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DPA hat es schon berichtet: Unser Innovationsbereich Telefónica Digital veröffentlichte am Donnerstag seinen Connected Car Industry 2013 Report. Er enthält die Gedanken von acht der weltgrößten Automobilhersteller und von Analysten von Machina Research über die Zukunft der Fahrzeugbranche. Dieser Report ermöglicht erstmals genaue Einblicke in den größten Wandel, welcher der Automobilindustrie seit mehr als 100 Jahren nun bevorsteht: die Vernetzung der Autos und ihre Computerisierung. Dadurch wird vielleicht sogar der Fahrer überflüssig und es heißt: „Schatz ich habe getrunken. Lass uns lieber mit dem Auto fahren, das ist sicherer!“ Wir werden es sehen.

Der Connected Car Industry 2013 Report zeigt die Möglichkeiten, Herausforderungen und kritische Aspekte dieser Entwicklung auf. Er steht hier in der deutschen Version als Download bereit und zeichnet einen Masterplan: Mit einem 10-Punkte-Programm beschreibt der Report, wie Automobilhersteller und Telekommunikationsanbieter zukünftig zusammenarbeiten müssen, denn vernetzte Autos werden schon in wenigen Jahren eine breite Marktdurchdringung erreichen. Schon jetzt haben Fahrzeuge mit eingebauter Konnektivität einen Marktanteil von zehn Prozent – und bis 2020 soll dieser Anteil auf 90 Prozent steigen.

Für diesen Wandel sind vier Themenfelder strategisch besonders wichtig:

  1. Der Wandel des heutigen Autohaus-Modells
  2. Wie diese neuen IT-Dienste im Auto und die benötigten Datenübertragungen bezahlt werden
  3. Die Zweifel der Autohersteller darüber, ihre Fahrzeuge für Drittanbieter zu öffnen
  4. Die Rolle der Mobilfunkbetreiber beim Vorantreiben dieses radikalen Wandels

Auto-Industrie: 100 Jahre altes Geschäft neu definiert

Verkehr in der Stadt bei NachtDie Nachfrage der Kunden nach Connected-Car-Services erfordert eine Umstrukturierung eines Geschäftsmodells, das über hundert Jahre größtenteils gleich blieb, sagt der Report. Bisher wurden Produktlebenszyklen, Zahlungsvorgänge und Kundenservice traditionell in Jahren gemessen. Doch die Kundschaft für Connected Cars wird eine komplett neue Service-Dynamik benötigen.

Die Automobilindustrie gleicht sich der Telekommunikationsbranche an, wo solche Zyklen in Monaten gemessen werden. Das wird einen starken Einfluss auf die Service-Pakete, Vertriebskanäle, Produkt-Pipelines, Preisgestaltung und Kundenbetreuung haben. In manchen Fällen werden vollkommen neue Geschäftsmodelle nötig, die von Grund auf neu gestaltet werden, weil sich die Dynamik zwischen Herstellern, Händlern und Kunden weiterentwickelt.

Länger sitzen: Neue Dynamik im Verkaufsraum

Startknopf für den Motor im AutoIn der Vergangenheit dauerte die Abwicklung eines Autokaufs nur 20 Minuten. Wegen der zunehmenden Komplexität, beispielsweise durch die Auswahl an Extras oder individuelle Wünsche, benötigt ein Händler heute ungefähr 1,5 Stunden. Und je mehr Connected Services zur Verfügung stehen, um so länger wird die Abwicklung dauern, prognostiziert der Report. Für die Händler hat das natürlich Auswirkungen auf ihre Kosten pro verkauftes Fahrzeug, genauso wie auf die Art des Vertriebs und die nötigen technischen Fachkenntnisse.

Auf der anderen Seite haben vernetzte Autos enorme Vorteile: Beispielsweise wenn die Fahrer und der Kundendienst automatisch benachrichtigt werden, falls der nächste Service ansteht oder wenn die Leistung im Auto abfällt. So kann man langfristigen Schäden und kostspielige Reparaturen vorbeugen.

Darüber hinaus stellt der Report die neuartigen Beziehungen zwischen Automobilherstellern und Eigentümern vor, die weit über den Verkaufsraum hinausgehen: Automarkenspezifische Anwendungen und Upgrades von Software-Lösungen oder neue On- und Offboard-Lösungen für Fahrzeuge eröffnen den Herstellern neue Wege, um tiefere, längerfristige und interaktivere Beziehungen mit den Autobesitzern zu pflegen.

Breitband im Auto: Wer soll das bezahlen?

Viele der Fragen, die der Report behandelt, kreisen ein besonders wichtiges Thema: Wer soll bei den vernetzten Autos für was bezahlen? Die Kunden sind es bisher gewöhnt, bei ihrem Autokauf nur einmal in die Tasche zu greifen. Doch die Hersteller haben erkannt, dass es nicht mehr profitabel ist, einfach nur die Autos zu verkaufen. Sie streben nach langfristigen Beziehungen.

Die traditionelle Telematik-Dienste verbrauchen bisher nur wenig Daten, doch mit den vernetzten Autos wird der Datenbrauch exponentiell steigen. Audi meldete bereits im Januar, dass seine Kunden von Audi connect seit April 2011 über 75 Terabyte an Daten verbraucht hatten. Das sind viermal mehr Daten, als die US-Kongressbibliothek enthält.

