Dream Team 2013: Alle Münchner Wayra-Startups beim Investor demoDay.

Dream Team 2013: Alle Münchner Wayra-Startups beim Investor demoDay.

Der erste Wayra Investor demoDay in Deutschland war ein voller Erfolg. Aus der ganzen Bundesrepublik und mehreren europäischen Ländern kamen am Donnerstag die Investoren. Alle wollten unsere Startups aus der ersten Münchner Wayra-Generation in dem Pitch für ihre erste größere Finanzierungsrunde sehen. Bei dieser anspruchsvollen Präsentationsform müssen junge Unternehmen ihre Geschäftsideen und bisherigen Erfolge unter einem extremen Zeitdruck vorstellen, um ihre potenziellen Geldgeber davon zu überzeugen. Das läuft wie bei der Gong Show. In den anschließenden Einzelgesprächen ging es dann richtig zur Sache. Es wurden Term-Sheets besprochen und die Bedingungen für einen Einstieg sondiert. Der Wayra Investor demoDay hielt auch manche Überraschungen bereit.

Plötzlich fiel das Licht aus. Der Beamer bleibt dunkel und Cleverlize verliert den Faden. Der Pitch ist in Gefahr. Nur noch zwei Minuten bleiben für die Krönung der Vorstellung. Doch als die wichtigste Folie kommen soll, bleibt die Leinwand schwarz. „Was kann ich tun, um die Situation zu retten?“, denkt CEO Lukas Steinbacher für eine halbe Sekunde. Und dann redet er einfach weiter – ohne Powerpoint bei der wichtigsten Präsentation seines Lebens.

Cleverlize: E-Learning ohne Powerpoint präsentierbar

Freudige Anspannung: Tanja Kufner begrüßt zum Wayra Investor demoDay.

Freudige Anspannung: Tanja Kufner begrüßt zum Wayra Investor demoDay.

„Ich dachte für einen Moment ernsthaft, die Technik will mich veralbern“, sagt Steinbacher später. „Denn genau diesen Notfall hatten wir x-mal geübt.“ Das wochenlange Training zahlt sich aus. Alle Startups präsentieren perfekt beim Wayra Investor demoDay, niemand lässt sich aus der Ruhe bringen. Als endlich wieder das Licht auf die Leinwand kommt, wird die große Nachricht verkündet: Audi ist der erste zahlende Kunde für die Apps von Cleverlize. Ein Raunen geht durch die Menge. Investoren machen Notizen und merken sich die Lösung für mobiles E-Learning vor.

„Die Erfolge der Startups sind auch für uns ein Erfolg“, hatte Gonzalo Martín-Villa, Global CEO Wayra, schon bei der Begrüßung gesagt. Seine Liste kann sich sehen lassen: 246 Startups aus 20.000 Bewerbungen nahm Wayra in den vergangenen zwei Jahren in sein Programm auf und finanzierte sie mit zehn Millionen Euro. Davon haben 98 Gründungen schon die 13 Akademien in zwölf Ländern verlassen. Sie stehen nun auf eigenen Füßen und schlagen sich extrem gut. Ein Beispiel sei die low death rate von Wayra: Während bei anderen Startups rund 90 Prozent der Gründungen scheitern, mussten in dem Telefónica-Programm erst zehn Unternehmen aufgeben. 18 Millionen Euro haben externe Investoren schon in Wayra-Gründungen gesteckt, doch der größte Vorteil ist immer noch das Netzwerk: Geldgeber aus Lateinamerika investierten bereits in Europa und europäische legten schon Geld in Brasilien und Chile an. Wayra macht es möglich.

Spotfav: Surfer mit HD-Kameras auf Erfolgswelle

MHeißer Kandidat: Marc Prusals präsentiert Spotfav.

Heißer Kandidat: Marc Prusals präsentiert Spotfav.

Der nächste heiße Kandidat für ein Investment dürfte Spotfav aus der Münchner Akademie sein. Bei dem Wayra Investor demoDay sind sie kaum aus den Gesprächen mit potenziellen Geldgebern herauszuholen. „Series-A“ und selbst Post Series-A schwirren als Formulierungen durch die Luft, während sie hinter den schwarzen Wayra-Stellwänden verhandeln. Wollen sie wirklich gleich zwei Finanzierungsrunden fahren? Sogar das große Gruppenfoto muss fast für diese wichtigen Diskussionen ausfallen.

Diese Sogwirkung ist verständlich, denn die Surfer von Spotfav stellen HD-Videokameras an den besten Stränden auf. Sie übertragen Bilder der Wellen auf ihre Website und informieren genau über die Wetterlage. Auch für Bergsteiger gibt es diesen Service. Die ersten Kameras wurden schon in Spanien, Deutschland, Italien, Österreich und der Dominikanischen Republik aufgebaut. Das kann jeder Outdoor-Sportler gebrauchen und es lässt sich großartig über Werbung finanzieren. Erste Tests haben gezeigt, dass jede Kamera von Spotfav mehr als 3.000 Euro pro Monat abwirft. Selbst die Wartung ist durch das überraschende Crowdsourcing extrem günstig. „Wir sehen ständig Leute auf unseren Bildschirmen, die unsere Kameras reinigen oder den Blickwinkel justieren“, sagt COO Marc Pursals bei seiner Präsentation, die komplett bei Youtube zu sehen ist. Das war gar nicht so geplant, doch Spotfav hat sehr treue Fans.

