Peter Rampling, Managing Director Digital bei Telefónica in Deutschland

Peter Rampling, Managing Director Digital bei Telefónica in Deutschland

Die Telekommunikation erlebt einen tiefgreifenden Wandel, der sie grundlegend verändert. Alle Anbieter müssen sich den neuen Bedingungen anpassen, damit sie weiter im Wettbewerb bestehen können. Wir durchlaufen eine technologische Revolution, die sich auf alle Sektoren auswirkt und wahrscheinlich eines Tages in den Geschichtsbüchern stehen wird. Jede Firma muss sich fragen: Sind wir schnell genug, um uns in ein digitales Unternehmen zu wandeln? Das gilt auch für Telefónica. Deshalb sprechen wir heute darüber mit Peter Rampling, Managing Director Digital bei Telefónica in Deutschland.

Was sind eigentlich die gravierendsten Veränderungen in der Telekommunikationsbranche?

Rampling: Das ist schnell erklärt: Noch vor wenigen Jahren hat man Mobiltelefone nur benutzt, um andere Menschen zu kontaktieren. Heute dienen Smartphones nicht mehr nur der Kommunikation, sondern immer mehr auch als Computerersatz. Wir greifen damit auf das Internet zu, wir verwenden sie als Geldbörse oder Navigationssystem. Gleichzeitig treten neue Wettbewerber auf den Markt, sogenannte »Over-the-Top Players«, die digitale Dienste anbieten, ohne eine Netzwerkinfrastruktur zu betreiben. Das stellt für die etablierten Telekommunikationsunternehmen, die gewaltige Summen in ihre Netze investieren, eine große Herausforderung dar.

Wie hat Telefónica auf diesen Wandel und die neuen Anforderungen reagiert?

Telefónica unterstützt Startups mit Wayra

Telefónica unterstützt Startups mit Wayra


Rampling: Wir haben die Trends schon früh vorhergesehen und verwandeln uns in einen digitalen Telekommunikationsanbieter. Wir besitzen die Technologie, um als zentraler Knotenpunkt für das digitale Leben unserer Kunden zu dienen.

Ein starkes Netz bereitzustellen, das mit hohem Trafficvolumen zurechtkommt, ist ein wesentlicher Teil davon. Aber um wirklich ein Katalysator für die digitale Zukunft zu sein, reicht das nicht aus: Wir müssen auch neue digitale Dienste entwickeln, sehen uns hier als Schrittmacher und Wegbereiter.

Deswegen hat Telefónica seinen eigenen Innovationsinkubator Wayra gegründet. Unsere deutsche Wayra Academy befindet sich in München, wo wir mit einigen fantastischen neuen Start-ups zusammenarbeiten. Wir haben zudem erkannt, dass wir schneller werden müssen, wenn wir ein digitales Unternehmen werden wollen. In der heutigen vernetzten Gesellschaft findet der Innovationsprozess mit wesentlich höherem Tempo statt, eine App kann innerhalb weniger Tage Millionen von Nutzern anziehen.

Wo sehen Sie sich im Konkurrenzvergleich?

Rampling:Telefónica Deutschland ist heute ein Unternehmen, das nicht nur auf diese rasanten Veränderungen reagiert, sondern sie anführt. Unsere Hauptmarke O2 wurde zur besten digitalen Marke in Deutschland gewählt. Wenn man sich unsere Technologien ansieht und die Dienste, die wir anbieten, erkennt man das riesige Potenzial: Wir helfen unseren Kunden dabei, die digitale Welt zu entdecken.

Sie haben neue digitale Dienste angesprochen. Was ist das zum Beispiel?

M2M für das Internet der Dinge

M2M für das Internet der Dinge

Rampling: Wir sind sehr stolz, zu den Wegbereitern im Bereich des Machine-to- Machine (M2M) zu gehören. Eines der führenden Elektroautos, das Tesla Model S, verwendet beispielsweise in Deutschland und anderen europäischen Ländern M2MTechnologie von Telefónica als Konnektivitätslösung.

