20141028-vatm_studie_775x362-775x362cWeniger SMS, stagnierendes Gesprächsaufkommen, rasant zunehmender Datenverkehr. Das sind die aktuellen Trends im deutschen Mobilfunk. Dabei können die Zuwächse beim Datenumsatz die Einnahmerückgänge bei SMS und Sprachtelefonie  nicht ganz kompensieren. Daran ändert auch ein Zuwachs von über zwei Millionen aktivierten SIM-Karten im laufenden Jahr nichts.

Auf voraussichtlich 24,8 Milliarden Euro werden sich die Einnahmen der vier Netzbetreiber sowie der Service-Provider im laufenden Jahr summieren. Das entspräche etwa dem Umsatzniveau von 2012, läge allerdings etwas niedriger als 2013 (25,2 Milliarden Euro). Da aber auch die Einnahmen im Festnetzmarkt rückläufig sein dürften, bleibt der Anteil der Mobilfunkdienste am gesamten deutschen Markt mit Telekommunikationsdiensten vermutlich unverändert bei 43 Prozent. Leicht im Aufwind befinden sich dagegen die Kabelnetzbetreiber, die ihre Umsätze um 0,3 auf 5,1 Milliarden Euro (9 Prozent Marktanteil) steigern.

Dies sind Zahlen der nunmehr 16. Telekommunikations-Marktstudie, die das Beratungsunternehmen „Dialog Consult“ im Auftrag des „Verbands der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten“ (VATM) erarbeitet hat. Am 28. Oktober stellte Prof. Dr. Torsten J. Gerpott von Dialog Consult die wichtigsten Ergebnisse der Studie auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf vor.

Für den Einnahmerückgang im Mobilfunk machte Gerpott vor allem „die sinkenden Einnahmen im Sprachbereich“ sowie behördliche Regulierungseffekte, etwa beim Auslandsroaming, verantwortlich. Daran kann offenbar auch die erneut gestiegene Zahl der genutzten SIM-Karten nichts ändern. Laut Prognose von Dialog Consult werden bis zum Jahresende etwa 117,5 Millionen SIM-Karten im Umlauf sein. Das wären 2,3 Millionen mehr als noch Ende 2013 – und zugleich ein neuer Höchststand. Auf jeden Bundesbürger kämen dann 1,44 SIM-Karten. Laut Torsten Gerpott stieg der Anteil der SIM-Karten, die für die Kommunikation zwischen Maschinen und Geräten genutzt wird (M2M), von drei Prozent im Vorjahr auf nun sechs Prozent.

Neue Telefónica Deutschland mit stärkstem Teilnehmer-Plus

Über den größten Zuwachs an Kunden und gleichzeitig die klare Marktführerschaft kann sich laut der Marktstudie die neu formierte Telefónica Deutschland freuen. Auch die Telekom kann sich über ein Plus freuen, Vodafone verliert dagegen. Trotz der Vorherrschaft beim Kundenstamm liegen Telekom und Vodafone in Sachen Umsatz nach wie vor vorn. Diese Zahlen liegen etwa auf Vorjahresniveau beziehungsweise leicht darunter.

Die Zeiten, wo Telefonieren und Simsen die Haupteinnahmequellen der Netzbetreiber waren, sind längst vorbei. Laut Studie wird 2014 bereits jeder dritte Euro (33 Prozent) mit mobilen Datendiensten verdient. 2013 lag diese Quote noch bei etwa 27 Prozent, 2012 bei 21 Prozent. Auf die reine Sprachtelefonie entfallen im laufenden Jahr vermutlich noch knapp 62 Prozent (2013: 65 Prozent). Dabei scheint inzwischen auch das Gesprächsvolumen zu stagnieren, wie Torsten Gerpott bei der Präsentation der Studienergebnisse feststellte. Angesichts der Zunahme der SIM-Karten-Anzahl ist das Gesprächsvolumen je SIM-Karte damit sogar rückläufig.

