Notruf 112

Ein Notruf über die europaweit gültige Notrufnummer
ist in Deutschland so gut wie überall möglich.

Ein Sonntag im September: Zur besten Sendezeit zeigt die ARD den Bremer Tatort „Hochzeitsnacht“. Während einer Hochzeitsfeier im Bremer Umland, bei der auch die beiden Kommissare Lürsen und Stedefeld in rein privater Funktion als Gäste anwesend sind, wird die Gesellschaft von maskierten Männern überfallen. Im weiteren Verlauf der am 16. September ausgestrahlten Folge versucht Stedefeld, dem zwischenzeitlich die Flucht gelingt, außerhalb des Gasthofs Hilfe zu rufen. Doch der Notruf über die 112 misslingt. In einer Großaufnahme ist das Display des Handys mit dem Schriftzug „Kein Netz“ zu sehen.

Das dieser Fall in Deutschland und noch dazu in bewohntem Gebiet extrem unwahrscheinlich ist, wird schnell deutlich, wenn man sich die Versorgungskarten der vier Mobilfunkanbieter in Deutschland ansieht. In den vergangenen 20 Jahren haben alle Anbieter kräftig in den Netzausbau investiert und die Republik inzwischen flächendeckend mit Mobilfunk versorgt. Daher ist heute – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auch in den entlegenden Ecken des Landes eines der GSM- oder UMTS-Mobilfunknetze der vier deutschen Mobilfunkanbieter zu empfangen. Selbstverständlich ist ein Kunde, auch wenn alle Netze vor Ort verfügbar sind, regulär an seinen Anbieter gebunden und kann deshalb primär nur dessen Netz nutzen. Unabhängig davon, ob in Prepaid- oder Vertragsform.

Notrufszenario eingeplant

Doch in einem Notfall sieht das anders aus. Diese spezielle Besonderheit hatten die Entwickler der Spezifikationen des GSM– und UMTS-Standards seinerzeit im Blick, sie haben mitgedacht und eine Sonderlösung implementiert: Findet das Mobiltelefon beim Absetzen eines Notrufs über die inzwischen europaweit gültige Notrufnummer 112 das eigene Netz nicht, sucht es das stärkste empfangbare Mobilfunknetz in der Umgebung – und das kann und darf auch das Netz eines der übrigen drei deutschen Anbieter sein. Auf diese Weise ist das Erreichen einer Rettungsleitstelle auch in lebensbedrohlichen Notfällen sichergestellt. Somit stellt auch das Bremer Umland mit seinen abgelegenen Gasthöfen wie im ARD-Tatort keine Ausnahme dar. Nur eines sollte man nicht: das Mobiltelefon ohne aktive SIM-Karte nutzen. Denn wer ein Handy ohne SIM-Karte nutzt, kann seit Juli 2009 über diesen Weg keinen Notruf mehr absetzen. Eine Verordnung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie verlangt, dass eine gültige SIM-Karte im Mobiltelefon stecken muss. Ganz egal, ob sie ein Guthaben enthält oder nicht.

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