Übergabe vom 10.000-Euro-Scheck beim Hasso Plattner Ventures

Übergabe vom 10.000-Euro-Scheck beim Hasso Plattner Ventures

“Geschwindigkeit ist ein Geschäftsvorteil”, sagte der SAP-Gründer Hasso Plattner in der vergangenen Woche. In seiner Eröffnungsrede für das Hasso Plattner Ventures Forum on Entrepreneurship erklärte er, wie seine nächste Software tagelange Datenauswertungen in wenigen Sekunden erledigen wird. Mit seinem flammenden Vortrag gab der 68-jährige, der noch lang nicht in Rente geht, den Takt für den Rest des Tages vor. Dabei sparte er nicht mit Kritik an veralteten Arbeitsweisen in Großunternehmen, die doch eigentlich seine besten Kunden sind. Und er bewies vor allem eins: Leidenschaft.

Das war auch das Motto der Veranstaltung mit fast 300 Teilnehmern, die von Telefónica Germany gesponsert wurde und mit hochkarätigen Rednern glänzte. Fernando Burgos, Vice President for New Business bei Telefónica Germany, forderte nicht nur mehr Leidenschaft von jungen Unternehmensgründern in Deutschland und Europa, sondern auch mehr Mut. Den konnte das Wayra-Startup Cleverlize gleich beweisen, als sie im Pitch für eine 10.000-Euro-Finanzierung antraten. Sie wurden nur knapp geschlagen.

Peter Thiel: Paypal und Facebook an den Start gebracht

Cleverlize - Hasso Plattner Ventures

Lukas Steinbacher und Binh-An Tran von Cleverlize

Zu den Höhepunkten zählten außerdem ein Vortrag, wie man durch lautes Bellen die Angst vor Fehlern überwindet, und der Auftritt von Paypal-Mitgründer Peter Thiel. Der bekannte Facebook-Frühinvestor, der im Hollywood-Film The Social Network als knallharter Charakter erschien, ist in Wirklichkeit sehr freundlich und sozial eingestellt. Sein Vortrag handelte davon, wie die USA durch Gier nach kurzfristigen Gewinnen in die Finanzkrise schlitterten und wie sie mit einer langfristigen unternehmerischen Planung wieder herauskommen können.

“Die wirklich erfolgreichen Unternehmen werden für eine lange Zeit gebaut”, lautete sein Fazit, “denn ihr Wert entsteht erst nach vielen Jahren”. Als Beispiel zog er Marc Zuckerberg heran, der sich weigerte, sein Facebook 2006 für eine Milliarde Dollar an Yahoo zu verkaufen. Sechs Jahre später ging die Firma mit einer Bewertung von über 100 Milliarden an die Börse. So eine VWL-Vorlesung hätte man vielleicht an der Humboldt-Universität erwartet. Aber nicht von einem Investor, der im August 400 Millionen Euro an einem Tag kassierte, als er Facebook-Aktien verkaufte. Er braucht Geld für seine neue Leidenschaft: Stipendien für Jugendliche unter 20 Jahren, die das College hinwerfen, um lieber eigene Firmen zu gründen.

Eran Davidson: Leidenschaft als erstes Wort

Peter Thiel - Hasso Plattner Ventures

Hasso Plattner und Peter Thiel

“Im Leben geht es eben nicht darum, dass man tut, was man mag”, erklärte Eran Davidson in seinem Vortrag, “sondern das man mag, was man tut”. Als Ausgleich zu seinem Job schwingt der Geschäftsführer von Hasso Plattner Ventures sich gern auf ein schnelles Motorrad oder geht Fallschirmspringen. Am Nachmittag überraschte er die Anwesenden mit seiner Ruderboot-Tour durch den Springbrunnen des Hasso-Plattner-Instituts der Uni Potsdam.

Sein erstes deutsches Wort war übrigens Leidenschaft, als er vor sieben Jahren für Hasso Plattner von Tel Aviv nach Berlin zog. “Nichts Großes in der Welt geschieht ohne Leidenschaft”, zitierte er Hegel. Nur wer Leidenschaft für seine Arbeit empfinde, könne damit glücklich werden. Dann setzte er nach: “Let’s go for it!”.

Fernando Burgos: Deutschland braucht mehr Hunger

Fernando Burgos - Hasso Plattner Ventures

Fernando Burgos bei Hasso Plattner Ventures Forum

Diesen Geist griff auch Fernando Burgos auf, als er auf der Bühne mit führenden Managern von Ebay, IBM und CMEA Capital diskutierte. Dabei hob er hervor, dass Europa “mehr Starts-Ups mit einer Mission braucht, welche die Welt erobern wollen”.

Auch Deutschland brauche wieder diesen Hunger nach Erfolg, den heute vor allem aufstrebende Staaten wie China und Indien hätten. Nur so könnten Innovationen und Fortschritte entstehen. Doch in Europa fehle oft der nötige Biss, erklärte der passionierte Marathon-Läufer. Zum einem richtigen Erfolg gehöre eben auch die Gewissheit, dass einen niemand auffängt, wenn man versagt. Das ist der stärkste Antrieb. Deutschland gehe es fast schon zu gut, um eine wirkliche Gründerkultur zu entwickeln.

Zum Geschäftsbereich von Fernando Burgos gehört auch das Telefónica-Programm Wayra, das sich im Vorraum mit einem Stand präsentierte und viele interessante Kontakte zu Unternehmern und Investoren knüpfen konnte. Die ersten Wayra-Startups ziehen seit dieser Woche in ihre schöne Akademie in Münchens Kaufingerstraße ein. Dort bekommen sie nicht nur modernste Büroräume und Finanzierungen bis 50.000 Euro, für die keine Exklusivität verlangt wird, sondern auch Coaching und Kontakte.

Außerdem erhalten die jungen Unternehmen die Möglichkeit, ein globales Netzwerk aus mehr als zwölf Akademien in Europa und Lateinamerika zu nutzen. Zum Abschluss ihres mehrmonatigen Aufenthaltes präsentieren die Startups ihre Projekte bei einem Demo Day vor Risikokapitalgebern für die Anschlussfinanzierung. Wayra ist der Accelerator, der die Jungfirmen in ihrer Entwicklung beschleunigt und ihre Produkte schneller auf den Markt bringt. Denn für Unternehmen kommt es vor allem auf Geschwindigkeit an, sagt Hasso Plattner.

 

Fotos vom Hasso Plattner Ventures Forum bei Flickr

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