Pockets United: ein Kind von Facebook und Paypal

Volles Haus beim Wayra Investor demoDay.

Volles Haus beim Wayra Investor demoDay.

Es waren vor allem solche Storys und Sprüche, die dem Wayra Investor demoDay seine Würze gaben. Dabei wurde viel gelacht und manchmal sogar vor Freude gepfiffen.

„Wenn Facebook und Paypal ein Kind machen würden, dann sähe es aus wie Pockets United, sagte beispielsweise CEO Markus Stiefel über sein Startup und erntete Applaus. In der anschließenden Präsentation konnte er das dann aber auch sehr gut belegen. Share costs and split fun, bringt der Experte für Mobile Social Payment das Geschäftsmodell auf den Punkt.

Clearkarma konnte gleich danach vermelden, dass ihr erster Pilotversuch mit der App für Nahrungsmittel-Allergien in einer Eurest-Kantine läuft. „Holt Euch einfach Carsten Maschmeyer fürs Advisory Board und zieht dann die Sache durch“, war der trockene Kommentar eines Startup-Experten vom Springer-Verlag. Auch i-Frontdesk bekam anschließend Applaus für seine Tablet-Lösung, die den Concierge im Hotel ablösen soll und schon von mehreren Häusern erprobt wird.

Gleich danach sammelte Fabbeo wieder Lorbeeren ein, weil sie jetzt schon eine einmalige Position erobern konnten: Deutschlands erster B2B-Marktplatz für 3D-Druckdienstleistungen. Damit bohren die jungen Gründer einen Markt an, der allein in Deutschland bereits 200 Millionen Euro groß ist. In den nächsten sieben Jahren soll er um 300 Prozent wachsen und Fabbeo liegt in diesem Rennen vorn. Das Prinzip funktioniert wie bei Ebay: Eine solide Plattform für die Anbieter und ihre Kunden bereitstellen und dann bei jeder Bestellung eine Provision kassieren. Fabbeo verkauft sozusagen die Schaufeln für den Goldrausch im 3D-Druck.

Chuisy: Soziales Einkaufen mit der Smartphone-App

Jüngster CEO: Johannes Müller pitcht um eine Finanzierung für Chuisy auf dem Wayra Investor demoDay 2013

Jüngster CEO: Johannes Müller pitcht um eine Finanzierung für Chuisy.

Und dann kam Chuisy. CEO Johannes Müller konnte sehr gut erklären, wie sie Online-Kaufentscheidungen und Offline-Shopping zusammenbringen. Soziales Einkaufen nennt sich der neue Trend.

Mit der Chuisy-App können die Nutzer bei ihren Streifzügen durch die Modeläden auch Hilfe von ihren Freunden bekommen, selbst wenn diese gar nicht dabei sind. Wer einen interessanten Modeartikel findet, kann ihn gleich mit dem Smartphone fotografieren und in einem virtuellen Kleiderschrank bei Chuisy ablegen. Dort werden alle Artikel samt Preis, Namen und Geschäft gespeichert.

Und nach dem Sammeln kommt das Soziale: Um neue Produkte oder interessantere Läden zu entdecken, können die Nutzer auch in den Kleiderschränken von Freunden oder Mode-Bloggern stöbern und sich inspirieren lassen. Auch Kaufentscheidungen lassen sich mit der App schnell teilen. Die Privatsphäre-Einstellungen erlauben, dass diese Informationen nur mit ausgewählten Freunden ausgetauscht werden. Doch auch die Laden-Inhaber können von Chuisy profitieren. Sie bekommen anonymisierte Informationen über die Interessen und Vorlieben der App-Nutzer. Damit können sie zielgerichtete Werbung schalten, Rabatte geben und Spezialangebote machen.

Bester Pitch: Improvisation schlägt Erfahrung

Johannes Müller lebt zu 100 Prozent für Chuisy, er brach sogar sein Grundstudium dafür ab und ist heute der jüngste CEO in der Münchner Wayra-Akademie. Doch der absolute Rockstar – so kündigte ihn Akademie-Direktorin Tanja Kufner an – ist immer noch Frederik Röver von Becoacht. Der ehemalige Investment-Banker und Ex-Finanzchef von Rocket Internet in München lieferte wieder einen absoluten Profi-Pitch ab. Über den Wayra Investor demoDay bewegte er sich locker wie bei einem Klassentreffen. Jahrelange Erfahrung zahlt sich aus, doch das ist nicht alles: Den Preis für den besten Pitch des Tages gewann dieses Mal Cleverlize. Selbst der störrische Beamer und die dunkle Leinwand konnten das nicht verhindern. Lukas Steinbacher freut sich, dass sein Startup zur Belohnung nun einen Monat länger in der Wayra-Akademie bleiben darf. „Jeder Tag ist wertvoll“, sagt der CEO.

Am nächsten Morgen durfte er gleich 8 Uhr mit einem bekannten deutschen Investor am Telefon verhandeln.

Video-Zusammenfassung des ersten Wayra Investor demoDay in München

Bilder vom Investor demoDay in der Wayra Akademie

Wayra Investor demoDay in München
Abonnieren
Blogbeiträge per E-Mail
Blog-Archiv