als durch die hohe Teilnehmerzahl für einen Event dieser Art und die große Veranstaltungsfläche, rührt die Überwältigung aus einer simplen Tatsache: Die Campus Party funktioniert anders als Messeveranstaltungen oder Kongresse. Die so genannten Campuseros fließen geradezu durch den Berliner Tempelhof, der mit zahlreichen Bühnen und Arbeitsbereichen gepflastert ist. Vom Laptop zum nächsten Redner, vom Redner zum Workshop, vom Workshop zum Arbeitsbereich – nichts ist wirklich statisch hier (bis auf die Gamer, deren Hauptaugenmerk sich den verschiedenen Turnierserien widmet, und vielleicht noch die IP-Adresse).

Geeks stehen im Mittelpunkt

Die Geeks, wie sie hier freundlich genannt werden, nehmen alle Informationen wie Schwämme auf. Sie sind froh, unter Gleichgesinnten zu sein und feiern sich selbst. Für die wenigen Außenstehenden sind etwa die ausgestellten so genannten Case-Mods (also modifizierte und neugestaltete Computer in allen Formen) faszinierend, aufmerksamkeitserregend, spektakulär. Computer-Cracks hingegen laufen mit einem Grinsen und einem kurzen, wertschätzendem Zwinkern an jenen Konstrukteuren vorbei, die vereinzelt immerhin bis zu 18 Monaten Lebenszeit in den Bau eines einzigen Computers gesteckt haben. So etwas haben sie schon dutzendende Male gesehen.

Vorträge werden zu Paneldiskussionen

Campus Party 2012 in Berlin

Campus Party 2012 in Berlin (Fotograf: Felix L. Steck)

Die starke Dynamik der Veranstaltung spiegelt sich auch in den Keynotes wieder: während herkömmliche Frontalvorträge in einer Fragerunde münden, bei der sich für gewöhnlich selten Presse oder Fachbesucher zu Wort melden, münden die Fragerunden hier in bunte und ausschweifende Paneldiskussionen. Die Zielgruppe ist zwar jung, dennoch steht die Scham der Neugier selten im Weg. Überhaupt sind die Campuseros weit heterogener, als es das Klischee des Geeks vermuten lässt, und sie sind alles andere als schüchtern. Sie wissen, dass das digitale Zeitalter längst eingeläutet wurde. Das schafft Selbstbewusstsein.

Ideen und ihre Interferenzen

Die Campuseros wissen um ihren Marktwert und sind zum Teil auch hier, um diesen zu steigern: In dem sie Netzwerke aufbauen oder sich mit Hilfe der technologieorientierten Vorträge aufschlauen. Davon gibt es reichlich, egal an welchem Ort man sich aufhält. Durch die Boxen dröhnen zwischen den Bühnen von allen Seiten die Stimmen der Zukunft. Sie verschwimmen miteinander, verwirren oder stören sogar zum Teil. Daher lautet die Devise, nichts wie hin zum nächsten Vortrag. So springen die Interessierten von rechts nach links, von unten nach oben und bilden sich fort – bevor sie wieder hinter ihren Monitoren versinken und an dem Quellcode Europas programmieren.

Campus Party – Opening Ceremony

Relikte schaffen Atmosphäre

Der Flughafen Tempelhof

Der Flughafen Tempelhof (Fotograf: Felix L. Steck)

Es gibt noch einen weiteren Faktor, der die Campus Party zu etwas ganz Besonderem macht: der Ort. Der Flughafen Tempelhof ist für viele Veranstaltungen bekannt, vor allem aber für Konzertveranstaltungen und Raves. Das Gelände bietet Platz und weist einen sehr speziellen Charme auf: die alten Gepäckbänder, Check-In-Schalter und Wegweiser sind weiterhin vorhanden. Die verlassenen Hangars wirken eindrucksvoll und altmodisch zugleich. Der ideale Kontrast zu den Computern, Monitoren, Robotern und dem riesigen Glaskasten in der Mitte der Halle, der das Herzstück, nämlich die Netzwerkinfrastruktur der Campus Party, beinhalten.

Werft trifft Flughafen

Mit dem Wort Halle ist übrigens die Indoor-Outdoor-Hybridlösung gemeint, die aus der Not (aufgrund der strengen brandschutzrechtlichen Auflagen) eine Tugend gemacht hat: nach außen hin schirmen rund 200 eigens importierte Schifffahrtscontainer aus Rotterdam sowie Hamburg die Sitzbereiche und Bühnen wie eine Wand ab. So entsteht der Eindruck einer Indoor-Veranstaltung, jedoch nicht ohne auf die Vorzüge der frischen Luft und einem angenehmen Lichteinfall zu verzichten. In so einer Umgebung waren die Campuseros garantiert noch nie. Die äußerst kreativen Standkonzepte von Google, Wayra oder Think Big tragen ihren Teil dazu bei.

So beschäftigen wir uns an unserem ersten Tag auf der Campus Party neben unser Aufgabe als rasende Reporter damit, die vielen Eindrücke auf uns wirken zu lassen. Orientierung und Akklimatisierung sind dabei die Zauberwörter. Denn in diesen Gefilden sind wir alle noch nicht geschwommen. Morgen tauchen wir tiefer ab. Bis dahin, stay tuned!

Weitere Informationen rund um die Campus Party Europa

…finden sich auf der Campus Party Website, auf Facebook, auf Twitter, auf Google+, auf Pinterest, auf YouTube, auf Flickr und dem eigenen Campus Channel wieder. Twitter Hashtag: #CPEurope


Fotos: www.f-s-p.com

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