Pronino 2012

Proniño 2012: Kindern helfen in der Casa de la Niñez

Proniño von Telefónica ist die weltgrößte Initiative eines Privatunternehmens gegen Kinderarbeit. Das Programm ist in 13 Ländern aktiv und versorgt mehr als 211.000 Kinder. Damit wird Proniño nur von den Kinderhilfswerken der Vereinten Nationen übertroffen. Ganz regelmäßig reisen auch europäische Telefónica-Mitarbeiter als freiwillige Helfer nach Lateinamerika, um dort den Kindern zu helfen. In diesem Jahr war ich selbst mit dabei sehe seitdem viele Dinge mit anderen Augen. Davon möchte ich heute berichten.

Am 14. Juli 2012 habe ich endlich die Chance, nach Südamerika zu fliegen und Teil des Freiwilligenprogramms zu werden. Schon um 3 Uhr klingelt der Wecker und 4.30 Uhr sitze ich im Taxi, um den 7-Uhr-Flug nach Quito über Madrid zu erwischen. Nach 24 Stunden Reise, drei Städten, drei Flughäfen und sieben Stunden Zeitunterschied komme ich endlich mit vier spanischen Kollegen und einer Slowakin in Quito an. Dort begrüßt uns Gaby, die nette Betreuerin von von der Fundación Telefónica. Unseren Weg zum Hotel macht sie gleich zu einer spannende Tour durch die Stadt. Die kleine Gruppe versteht sich sofort.

Neun Länder, ein Ziel: Kindern helfen in der Casa de la Niñez

Obwohl das Hotel in einer sehr armen und gefährlichen Gegend liegt, ist es doch sehr schön. Wir wohnen zu dritt in Appartments ohne Heizungen, doch man gewöhnt sich schnell daran. Meine Mitbewohnerinnen sind Katarina aus der Slowakei und Norma aus Mexiko. Wir kommen großartig miteinander zurecht, auch wenn Norma oft mit unserem Castellano-Spanisch kämpfen muss.

Am nächsten Morgen geht es gleich zum ersten Workshop für die Vorbereitung der zwei Wochen Volunteering in der Casa de la Niñez . Diese Kindertagesstätte wird für die kommenden Wochen unser Arbeitsplatz und sein und wir lernen sie gleich am Tag darauf kennen. Das ist ein Sonntag und die letzten Mitglieder unserer Gruppe von Freiwilligen kommen erst in der Nacht an. Doch dann ist unser Team von Telefónica komplett. Wir kommen aus neun Ländern und haben ein gemeinsames Ziel: zu helfen, wo unsere Hilfe benötigt wird, und mit dem ganzen Herzen dabei zu sein. Doch dass es gleich so überwältigend wird, das überrascht mich.

Der nächste Tag ist ein Montag und wir fahren um 8 Uhr in die Tagesstätte. Dort stürzen sie auf uns zu: Hunderte kreischende Kinder und alle wollen uns umarmen. „Wo kommst du her?“, heißt es und „Warum hast du gelbe Haare?“ oder „Ich will auf Deinen Arm!“ und natürlich: „Hast Du etwas Süßes?“. Solche Fragen prasseln auf uns ein. Die ganze Hand wird gleich genommen, sie springen auf die Arme und jeder hat ein Lächeln auf dem Gesicht. Sofort schließen wir die Kinder zwischen vier und zwölf Jahren in unsere Herzen und lieben sie, als ob es die eigenen wären.

Plötzlich Schwimmlehrerin: Mit der Fahne ins Bad und zu Madagaskar

Pronino 2012

Proniño 2012: Löwen, Sterne und Falken

Als nächstes teilen wir die Kinder in Gruppen nach dem Alter auf und geben ihnen starke Namen. Wir haben Leones (Löwen), Estrellas (Sterne), Halcones (Falken) und noch viel mehr. Zusammen mit Nidia aus Argentinien betreue ich die Estrellas. Wir basteln eine eigene Fahne, die unser Wahrzeichen wird. Jeden Tag veranstalten wir Workshops: Tanzen, Breakdance, Hiphop, Kochen, Kunst und noch viel mehr stehen auf dem Programm. Die Kinder können gar nicht genug davon bekommen.

