Thorsten Dirks, Chief Executive Officer (CEO)

Thorsten Dirks, Chief Executive Officer (CEO)

Zum Start von Europas größter Mobilfunkmesse, dem Mobile World Congress in Barcelona, gab Telefónica Deutschland CEO Thorsten Dirks der Süddeutschen Zeitung ein Interview zu den Herausforderungen und Chancen der europäischen Telekommunikationsbranche und der Rolle der neuen Telefónica Deutschland.

Wir publizieren Auszüge des Gesprächs, der volle Wortlaut findet sich in der Ausgabe der Sueddeutschen Zeitung vom 3. März 2015.

SZ: Herr Dirks, müssen Kunden bald mehr fürs Telefonieren und surfen unterwegs zahlen?

Dirks: Nein. Wie kommen Sie darauf?

Weil es inzwischen nur noch drei statt vier Mobilfunkanbieter in Deutschland gibt – und weil Telefónica ausgerechnet den Preisbrecher E-Plus geschluckt hat.

Dirks: Als E-Plus 2005 die Marke simyo startete, kostete die billigste Prepaid-Minute 35 Cent. Wir haben 19 Cent verlangt. Das war ein Preisbrecher: 40 Prozent Abschlag. Dieser Preis ist dann noch einmal auf neun Cent gefallen. Da liegt er seit fünf Jahren schon. Übrigens ziemlich stabil – und ich denke, vernünftig.

Vernünftig für wen? Wohl weniger für die Verbraucher.

Dirks: Doch, das ist für alle vernünftig. Weil der Netzbetreiber mit dem Geld, das er vom Kunden erhält, die Modernisierung seines Netzes bezahlen muss. Es kann nicht sein, dass der Kunde immer mehr Qualität, immer mehr Bandbreite, immer mehr Netzabdeckung erhält, aber die Preise sinken.

Wünschen Sie sich mehr staatliche Zuschüsse für den Netzausbau?

Dirks: Es gibt genau eine staatliche Aufgabe. Und die ist da, wo die Gesetze des Marktes nicht mehr funktionieren: in ländlichen Regionen. Die Bundesregierung kann sich das Ziel setzen, 100 Prozent der Haushalte bis zum Jahr 2018 mit einem Internetzugang von 50 Megabit pro Sekunde zu versorgen. Wenn aber die Industrie sagt, wirtschaftlich sind für uns nur 98 Prozent, dann muss man sich überlegen, was man mit den restlichen zwei Prozent macht.

Die kann man doch nicht einfach außen vor lassen.

Dirks: Nein. Ich wohne in einer eher ländlichen Region, das schnelle Internet ist auch bei uns schon angekommen. Aber wenn man ein paar Kilometer weiter fährt, in Richtung Eifel, sieht es anders aus. Da gibt es Dörfer, da leben nicht mal 100 Menschen. Da brauchen wir Förderprogramme, aber mit dem nötigen Pragmatismus.

Ihre Wettbewerber, Deutsche Telekom und Vodafone, stecken ordentlich Geld in den Netzausbau. Was haben Sie vor?

Dirks: Im vergangenen Jahr haben Telefónica und E-Plus gemeinsam weit mehr als eine Milliarde Euro investiert. Und wir werden auch weiterhin stark ins Netz investieren. Wir wollen das führende digitale Telekommunikationsunternehmen werden.

Woran machen Sie das fest?

Dirks: Letztlich muss uns das der Kunde bescheinigen. Wenn wir dem eine komplett digitale Erfahrung bieten möchten, ohne Brüche, dann müssen wir unsere internen Abläufe darauf abstimmen. Ich vergleiche das gern mit einem Umzug: Wenn Sie vorher nicht ausmisten und den ganzen alten Krempel mitnehmen, haben Sie nichts gewonnen.

Neben smarten Telefonen gibt es nun auch smarte Socken und viele andere funkende Geräte. Trotzdem klagt Ihre Branche in Europa über sinkende Einnahmen. Wie kann das sein?

Dirks: All das, was wir nun auf dem Mobile World Congress in Barcelona sehen, verursacht mehr Datenverkehr auf unserem Netz. Aber es hat gedauert, bis wir den richtigen Weg gefunden haben, daraus ein profitables Geschäft zu machen.

Und wie sieht dieser Weg aus?

Dirks: Mit Sprache und SMS verdienen wir seit Jahren immer weniger. Aber: Das Gegenteil erleben wir beim Datenverkehr. Da steigt die Nachfrage – und da sehe ich große Chancen.

Woher der Optimismus?

Dirks: Früher haben wir dem Kunden eine Flatrate verkauft. Darin war ein gewisses Datenvolumen enthalten. Wenn er das erreicht hat, wurde er gedrosselt. Vieles, etwa das Streamen von Musik oder gar Filmen, ist dann nicht mehr möglich. Inzwischen staffeln wir unsere Preise nach dem Datenvolumen, das dem Kunden genau das ermöglicht, was er machen will. Unsere Erfahrung: Der Kunde ist bereit, wenn er mehr Volumen nutzt, auch mehr zu zahlen.

Weitere Informationen

Das vollständige Interview ist am 3. März 2015 in der Süddeutschen Zeitung erschienen:
„Wir werden weiter ins Netz investieren“ (Paywall)

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