Dr. Eckart Pech, Managing Director Service Technologie bei Telefónica in Deutschland beim Stakeholder Dialog

Dr. Eckart Pech beim Stakeholder Dialog

Heizung oder Stromverbrauch per SIM-Karte steuern oder Autofahrten digital auswerten: Datenbasierte Produkte bieten ein großes Potenzial für Wirtschaft, Kunden und Umwelt. Doch viele Verbraucher sorgen sich um den Schutz ihrer persönlichen Daten. Telefónica in Deutschland möchte den gesellschaftlichen Dialog rund um das Thema Datenschutz anregen und diskutierte deshalb mit Politikern sowie Vertretern von Verbänden und Startups in der Berliner Repräsentanz unter dem Motto: „Smart World – alles smart, alles besser? Chancen und Herausforderungen innovativer datenbasierter Anwendungen“.

„Die digitale Revolution passiert jetzt“, ist Eckart Pech, Managing Director Service Technologie bei Telefónica in Deutschland überzeugt. Während es im Jahr 2009 auf dem Münchner Oktoberfest noch einen Durchsatz von 35 Gigabyte Daten über einen Zeitraum von 14 Tagen gegeben habe, lag das Volumen im Jahr 2013 schon bei 150 Gigabyte pro Tag oder anders ausgedrückt bei über drei Terabyte insgesamt, erklärte er den rund 50 Gästen sowie den Panelisten Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht, Thomas Jarzombek, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender der Arbeitsgruppe digitale Agenda (CDU) und Florian Nöll, Vorstandsvositzender Bundesverband Deutscher Startups e.V..

Zentral: Internet der Dinge und Vernetzung

Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht

Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Datenschutzaufsicht

„Zentrale Stichwörter in der digitalen Entwicklung sind das Internet der Dinge und die Vernetzung aller Bereiche“, sagte Pech. Dies reiche vom Versicherungsprodukt Insurance Telematics, das Kunden abhängig vom Fahrverhalten dynamischere Policen ermöglicht, über Produkte wie O2 More local, bei dem Kunden angebotsbezogene Werbung erhalten, bis hin zur Smart City Santander, in der intelligente Mülltonnen stehen, die nur geleert werden, wenn sie voll sind.

„Wichtig ist bei allem: Der Kundennutzen muss transparent werden und Kunden müssen Vertrauen haben.“ Der Schlüssel sei privacy by design und die Balance zwischen der Privatsphäre und den richtigen Produkten zu finden.

Den Kundennutzen stellte auch Thomas Kranig, Präsident des Bayerischen Landesamtes für DatenschutzAufsicht in den Vordergrund: „Es ist faszinierend, wie sich die Technik im Bereich der smarten Devices und Anwendungen mit einer unwahrscheinlichen Geschwindigkeit entwickelt. Ob sie uns aber als Gesellschaft weiter bringt, wenn wir uns mit Geräten ausstatten, mit denen wir teilweise permanent und ohne dass wir es merken, überwacht werden, ist eine andere Frage.“

Er wies darauf hin, dass untrennbar mit dem Einsatz dieser Smart Devices auf dem Weg zur Smart World die Achtung der Menschenwürde und des allgemeinen Persönlichkeitsrechts der Betroffenen zu achten sei. Er sehe sich nicht als staatlich bezahlter Verhinderer von technischen Innovationen, betonte aber: „Die datenschutzrechtlichen Grundsätze wie Datensparsamkeit, Transparenz, Zweckgebundenheit erhalten eine ganz wesentliche Bedeutung und sind für jeden smarten Einsatz zu überprüfen.“

Datenschutz: Wettbewerbsfähiger Rahmen nötig

Stakeholder Dialog "Datenschutz"

Florian Nöll, Thomas Kranig, Eckart Pech, Thomas Jarzombek

Doch genau diese Grundsätze und das deutsche Datenschutzrecht stellen Unternehmen hierzulande vor Herausforderungen. „Wie sehen ideale Voraussetzungen für die smarte Welt aus?“, wollte deshalb Moderator Thomas Ramge, Technologie-Korrespondent des Wirtschaftsmagazins brand eins, wissen.

„Wir brauchen wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, denn wir wollen keine nationalen, sondern globale Unternehmen gründen“, erklärte Florian Nöll, Vorstandsvositzender Bundesverband Deutscher Startups e.V. „Wir machen aber immer wieder die Erfahrung, dass sich der aktuelle Datenschutz negativ auf die Geschäftspraxis auswirkt.“

Auch Telefónica-Geschäftsführer Pech machte deutlich, dass erfolgreiche globale Firmen wie Google oder Facebook in einem anderen Rechtsrahmen angesiedelt seien als deutsche Unternehmen. Und der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek ergänzte: „Beim Datenschutz sind wir der Zeit hinterher. Während hier in Europa noch diskutiert wird, entwickeln Unternehmen im Silicon Valley schon neue Ideen, die von Kunden genutzt werden.“ Man müsse Datenschutz mit mehr Augenmaß betreiben, um ihn zu erhalten und ihn nicht zur Markteintrittsbarriere werden zu lassen. Denn eines sei klar: „Daten sind das Öl des 21. Jahrhunderts.“

Wichtig: Freie Entscheidungsmöglichkeit der Nutzer

Stakeholder Dialog "Datenschutz"

Stakeholder Dialog „Datenschutz“

Auch Datenschützer Kranig stimmte zu, dass wir europäische Spielregeln brauchen und kulturelle sowie rechtliche Unterschiede zusammen bringen müssen. In England beispielsweise seien Videoüberwachungen weit verbreitet, in Deutschland dagegen fühlten sich die Bürger damit unwohl.

Jedoch betonte er, dass man es sich mit der Aussage Datenschutz ist eine Innovationsbremse“ zu einfach mache. „Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es gute Lösungen auch mit dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung gibt.“

Eckart Pech sieht die Gründe für zu wenige deutsche Innovationen in diesem Bereich nicht nur im Datenschutz, sondern auch in der Zurückhaltung der Unternehmen. Denn bei datenbasierten Produkten, die auf der transparenten und informierten Zustimmung der Kunden beruhen, sei schon heute im bestehenden Rechtsrahmen viel möglich.

„Wir müssen das Thema auch den Bürgern näher bringen und den Austausch mit den Behörden suchen“, betonte Pech. „Wir brauchen smarte Bürger, forderte auch Startup-Experte Florian Nöll. „Wer weiß heute schon, wofür seine Daten gespeichert werden?“, fragte er und stellte in den Raum, dass manch junger Mensch vielleicht gar nicht in dem Umfang geschützt werden wolle. Auch Jarzombek warnte davor, in Datenprotektionismus zu verfallen. Woraufhin Datenschützer Kranig die Gratwanderung auf den Punkt brachte: „Die freie Entscheidung der Nutzer ist wichtig. Aber der Staat muss diejenigen schützen, die den Schutz ihrer persönlichen Daten möchten.“ Dabei sei es entscheidend – und darin waren sich alle Panelisten einig – in die Datenschutzdiskussion auch die Sicht der Digital Natives einzubeziehen. „Es tut sich viel im Nutzerverhalten und darauf müssen wir eingehen“, sagte Pech.

Stakeholder Dialog „Datenschutz“

Weitere Informationen:

Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht
Datenschutz bei Telefónica in Deutschland
Datenschutz Tipps bei Telefónica in Deutschland
Corporate Responsibility bei Telefónica in Deutschland

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