Auch ins Schwimmbad gehen wir und erleben die nächste Überraschung. Viele Kinder können gar nicht schwimmen. Na gut, dann arbeite ich eben als Schwimmlehrerin. Den Kindern gefällt das sehr, doch der wahre Höhepunkt ist natürlich der große Film: Madagaskar 3 kommt auf die Leinwand und für die meisten Kinder ist es der erste Kinobesuch in ihrem Leben. Als das Licht ausgeht, fangen viele an zu schreien. Während unserer zwei Wochen in der Casa de la Niñez renovieren wir auch die Bibliothek und den Hof. Zum Abschluss gibt es eine große Feier, an der sogar viele Medien und die Königin von Quito teilnehmen, die in Ecuador jedes Jahr neu gewählt wird.

Nicht immer einfach: Geburtstag, Tod und Trennungsschmerz

Abends essen wir immer zusammen oder kochen. Der Zusammenhalt der Gruppe wird immer stärker und wir gehen gemeinsam durch Höhen und Tiefen. Vom Geburtstag bis zum Tod von Familienangehörigen – das alles erleben wir in gerade mal zwei Wochen und halten immer stärker zusammen. In der letzten Woche gibt es es eine Menge nachdenklicher Gespräche und viele Tränen laufen, weil wir die Wirklichkeit der Kinder immer besser verstehen.

Pronino 2012

Proniño 2012: Christine mit den gelben Haaren

Mein Liebling ist Salomé. Das kleine Mädchen will immer nur bei mir sein. Sie schläft auf meinem Schoß ein, liegt in meinen Armen und sucht Geborgenheit bei mir. An meinem letzten Tag in Quito wird auch ihr bewusst, dass ich gehen muss. Sie holt mich wieder aus dem Taxi und umarmt mich. Wir hatten immer zusammen im Hof getanzt und gesungen. Salomé lächelt, doch plötzlich weint sie und umarmt mich noch fester als sonst. Wir sind beide sehr traurig.

Dann überreicht sie mir noch ein Geschenk. Es ist eine kleine Box mit einem Herz, Kaugummi, einem Ring und einem Brief der sagt: „Liebe Christine, wenn ich bei Dir bin, dann fühle ich mich wie ein kleiner Engel. Du bist so nett und lieb zu mir. Wenn du gehst, werde ich weinen und sehr traurig sein, denn du bist wie meine eigene Mama. Deine Tochter Salomé. Kuss, ich werde Dich vermissen.“

Plötzlich fange ich an zu weinen und alle schauen zu. Ein solches Geschenk und so ein liebes Kind im Arm, das auch noch weint, das ist zu viel für mich. Der Abschied ist schwer, sehr schwer sogar. Salomé ist bis heute tief in meinem Herzen und wird es immer sein. Ich wünsche ihr alles Glück der Welt und hoffe, dass sie das Beste aus ihrem Leben machen kann. Hoffentlich sehe ich sie eines Tages wieder. Es hat mir sehr viel gegeben, diesen Kindern ein wenig Liebe zu geben, die sie von ihren Eltern kaum bekommen können, weil sie so viel arbeiten müssen, um die Familie durchzubringen. Wer das einmal selbst erlebt hat, der weiß Bescheid. Durch Proniño habe ich auch viel über mich selbst gelernt.

Augen auf und mitmachen: Proniño heißt „für die Kinder“

Was hat mir diese Erfahrung gebracht? Ganz einfach: meine Augen geöffnet. Ich weiß jetzt besser, was im Leben wirklich wichtig ist. Es kommt nicht auf den passenden Schal zum schönsten Outfit oder auf das schnellste Auto an. Die Kinder der Casa de la Niñez in Quito tragen jeden Tag dieselbe Hose, kaputte Socken und alte Schuhe. Sie leiden und schuften als Kinderarbeiter. Manche leiten daheim den ganzen Haushalt, obwohl sie gerade mal sechs Jahre alt sind, oder sie verkaufen täglich Kleider auf dem Markt. Das darf nicht sein. Jedes Kind muss die Möglichkeit bekommen, in die Schule zu gehen und etwas aus seinem Leben zu machen. So wie es bei uns ganz selbstverständlich ist.

Proniño heißt „für die Kinder“ und der Name ist Programm. Es freut mich sehr, dass ich ein wenig helfen konnte. Gerade jetzt im Advent denke ich oft an meine Zeit in Ecuador zurück. Ob es Salomé wohl gut geht?

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