20141013-moli-775x362cDas klassische Wohnzimmer ist nicht mehr das, was es einmal war: Der Trend geht zum Streaming von TV-Sendungen und Filmen im Netz. Grund genug das Thema bei der dritten Ausgabe des Formats Mobile Living genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Berliner BASE_camp diskutierten dazu Torben Glander (Head of Marketing, joiz Deutschland), Jörg Meyer (Vice President, Content & Consumer, zattoo.com), Sven Scheffler (Leiter Digital, N24), Marco Junk (Geschäftsleitung Märkte & Technologien, BITKOM), Tilo Jung (Journalist & Creator, Jung & Naiv), Professorin Stefanie Molthagen-Schnöring (Expertin für Medienentwicklung, Hochschule für Technik & Wirtschaft. Moderatorin der Veranstaltung war Minh-Khai Phan-Thi.

Wer nutzt TV-Streaming?

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Einleitend verwies Marco Junk auf eine BITKOM-Umfrage, nach der rund 70 Prozent der Befragten bereits Streamingdienste nutzen. Vor dem Hintergrund der steigenden Konkurrenz zwischen Sendern und Streamingdiensten erklärte er, mehr Wettbewerb führe zu besseren Produkten. Jörg Meyer führte aus, der durchschnittliche zattoo-Nutzer sei 38 Jahre alt und sehe im Netz genau die gleichen Inhalte wie im klassischen Fernsehen. Der Unterschied bestehe darin, dass die Plattform dem Nutzer die Gelegenheit gebe, mit der aktuellen Sendung auf ein anderes Gerät auszuweichen und sich dadurch vom Fernseher zu lösen. Positiv sei außerdem, dass dies die Reichweite der Sender erhöhe. Ob lineares Fernsehen oder Streaming – solange sich die Inhalte verbreiteten würden, bestätigte Tilo Jung. aus Anbietersicht, sei ihm egal, auf welchem Kanal das passieren würde. Sven Scheffler bestätigte, es sei auch den Nutzern meist unwichtig, ob sie ihre Inhalte über lineares Fernsehen oder per Stream konsumierten.

Vorsichtige Sender und flexible Streamingdienste

Auf illegale Streamingangebote angesprochen betonte Meyer, legale Modelle müssten durch rechtliche Rahmenbedingungen stärker unterstützt werden. Hier würden Chancen bei weitem nicht genutzt, denn die Sender agierten zu vorsichtig und seien gefangen in alten Denkmustern, bemängelte er. Tilo Jung kommentierte, insbesondere die privaten Sender würden künftig Probleme bekommen, da ihr Programm nicht flexibel ausgestrahlt werde, während die Inhalte bei Streamingdiensten immer abrufbar seien. Alle öffentlich-rechtlichen Sender hätten jedoch grundsätzlich die Möglichkeit, ihr gesamtes Programm online verfügbar zu machen. Auch Torben Glander sagte, die Sendeanstalten müssten ihre Komfortzone verlassen, denn die alten Strukturen änderten sich durch die Streamingdienste.

Lagerfeuer-Effekt bleibt bestehen

Professorin Stefanie Molthagen-Schnöring äußerte ihre Überzeugung, dass es den sogenannten Lagerfeuer-Effekt weiterhin geben werde – das heißt: Gemeinsames Fernsehen etwa bei Sport-Großereignissen oder zum klasischen Tatort-Schauen. Es sei vor allem auf die jüngere Generation zurückzuführen, dass die Streamingnutzung zunehme, allerdings werde das klassische Fernsehen als Begleitmedium weiterhin geschätzt, meinte die Professorin. Grundsätzlich müsse jedoch auch darauf geachtet werden, dass insbesondere das jüngere Publikum einen verantwortungsvollen Umgang mit Streaming lerne, mahnte sie. Der monatliche Preis des Streamings stelle für das sehr junge Publikum eventuell einen Hinderungsgrund dar, gab Torben Glander von der Online-Plattform joiz zu bedenken. Hinzu komme die neue Kostenlos-Kultur im Netz und das geringe Gefühl für den Wert eines Online-Produkts – dies werde eine große Herausforderung für Streamingdienste, meinte er.

MoLi

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