Dazu gehört Infotainment- Telematik wie Navigation, Online-Musik, Internet-Browsing ebenso wie die Fahrzeug- Ferndiagnose, die in Echtzeit Informationen über den Sicherheitsstatus des Wagens übermittelt.

Ein weiteres Beispiel: Gemeinsam mit unserem Partner SparkassenDirekt Versicherung haben wir im Januar das erste Telematik-Versicherungsprodukt in Deutschland eingeführt. Die Versicherungsprämie wird dabei anhand des Nutzungs- und Fahrverhaltens ermittelt – natürlich mit allen gängigen Datenschutzstandards. Ein interessanter Bereich ist auch der mobile Zahlungsverkehr. Mit dem Produkt »mpass« ist Telefónica der erste deutsche Netzbetreiber, der eine mobile Zahlungslösung im Einzelhandel anbietet. Schon jetzt können mpass-Kunden in über 50.000 Geschäften in Deutschland kontaktlos bezahlen.

Ist bei so viel Neuem nicht auch eine Art »Kulturwandel« im Unternehmen nötig – und wenn ja, was sind für Sie die Erfolgsfaktoren dafür?

Rampling: Man wird nicht einfach zu einem digitalen Unternehmen, indem man sich einen neuen Slogan gibt. Es reicht auch nicht aus, einfach die technische Basis und die Prozesse im Unternehmen zu ändern. Man muss seine Denkweise verändern. Große Unternehmen müssen von Start-ups lernen, agil zu sein.

Ein Beispiel innerhalb von Telefónica Deutschland ist »Lean Startup«: Wir nutzen die Innovations- und Entwicklungskonzepte von Start-ups aktiv, um unsere Time-to-Market zu verringern – also neue Produkte schneller an den Markt zu bringen – und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Außerdem nutzen wir Crowd- Intelligence und das Know-how unserer Kunden zur Innovationsförderung. Auf der Plattform »O2 Ideenforum« können Kunden ihre eigenen Ideen für neue Produkte vorstellen und für andere Vorschläge abstimmen. Bisher wurden über 1.300 Ideen eingereicht. Das alles sind Schritte, um unsere Unternehmenskultur zu verändern. Unser Ziel lautet: Weniger Hierarchie, weniger verschachteltes Denken, mehr Zusammenarbeit, kluger Einsatz von Technologien.

Wie verändert das digitale Zeitalter die Anforderungen an die Unternehmens und Personalführung?

Rampling: So, wie sich unsere Geschäftswelt wandelt, verändert sich natürlich auch die Führung. Digitale Technologien kennen keine physischen Grenzen, gewähren in der Vergangenheit erfolgreichen Unternehmen keinen Wettbewerbsvorteil. Der Wettbewerb kann von überall in der jeweiligen Branche kommen. Die niedrigen Einstiegsbarrieren, die minimalen Innovationskosten und die Geschwindigkeit, mit der die Kunden sich an neue Produkte anpassen, sorgen für völlig neue Bedingungen. Gleichzeitig hat man mit der Generation Y eine neue Generation von Mitarbeitern mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Prioritäten. Ich glaube, dass gute Führung im digitalen Zeitalter mehr denn je bedeutet, sich auf Veränderungen einzulassen und diese bereitwillig anzunehmen.

Welche Parallelen sehen Sie beispielsweise zur Finanzwelt?

Rampling: Wir befinden uns mitten in einer technologischen Revolution, die sich auf alle Branchen und Sektoren auswirkt. Die Frage für alle Unternehmen lautet nicht: Werden wir digital? Sondern: Sind wir schnell genug, um uns in ein digitales Unternehmen zu wandeln? Die Kunden verändern ihr Verhalten in allen Bereichen, in der Telekommunikation ebenso wie beim Abwickeln ihrer Bankgeschäfte. Ich glaube daher, dass einige der Herausforderungen im technologischen Sektor und in der Bankenbranche identisch sind. Wenn wir als Unternehmen diesen Wandel annehmen, ihn uns zu eigen machen und ihn als Chance begreifen, dann werden wir weiter erfolgreich sein.

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