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„Die SMS wird zum Auslaufmodell“, titelte der Brancheninformationsdienst teltarif.de noch Ende Oktober. Doch ganz so schnell wollen zumindest die Deutschen den gerade 20 Jahre alt gewordenen Short Messaging Service offenbar nicht aufs Altenteil schicken. Im Gegenteil: Für dieses Jahr wird ein neuer Rekord in Sachen Kurznachrichten-Versand erwartet.

 Egal ob Säugling oder Greis: Im Schnitt verschickt jeder Bundesbürger in diesem Jahr etwas über 700 SMS. Macht zusammen rund 58 Milliarden Stück – fast 160 Millionen pro Tag und über 100.000 jede Minute. Laut Branchenverband BITKOM wäre das ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Und so geht es seit Jahren. Kontinuierlich haben die Deutschen mehr SMS verschickt. Noch vor fünf Jahren kursierten mit 25,3 Milliarden nicht mal halb so viele SMS wie 2012. Und im Jahr 1999 versandte jeder Einwohner laut BITKOM gerade mal 44 SMS – nicht etwa pro Tag, sondern im ganzen Jahr.

An dem anhaltenden Zuwachs konnten einstweilen auch neue Messaging-Plattformen nichts ändern, bei denen sich Nachrichten direkt über das mobile Internet austauschen lassen und die den klassischen SMS-Dienst damit z.T. überflüssig machen könnten. „Die neuen Messenger-Dienste für Smartphones kannibalisieren die klassische SMS bislang noch nicht“, befindet dann auch BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Zwar nutzen viele (insbesondere junge) Teilnehmer WhatsApp, mySMS, iMessage und Co., doch dabei häuften sich zuletzt Probleme. So kam es immer mal wieder zu Verfügbarkeitsausfällen, über die sich mancher geärgert haben dürfte.

Zumindest bei WhatsApp scheint darüber hinaus inzwischen eine Jahresgebühr in der Diskussion zu sein. Und Datenschützer melden Vorbehalte gegen das Geschäftsgebahren mancher dieser Dienste. Kürzlich berichtete der Deutschlandfunk darüber, dass Programme wie WhatsApp bei der Anmeldung neuer Kunden offenbar automatisch und ungefragt alle Einträge aus deren Adressbuch auslesen, um zu prüfen, wer im Bekanntenkreis den Dienst schon nutzt. Auch scheinen einige Apps mit Sicherheitsproblemen zu kämpfen zu haben, die den Fremdzugriff auf Daten ermöglichen.

SMS ist nach wie vor eine wichtige Umsatzsäule

Dennoch: Ganz so viel Geld wie früher wird heute mit der praktischen SMS nicht mehr verdient. Nahmen Netzbetreiber und Service-Provider nach einer Erhebung des Branchenverbands VATM 2007 noch rund 2,4 Milliarden Euro ein, werden für das laufende Jahr noch 2,0 Milliarden Euro prognostiziert. Immerhin: Das wäre genauso viel wie 2011 und 2010, so dass der Abwärtstrend zumindest einstweilen gestoppt wurde. Außerdem sind es noch immer rund zehn Prozent vom Service-Umsatz.

Zur finanziellen Entwicklung hat natürlich die Tarifentwicklung beigetragen. Die Einführung von Flatrates umfasste von Anfang an auch die SMS. Und schon am 1. November 2006 brachte BASE eine reine (netzinterne) SMS-Flat für monatlich fünf Euro auf den Markt. Seither wurde das Flatrate-Prinzip immer weiter ausgebaut und beinhaltet heute typischerweise auch Nachrichten in alle übrigen (inländischen) Netze. Praktisch jeder Anbieter hat inzwischen Tarifpakete, in denen die SMS-Flat obligatorischer Bestandteil ist. Und auch abseits von Flatrates kosten SMS oft nur wenige Cent. Zum Vergleich: noch 1998 zahlte man im sogenannten „Privat-Tarif“ bei E-Plus 39 Pfennige für eine SMS in andere Netze. Bei den Discountern sind es häufig 9 Cent.

160 Zeichen genügen

Schon früh wurde geunkt, dass 160 Zeichen viel zu wenig seien, um substanzielle Botschaften zu übermitteln. Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, dass das nicht stimmt. Im Gegenteil: Die Begrenzung hat eine ganz eigene Sprachkreativität beflügelt. Und schon die allererste SMS vom 3. Dezember 1992 war sogar mit deutlich weniger ausgekommen: Neil Papworth hatte an seinem PC einfach „Merry Christmas“ eingetippt und an das Orbitel 901 von Richard Jarvis geschickt. (Jarvis befand sich gerade auf einer Weihnachtsfeier). Ein kraftvoller Inhalt, der sicher auch in diesem Jahr auf Millionen Displays erscheinen wird. In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, SMS!

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