Messaging-Apps senken Plauderlaune und SMS-Aufkommen

Von den täglich geführten 755 Millionen Gesprächsminuten entfallen laut Studie 303 Millionen auf den Mobilfunk (2013: 301 Millionen); 452 Millionen werden vom Festnetz aus geführt (2013: 465 Millionen). Unter dem Strich geht die Plauderlaune der Deutschen also offenbar zurück. Gerpott sieht darin eine Auswirkung anderer Kommunikationsdienste wie etwa Instant Messaging.

Auch die SMS leidet unter den internetbasierten Konkurrenzdiensten. 2014 werden im Schnitt nur noch knapp 74 Millionen SMS pro Tag verschickt. Im Vorjahr waren es noch 101 Millionen, 2012 sogar 163 Millionen. Nur noch 1,3 Milliarden Euro spülen die SMS-Tarife damit dieses Jahr in die Kassen. 2011 verdienten die Betreiber noch drei Milliarden Euro mit den Kurznachrichten.

Fast 50 Prozent mehr mobiler Datenverkehr

Zu einer immer wichtigeren Umsatzsäule ist in den vergangenen Jahren dagegen das Geschäft mit den mobilen Datendiensten geworden. 8,2 Milliarden Euro verdienen die Betreiber 2014 mit dem mobilen Surfen – ein Plus von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch viel stärker als die Einnahmen legt die tatsächliche Datennutzung zu. So werden im laufenden Jahr vermutlich 395 Millionen Gigabyte an Daten mobil übertragen. Das wären 48 Prozent mehr als 2013 – und fast das Vierfache gegenüber 2011. Dialog Consult geht davon aus, dass jeder Teilnehmer mit Postpaid-Vertrag monatlich etwa 283 Megabyte überträgt – und damit 45 Prozent mehr als 2013. Etwa 45 Prozent des mobilen Datenverkehrs würden bereits über LTE-Netze und -Endgeräte übertragen, so Torsten Gerpott.

Trotz dieser Steigerungen werden aber die allermeisten Daten noch immer über das Festnetz übermittelt. Laut Studie summiert sich der Datenverkehr dort für 2014 auf 9,3 Milliarden Gigabyte. Das ist knapp 24 Mal so viel wie in den Mobilfunknetzen.

Da ist also noch viel Potenzial für die Mobilfunknetze. VATM-Präsident Martin Witt wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung politischer Rahmenbedingungen hin, etwa was die künftige Vergabe weiterer Mobilfunkfrequenzen betrifft. Eine Versteigerung dürfe nicht zu einer Benachteiligung einzelner Marktteilnehmer führen, so Witt.

Telefónica CEO mahnt klare Frequenzpolitik an

Ähnlich hatte sich bereits eine Woche zuvor Thorsten Dirks, CEO von Telefónica Deutschland, geäußert. Am Rande des 8. Nationalen IT-Gipfels in Hamburg hatte er in einem vom VATM produzierten Videostatements  betont, wie wichtig „Planungs- und Investitionssicherheit“ für die Telekommunikationsunternehmen sei. Dirks forderte von der Politik vor allem eine „klare Frequenzpolitik, die den Unternehmen auch die Luft lässt, ausreichend in die Breitbandnetze zu investieren“. Zugleich hatte sich Dirks erfreut darüber gezeigt, dass die Bundesregierung das Thema Digitalisierung „mehr in das Zentrum ihrer Arbeit gestellt hat“. Schließlich handele es sich dabei um „das gesellschaftliche Thema unserer Zeit“, so der CEO von Telefónica Deutschland.

Dirks betonte auch, dass Telefónica Deutschland „das führende digitale Telekommunikationsunternehmen in Deutschland werden“ wolle. Ziel sei es, den Kunden „das beste digitale Erlebnis sowohl beim Netz als auch bei den Produkten und bei den Services“ zu bieten.

Weitere Informationen: http://www.vatm.de

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