Prognose zum Datenumsatz 2015

Noch vor zehn Jahren war die mobile Datennutzung eher etwas für Spezialisten. Doch dann kam Ende 2007 das erste iPhone auf den deutschen Markt – und läutete eine neue Entwicklung ein. Heute gehen mehr Smartphone-Besitzer mobil ins Internet als die Nutzer eines stationären PCs. Die mobil übertragene Datenmenge hat sich seit 2007 verhundertfacht. Gestiegen sind auch die Datenumsätze der Netzbetreiber, die diese Entwicklung mit einem engagierten Ausbau ihrer UMTS- und LTE-Netze ermöglichten. 2015 wird für sie ein markantes Jahr sein. Prognosen zufolge spülen die Datentarife in diesem Jahr nämlich erstmals mehr Geld in die Kassen als die Sprachtelefonie. Telefónica Deutschland erreichte diesen Wendepunkt bereits Ende 2014.

Vielen Nutzern wird es schon länger so vorkommen, als ob sie mit ihrem Smartphone häufiger surfen, streamen oder spielen als telefonieren. Trotzdem machten die Mobilfunkanbieter den überwiegenden Teil ihres Umsatzes nach wie vor mit klassischen Telefonaten. Bisher. Denn genau das dürfte sich laut einer aktuellen Prognose des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) im laufenden Jahr erstmals ändern. Demnach würden die Einnahmen mit mobilen Datendiensten 2015 zum ersten Mal in der Geschichte das Geschäft mit der Sprachtelefonie übersteigen.

Mobile Datendienste überholen mobile Sprachdienste

Bitkom Grafik 1 - Mobile Datendienste ueberholen mobile SprachtelefonieKonkret erwarten die BITKOM-Marktforscher im laufenden Jahr 20 Milliarden Euro sogenannte Service-Umsätze im deutschen Mobilfunk. (Unter Service-Umsatz versteht man Einnahmen, die die Betreiber mit Mobilfunkdiensten wie Sprache, SMS oder Datenübertragung machen; der Verkauf von Endgeräten oder Zubehör ist darin in der Regel nicht enthalten.) Davon werden 10,3 Milliarden Euro auf Einnahmen aus Datendiensten basieren. Das wäre ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber 2014 (9,7 Milliarden Euro). Gleichzeitig gehen die Umsätze mit Voice-Diensten um acht Prozent von 10,6 auf 9,7 Milliarden Euro zurück. Damit würden die Datendienste 51,5 Prozent der sogenannten Service-Umsätze ausmachen.

Bei Telefónica Deutschland war der historische Wendepunkt bereits 2014 erreicht. Im Jahresmittel trugen die Datenumsätze 50 Prozent zum Service-Umsatz bei. Im vierten Quartal erreichte diese Quote dann sogar 52 Prozent. 69 Prozent davon entfielen auf die „reinen“ Datendienste, der Rest auf das SMS-Geschäft.

Vor zehn Jahren trugen die Non-Voice-Umsätze gerade mal 18,3 Prozent zum Service-Umsatz der Mobilfunkbetreiber bei. Über 80 Prozent entfielen dabei auf SMS und MMS und nur ein kleiner Rest auf die 2005 noch exotische Datennutzung. Doch schon im Jahr 2008, ein Jahr nach Einführung des iPhone, war der Non-Voice-Umsatz auf über ein Viertel (25,4 Prozent) aller Einnahmen geklettert. Und die Datennutzung machte mit 11,9 Prozent schon fast die Hälfte davon aus. Im Folgejahr waren die Datendienste dann erstmals einträglicher als das SMS-Geschäft. 2014 steuerte das Datengeschäft dann schon 77 Prozent zum Non-Voice-Geschäft bei.

100 Mal so viele Daten – fünf Mal so viel Umsatz

Bitkom Grafik 2 - Mobiles Datenvolumen steigt rapideNoch deutlich stärker als das Geschäft mit Datendiensten stieg das Datenvolumen in den Netzen. Es ist gerade mal zehn Jahre her, dass über die deutschen Mobilfunknetze lediglich 0,2 Millionen Gigabyte (GB) übertragen wurden. 2007, im Jahr der iPhone-Einführung, waren es 3,7 Millionen GB. Dann begann der Boom. Nur zwei Jahre später, 2009, hatte sich die Nutzung mit 33 Millionen GB bereits verneunfacht. Und für 2014 schätzt BITKOM das Datenaufkommen in den Netzen auf 370 Millionen GB – 100 Mal so viel wie 2007. Die Einnahmen mit diesen Datenübertragungen haben sich in diesen sieben Jahren dagegen nur etwa verfünffacht – von 1,6 Milliarden Euro (2007) auf 7,5 Milliarden Euro (2014). Dabei zeigt sich ganz klar: Die große Herausforderung für die Mobilfunkbranche ist die Monetarisierung der zunehmenden Datennutzung ihrer Kunden.

LTE-Netze immer wichtiger

Ein Ende des Datenbooms ist nicht in Sicht. Im November 2014 nutzten knapp 60 Prozent der Einwohner ein Smartphone und knapp 40 Prozent ein Tablet. Diese Quoten dürften weiter steigen, wenn auch vielleicht nicht mehr ganz so rasant wie zuletzt. Für 2015 geht BITKOM davon aus, dass in Deutschland 24,6 Millionen Smartphones und 9,1 Millionen Tablets gekauft werden. Beides wären neue Höchststände. Für das diesjährige Datenaufkommen in den Mobilnetzen kalkulieren die Marktforscher ein Plus von 30 Prozent – auf dann 480 Millionen GB. Für die Betreiber heißt das: Der Ausbau der Netze geht unvermindert weiter. Künftig wird dabei die Rolle der LTE-Netze eine immer wichtigere Rolle spielen.

Übrigens: Die Rolle als wichtigste Umsatzsäule für die Netzbetreiber büßt die Sprachtelefonie derzeit zwar ein. Doch die Plauderlaune der Handybesitzer ist ungebrochen. Das legen jedenfalls die erfassten Gesprächsminuten nahe. Schätzungen zufolge wurde von Mobiltelefonen in Deutschland 2014 jeden Tag rund 303 Millionen Minuten telefoniert. Das war ein leichtes Plus gegenüber 2013 (301 Millionen Minuten).

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