Voice over LTE - VoLTE Handover Telefonica o2 Deutschland

Telefónica ist in Deutschland ein Durchbruch gelungen: Als erster Netzbetreiber der Welt haben wir eine Technik gezeigt, die Telefongespräche ohne Unterbrechung aus dem LTE-Netz in das UMTS-Mobilfunknetz übergibt und dafür Komponenten von verschiedenen Lieferanten nutzt. Der „Handover“ ist seit einigen Tagen in unserem Labor unter den Bedingungen eines echten Mobilfunknetzes möglich.

Mit diesem unmerklichen Wechsel schaffen es die Kollegen aus dem Netzwerkbereich, dass Sprachanrufe, die als Voice over LTE (VoLTE) beginnen, beim Verlassen des LTE-Netzes als herkömmliche Telefonate weitergeführt werden.

Das klingt ziemlich spannend, aber es ist nicht gerade einfach zu verstehen. Maxwireless schrieb deswegen ein Erklärstück und wir unterhalten uns mit Karsten Schröder, Head of Converged Solutions, und Marin Mangri, der die technische Leitung des Projektes hat.

Was genau hat das Team im Testlabor erreicht?

Karsten: Eigentlich ist uns sogar ein doppelter Fortschritt gelungen: Wir zeigen in unserem Testlabor Telefonie über LTE und die Übergabe eines laufenden Gesprächs zurück ins 3G-Netz. Bisher müssen beinahe alle LTE-Smartphones zum Telefonieren aus dem LTE-Netz ausloggen und in ältere Netzstandards wie 2G oder 3G umschalten. Mit diesem Workaround behelfen sich derzeit fast alle LTE-Anbieter. Das ist für die Kunden allerdings spürbar – unter anderem in Form von längeren Rufaufbauzeiten und einem Abbruch der LTE-Datenverbindung beim Wechsel ins 2G/3G-Netz für den Anruf.

Mit LTE kann man bisher noch gar nicht telefonieren? Warum?

Voice over LTE - VoLTE Handover Telefonica o2 DeutschlandKarsten: Technisch ist die Telefonie direkt über das LTE-Netz – kurz VoLTE, für Voice over LTE – gar nicht so schwer umzusetzen. Diese Technik ist aber derzeit bei keinem Netzbetreiber in Europa für Kunden nutzbar. In wenigen Ländern, wie den USA, bieten einige wenige Netzbetreiber Telefonate über ihr LTE-Netz an – jedoch mit der Einschränkung, dass dort jedes Gespräch abbricht, sobald der LTE-versorgte Bereich verlassen wird und nur noch 2G oder 3G zur Verfügung steht. In dieser Übergabe zwischen den Netzen liegt die große technische Herausforderung – und die konnten wir in unserem Testlab in München nun als erster Netzbetreiber weltweit demonstrieren: Unter realen Bedingungen, also mit den Komponenten und Netzelementen der unterschiedlichsten Hersteller, wie sie auch unserem Netz verbaut sind. Ein großartiger Erfolg für das gesamte Team.

Und was hat der Kunde davon?

Karsten: Die reibungslose Übergabe zwischen dem 3G- und dem LTE -Netz ist eine zentrale Voraussetzung, um unseren Kunden die Telefonie über LTE überhaupt anbieten zu können. Mit der neuen Technik brechen die Telefonate beispielsweise nicht ab, wenn man mit dem Auto einen LTE-versorgten Bereich verlässt. Das ist wichtig, gerade da LTE in Deutschland noch nicht flächendeckend verfügbar ist. Zudem profitieren Kunden mit VoLTE von kürzeren Rufaufbauzeiten und besseren Akkulaufzeiten.

Worin bestand Eure größte Herausforderung bei dem Projekt?

Marin TelefonicaMarin: Zum einen in den Realbedingungen, von denen Karsten gerade schon gesprochen hat. In der perfekt aufeinander abgestimmten Laborwelt eines einzelnen Anbieters lassen sich Voice over LTE und auch die Übergabe eines Gespräches zwischen den Netzen natürlich deutlich einfacher zeigen. Wir sind die ersten, die beides mit Komponenten von insgesamt sechs Lieferanten demonstrieren können – das entspricht den Bedingungen eines heutigen Mobilfunknetzes.

Und technisch?

Marin: Technisch lag die Herausforderung darin, dass die Gespräche in 2G/3G und LTE auf ganz unterschiedliche Art vermittelt werden: Die Sprachtelefonie in unseren 2G/3G-Netzen ist leitungsvermittelt. Dieser alte Standard ist im LTE-Netz nicht mehr verfügbar, dort werden alle Gespräche komplett digital über das Internet-Protokoll (IP) abgewickelt. Damit ein Kunde also nicht merkt, dass er mit seinem laufenden Gespräch aus LTE in 3G wechselt, müssen wir in Sekundenbruchteilen zwischen Übertragungstechniken und Sprachsystemen wechseln. Das ist in etwa so, als würde man von einem MP3-Player zurück auf einen CD-Player umsteigen – und das ohne es zu merken, obwohl man gerade über Kopfhörer einen Song hört. Möglich wird das durch eine Technologie, die Single Radio Voice Call Continuity (kurz SRVCC) heißt, und die sowohl im LTE-Smartphone, als auch im LTE- und im 2G/3G-Netz verfügbar sein muss.

Voice over LTE - VoLTE Handover Telefonica o2 DeutschlandAn den SRVCC-Tests hier im Testlab war ein Team von 20 internen Kollegen und 14 Ingenieuren von vier verschiedenen Herstellern beteiligt. Wir haben dabei mit Smartphone-Prototypen und neuentwickelter Software von unterschiedlichsten Firmen gearbeitet.

Karsten: Die Arbeit mit dieser Zukunftstechnologie ist wirklich spannend. Wir alle haben viel aus diesem Projekt gelernt und sind dem Einsatz von VoLTE in unserem Live-Netz einen großen Schritt näher gekommen. Unser gesamter Rolloutprozess wird sehr von den Dingen profitieren, die wir jetzt im Labor geschafft und gelernt haben. Das ist ein echter Meilenstein für uns.

„Unser NT-Team zeigt damit erneut, dass wir zu den Vorreitern gehören. Unsere VoLTE-Technik ist weltweit führend. In Deutschland gehören wir zu den drei Anbietern, die die leistungsstarken 800-Megahertz-Frequenzen für LTE nutzen, die als einzige eine flächendeckende Versorgung mit rasanten mobilem Internet ermöglichen. Unsere Kunden werden durch VoLTE mit Handover zu GSM und UMTS die höchstmögliche Sprachqualität und Zuverlässigkeit für ihre Telefonate mit LTE-Smartphones bekommen.“
René Schuster, CEO

E-Mail an den Autor

 

Aktuelles per E-Mail

Blog-Archiv