Die Automobilhersteller müssen deshalb innovative Preismodelle entwickeln, die flexibel sind und den Kunden einen echten Mehrwert gegenüber vergleichbaren Services bieten. General Motors schlug schon vor, dass Mobilfunkbetreiber die Autos ihrer Kunden als weiteres Endgerät mit auf die Mobilfunkrechnung setzen. Sie könnten auch Werbemodelle entwickeln, die den Datenverbrauch mit finanzieren.

Flexible Preismodelle stehen weit oben auf der Wunschliste der Autohersteller. Sie sollen Tarife ermöglichen, die für die speziellen Anforderungen der vernetzten Fahrzeuge entwickelt werden.

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Partner: Von Telkos lernen ist Schlüssel zum Erfolg

Aus der Studie geht auch hervor, dass die Automobilindustrie sich die Mobilfunkanbieter als Partner wünscht. Nicht nur als Anbieter von mobiler Bandbreite sondern auch, um ihre Kenntnisse und Erfahrungen beim Aufbau von starken und engeren Kundenbeziehungen zu teilen.

Arbeitsgruppen aus der Automobilindustrie und Mobilfunkbetreiber müssen geschaffen werden, um Wissen zu teilen und die Entwicklung neuer innovativer Geschäftsmodelle voranzutreiben. Sie sollen nicht nur der wichtigste Enabler für diese neuen Geschäftsmodelle sein, sondern auch ein Katalysator für den Wandel.

Der Bericht zeigt auch eine Reihe von Bereichen auf, welche die Moblfunkanbieter für die Autohersteller adressieren sollen. Dazu gehören weltweite Kundenbindungsmaßnahmen, Ende-zu-Ende-Services mit integrierten Software-Updates und Data Management sowie die Preisgestaltung beim Datenverkehr.

Babyschritte: Vorsichtiges Vorgehen bei Apps für Autos

Alle Studienteilnehmer erwarten, dass natürlich auch Apps ein Teil dieses neuen Ökosystems sein werden. Renault hat bereits seinen eigenen Store dafür gestartet. Dennoch glauben die Automobilhersteller, dass Fahrzeuge wahrscheinlich nicht zu so einem offenen Umfeld für App-Entwickler werden, wie man das von Smartphones kennt. Dem stünden die speziellen Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit entgegen.

Insgesamt gehen die Automobilhersteller davon aus, dass der Markt für Apps in Connected Cars deutlich kleiner sein wird als bei den Apps für Smartphones.

Connected Cars: Video-Interviews mit den Experten aus der Auto-Industrie

Die besten Zitate: Mein Auto holt mich ab

Zukunftsforscher Ian PearsonDer Zukunftsforscher Ian Pearson geht davon aus, dass die vernetzten Autos bisher unvorstellbare Veränderungen in unserem Fahrverhalten bewirken werden.

„In der Zukunft kommt das Auto zu mir. Es bringt mich, wohin ich mag. Und dann kann ich es einfach stehenlassen, damit jemand anders sich von dem Fahrzeug bedienen lässt. Diese Autos werden eine tatsächlich komfortable und sozial inklusive Form des öffentliches Verkehrs anbieten. Das kann sogar dazu führen, dass Busse von unseren Straßen verschwinden“, sagt der Experte im Connected Car Industry 2013 Report. „Die Personalisierung dieser öffentlichen Autos wird weitverbreitet sein: Sobald man einsteigt, stellt sich der Sitz auf die bevorzugte Position ein. Die Anweisung dafür bekommt er vom Smartphone. Sogar die Stoffbezüge und andere Oberflächen der Innenausstattung werden fähig sein, ihre Aussehen und die Beschaffenheit elektronisch an den Geschmack des Fahrers anzupassen. Dadurch wird die Nachfrage nach dem persönlichen Besitz von Autos noch weiter sinken. Warum noch selbst ein Auto besitzen, wenn sich doch jedes Auto wie mein eigenes anfühlt?“

Carlos Morales - TelefónicaCarlos Morales, Global M2M Director bei Telefónica Digital, sagt:

„Das vernetzte Fahrzeug ist eine der aufregendsten Innovationen, die wir in mehr als einem Jahrhundert der Automobil-Entwicklung erleben. Diese Studie ist die erste ihrer Art. Sie wurde in Zusammenarbeit mit einigen der weltgrößten Autohersteller und Branchenexperten erstellt. Der Report enthält praktische Ratschläge über die nächsten notwendigen Schritte, die weltweit branchenübergreifend gegangen werden müssen, um dieses unglaubliche Marktpotenzial auszunutzen und die Automobilbranche umzugestalten.“

Executive Summary: Connected Car Branchenbericht 2013

Executive Summary: Connected Car Branchenbericht 2013

Connected Car Report – Downloads und weitere Informationen

Telefónica Digital – Conncted Car Report vom 20. Juni 2013
Executive Summary (deutsch)
Executive Summary (deutsch) bei Slideshare
Report (deutsch)

Weitere Downloads zum Report finden Sie in der Pressemitteilung von Telefónica Digital:
Car industry must remodel itself to exploit the ‚connected future‘

Blog Telefónica Digital
Collaboration will power the Connected Car industry

Video von Telefónica M2M
Connected car

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