Angela Merkel 8965Wo steht Deutschland im globalen, digitalen Wettbewerb? René Schuster, CEO von Telefónica Deutschland, diskutierte mit jungen Gründern und Unternehmern auf dem Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung.

Es ist das wohl bedeutendste Wirtschaftstreffen in Deutschland: Einmal im Jahr versammeln sich in Berlin die wichtigsten Vertreter aus Wirtschaft und Politik zum Führungstreffen Wirtschaft der Süddeutschen Zeitung. Neben dem Vorstandsvorsitzenden von Telefónica Deutschland, René Schuster, saß diesmal auch Markus Stiefel von dem Wayra-Startup Pockets United auf dem Podium.

Ihre gemeinsame Botschaft: Deutschland braucht mehr Unternehmertum. „Berlin, London, Silicon Valley – Der digitale Wettkampf um Innovationen und das nächste Facebook“ lautete der Titel der Diskussionsrunde. Dabei wurde nicht nur über die digitalen Geschäftsfelder der Zukunft diskutiert, sondern auch darüber, wie Metropolen und Wirtschaftsstandorte junge Technologiefirmen am besten unterstützen können.

Vergleich: Deutschland hat Nachholbedarf

René Schuster, Telefonica Deutschland - 0094In der internationalen Startup-Szene steht Berlin seit einigen Jahren hoch im Kurs. Die quirlige Gründerszene der Hauptstadt gilt als kreativ und erfolgreich. Im vergangenen Jahr investierten ausländische Wagniskapitalgeber 133 Millionen Euro in Berliner Startups – mehr als in allen anderen Bundesländern.

„Trotzdem liegt Berlin und auch Deutschland im internationalen Vergleich noch zurück“, betonte Schuster. Fast die Hälfte des weltweiten Wagniskapitals landet noch immer in Silicon Valley. Das liegt nicht nur an der Zurückhaltung der Investoren. „Wir haben in Deutschland hervorragende Ingenieure, aber zu wenige Unternehmer“, argumentierte Schuster. Junge Talente würden oftmals lieber eine Karriere innerhalb von Großkonzernen anstreben, anstatt sich mit eigenen Ideen in einem Startup selbstständig zu machen.

Nach Ansicht Schusters braucht Deutschland einen Mentalitätswechsel zu mehr Gründergeist und unternehmerischen Wagemut. Gerade Großkonzerne könnten hier eine Menge von Startups lernen. „Wir brauchen eine neue Unternehmenskultur, in der es keine Schande ist, auch mal zu scheitern“, betonte Schuster. Für Unternehmen sei es besser, wenn die Mitarbeiter neue Wege gehen und auch mal etwas riskieren, anstatt dass sie nur darauf bedacht sind, Fehler zu vermeiden.

Pockets United: Wayra-Startup auf dem Podium

Eine Startup-Kultur versucht auch Frank Briegmann, Chef des größten deutschen Musiklabels Universal Music, in sein Unternehmen zu bringen. Gerade in einer Branche wie der Musikindustrie, die durch die Digitalisierung in einem enormen Umbruch sei, müsse man sein Geschäftsmodell immer neu hinterfragen, erklärte Briegmann: „Man muss sich trauen!“. Sein Label arbeitet deshalb auch mit neuen, digitalen Konkurrenten wie dem Streaming-Dienst Spotify zusammen. Neue Umsätze werden mit Fanartikeln von Stars und Bands generiert.

Markus Stiefel, Pockets United - 0024Getraut hat sich auch Markus Stiefel. Der Münchener gründete mit Freunden das Startup Pockets United, das eine App für sogenannte „Social Payments“ herausgebracht hat: Mit dem kostenlosen Dienst können Smartphone-Nutzer untereinander Rechnungen aufteilen – sei es abends im Restaurant oder die regelmäßige WG-Miete.

Einer der ersten Förderer war Telefónica. 2012 zog Markus Stiefel mit Pockets United in die Wayra Akademie in München ein, die zum weltweiten Gründer-Programm Wayra der Telefónica Gruppe gehört, und erhält dort Unterstützung und Know-how. Für Stiefel hat der Standort München einige Vorteile: „In München gibt es mehr etablierte Firmen und man kann leichter erste Kunden gewinnen“, berichtete er. Auch profitiert sein Unternehmen von der räumlichen Nähe zu Telefónica Deutschland – „Wir treffen uns regelmäßig mit Experten der Fachabteilungen, um praktische Tipps zu bekommen“.

Wayra: Das größte Startup-Programm der Welt

Der Auftritt bei dem renommierten Führungstreffen Wirtschaft zeigt, dass Wayra auch in Deutschland immer bekannter wird. Mit 14 Akademien in zwölf Ländern ist Wayra mittlerweile der größte Inkubator weltweit. Mehr als 20.000 junge Unternehmen haben sich bisher bei Wayra beworben. Die Besten zogen in die Wayra-Akademien ein und erhielten finanzielle Unterstützung sowie Rat beim Aufbau ihres Unternehmens. Telefónica erhält im Gegenzug Anteile an den Firmen. „In weniger als zwei Jahren hat das Unternehmen rund neun Millionen Euro in 295 Startups investiert“, berichtete die New York Times über die globalen Aktivitäten von Wayra.

Allerdings: Auch bei der besten Standortförderung und Unterstützung von Investoren sind es am Ende die Kreativität und das Unternehmertum der Gründer, die den Erfolg eines Startups ausmachen. Als ein Beispiel für eine solche Unternehmerpersönlichkeit präsentierte sich auf dem Berliner Führungstreffen Verena Delius (im Bild unten rechts). Bereits mit 20 Jahren hob sie ihr erstes Unternehmen aus der Taufe, ein Sushi-Laden in ihrer Heimstadt Bielefeld. Seitdem hat die „Serientäterin“, wie die Süddeutsche Zeitung die 34jährige betitelte, mehrere erfolgreiche Startups ins Leben gerufen. Aktuell steht sie dem Spieleanbieter Fox & Sheep vor, der iPad-Spiele für kleine Kinder entwickelt. Aus ihrer Sicht ist das wichtigste, was man als Jungunternehmer bekommen kann, konstruktive Kritik. Ohne kritische Anmerkungen von außen herrsche in einem Unternehmen Stillstand, sagt Delius. „Daher ist Kritik das Beste, was einem passieren kann.“

Fotos: Christian Klant, www.eventfotografie-klant.de

Bei keinem anderen Wirtschaftskongress treffen so viele Entscheider aufeinander. Einmal im Jahr lädt die Süddeutsche Zeitung zum Führungstreffen Wirtschaft nach Berlin. Mit dabei waren in diesem Jahr neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, Italiens Ministerpräsident Enrico Letta, Griechenlands Premierminister Antonis Samaras, EU-Zentralbank Präsident Mario Draghi, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sowie die Chefs der wichtigsten deutschen Konzerne. Vor rund 300 Teilnehmern diskutierten die Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft vom 21. bis zum 23. November über „Strategien für mehr Wachstum“ – so der Titel der Veranstaltung in diesem Jahr. Auf dem Kongress wurde auch der Europäische Wirtschaftspreis „Best of European Business“ vergeben.


Weitere Informationen

Fotos finden Sie in diesen Flickr-Alben:
Telefónica Deutschland / O2
Foto Binder

Details zum Wirtschaftskongress:
SZ Führungstreffen 2013

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