20131221-udl-digital_talk_steffen_seibertEs gibt Sätze, die sind zeitlos. So wie dieser von Willy Brandt aus dem Jahr 1973: „Niemals zuvor in der Geschichte war die Dimension der Zukunft so sehr eine reale Kategorie der Politik wie in der Gegenwart.“ Tatsächlich macht die allgegenwärtige Digitalisierung diese Aussage aktueller denn je: Die Geschwindigkeit des Informationsaustausches und der Informationserlangung stellen Politiker wie Journalisten vor gänzlich neue Herausforderungen.

Was bedeutet das für die Zukunft der politischen Kommunikation? Darüber diskutierten beim letzten UdL Digital Talk des Jahres Regierungssprecher Steffen Seibert und der designierte Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt im BASE_camp.

Print schlägt online

Einig waren sich die Diskutanten darin, dass herkömmliche Medien keineswegs ausgedient hätten – gedruckte Medien verfügten trotz stetig fortschreitender Digitalisierung weiterhin über höhere Relevanz, so die beiden Medienexperten. Weite Teile der Bevölkerung würden auch in Zukunft zum Beispiel eher durch Informationsbroschüren erreicht werden, als über digitale Publikationen.

Journalistische Einordnung ist unerlässlich

Durch das Aufkommen sozialer Medien hätten Journalisten ihre Gatekeeper-Funktion verloren. Dennoch würden sie auch in Zukunft gebraucht, um Informationen richtig einzuordnen und in einen Gesamtkontext einzubetten. Gleichwohl müssten Journalisten erst noch lernen, mit ihrer neuen Rolle zurechtzukommen. Dies zeige nicht nur die lebhafte Debatte um die Nutzung von Twitter, die 2011 in der Bundespressekonferenz stattfand: „Der größte Fehler, den Journalisten machen können, ist, sich zu fragen, ob bestimmte Formen der Kommunikation legitim sind, oder nicht“, so Julian Reichelt. Denn auf der anderen Seite, so springt Regierungssprecher Steffen Seibert ihm bei, böten Formate wie der Podcast der Bundeskanzlerin, die Chance, das Schlaglicht auf Themen zu richten, die von den klassischen Medien nicht aufgenommen würden. Somit würden Twitter und YouTube die politische Kommunikation ergänzen, ohne klassischen Journalismus auszuhebeln.

UdL Digital Talk mit Steffen Seibert und Julian Reichelt

Inszenierung allein reicht nicht, Politik ist harte Arbeit

Die Sozialen Medien erleichterten Politikern die Selbstinszenierung. Dennoch, so Seibert, reiche es für einen erfolgreichen Politiker nicht aus, gut auszusehen, zu lächeln und ein paar schmissige Sätze parat zu haben: „Politik ist harte Arbeit“. Dem pflichtet Julian Reichelt bei: „Mehr Informationen führen nicht dazu, manipulierbarer zu sein. Auch wenn es im Internet möglich ist, sich seine eigene Meinung bestätigen zu lassen, ohne eine Gegenmeinung wahrzunehmen, ist es aufgrund der vielfältigen Angebote nicht mehr möglich, Ereignisse und Strömungen zu unterschlagen oder umzudeuten.“ Aufgabe von Journalisten bleibe es, darauf zu achten, dass sich Politiker unbequemen Fragen nicht immer mehr entzögen. Diese Tendenz sei in den USA zunehmend zu beobachten, wo die Regierung dazu neige, nur noch über ihre eigenen Kanäle zu kommunizieren.

Gleiche Aufgaben, neue Anforderungen

Egal ob per Postkartenaktion, bei Massendemonstrationen oder per Internet-Aktion: Politiker müssten Themen und Anliegen identifizieren und daraus die entsprechenden politischen Handlungen ableiten. Journalisten müssten Debatten so aufbereiten, dass Bürger die Möglichkeit hätten, informierte Entscheidungen zu treffen. Daran hat auch die Digitalisierung nichts geändert. Die spannende Diskussion ist nachfolgend als Video zusammengefasst. Die Fotos von der Veranstaltung sind hier zu finden, einen Überblick aller bisherigen UdL Digital Talks findet man hier.

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