Screenshot: Google Ingress

Screenshot: Google Ingress

Augmented Reality erweitert die Realität durch Zusatzinformationen. Doch was bedeutet das? Was wie ein neuer Trend klingt, kennen Kinozuschauer schon seit den Achtzigerjahren, auch wenn sie es vielleicht gar nicht wahrnahmen. Ihren ersten großen Auftritt hatte die neue Technologie im Film Terminator. Das war 1984 – dasselbe Jahr, in dem die erste E-Mail in Deutschland ankam und das Internet noch aus weniger als 1.000 Rechnern bestand.

Während Arnold Schwarzenegger als T1 durch die Straßen rannte, um seine Mission zu erfüllen, bekam er andauernd neue Informationen über den Weg oder Hindernisse in sein Sehfeld eingeblendet. Das lief damals ganz ähnlich wie heute bei Google Glass: Die Informationen für den Terminator kamen kontinuierlich aus einem allwissenden Computernetz, zu dem er überall Zugang hatte. Zu der Hollywood-Premiere vor kaum mehr als 30 Jahren erschien das noch fantastisch – und ist heute Realität. Nur dass die Daten immer noch nicht direkt im Auge erscheinen, wie bei Arnold Schwarzenegger im Film. Es sind weiterhin Bildschirme nötig, die aber oft gar nicht mehr wahrzunehmen sind.

Head-Up Display: Auto-Navi in der Frontscheibe

Headup Display - (c) Continental

Foto: Continental

Augmented Reality findet sich heute beispielsweise im Auto. Mit dem Head-up Display des Automobil-Zulieferers Continental kann das Navigationssystem seine Routenvorschläge direkt in die Windschutzscheibe einblenden. 2017 soll diese Technik serienreif sein.

Alle Informationen werden genau dort eingespiegelt, wo der Fahrer sie benötigt: Abbiegepfeile schweben direkt vor den Querstraßen oder weisen den Weg auf dem Asphalt. Die Spurführungshilfe warnt, indem rote Katzenaugen auf der Straße aufflammen.

Die praktischen Hinweise sind nur für den Fahrer zu sehen und werden nur dann in der Windschutzscheibe eingeblendet, wenn er zu nah an den weißen Randstreifen fährt. Und wenn die Abstandsregelung aktiv ist, markiert eine orange Sichel das Heck des Vordermanns, falls man ihm zu nah kommt. Das ist extrem hilfreich und kann Leben retten.

Wikitude: Kamera-App zitiert aus Wikipedia

Augmented Reality - (c) Wikitude

Foto: Wikitude

Aber auch im Tourismus oder dem Bildungsbereich ist Augmented Reality einsetzbar. Durch die Verbindung von schnellem mobilen Internet, GPS, Objekterkennung und Datenbanken lassen sich überall Informationen über Kunstwerke, Museen, Gebäude oder Stadtviertel abfragen.

Man zeigt mit seinem Smartphone oder Tablet auf ein Gemälde und bekommt sofort Berichte über Bildaufbau, Maler, Epoche und Stilrichtung angezeigt. Mit der Wikitude-App richtet der Nutzer beispielsweise seine Kamera auf historische Gebäude und bekommt sofort den passenden Wikipedia-Eintrag in das Display eingeblendet.

Das wird möglich durch ein kleines Detail, das die meisten Nutzer übersehen: Jeder Eintrag in dem größten Lexikon der Menschheitsgeschichte trägt oben rechts die GPS-Koordinaten des verzeichneten Objektes. Der Reiseführer kann damit ruhig zu Hause bleiben, denn so viele Informationen wie bei Wikipedia werden nie in ein Buch passen, und Wikitude bindet immer mehr solcher Informationsquellen ein. Ein weiteres schönes Beispiel für Erweiterungen der Realität ist Historypin, diese App blendet zu jedem Standort alte Fotos aus seiner Geschichte ein.

Layar: Augmented Reality in den O2 Shops

Augmented Reality Teaser

Augmented Reality – Layar in den O2 Shops

Augmented Reality eignet sich aber nicht nur zum Bereitstellen von Bildungsinformationen, sondern auch hervorragend zum Spielen. Bei dem Smartphone-Game Ingress haben tausende Teilnehmer bereits die ganze Erde zu ihrem Spielfeld gemacht. Sie gehen an Orte in der realen Welt, die sie dann per GPS markieren und in der Augmented Reality für sich erobern.

Eine begeisterte Beschreibung von Ingress und ähnlichen Spielen findet sich auf dieser Seite. Erste Unternehmen überlegen sogar schon, wie sie solche virtuellen Welten für ihre Kundengewinnung nutzen, indem sie virtuelle Schätze auf den Einkaufsmeilen der Städte verstecken. So könnten sie vielleicht auch überzeugte Online-Shopper wieder in die Läden bringen.

Ein Vorreiter der Nutzung von Augmented Reality im Marketing ist übrigens O2: Schon einmal ein Video gesehen, das wie von Zauberhand aus dem Papier auf den Bildschirm eines Smartphones kommt? Das kann man momentan in den Shops erleben. Die aktuellen Broschüren in den Läden enthalten zusätzliche digitale Komponenten, die erst durch einen Trick erkennbar sind. Wer die Smartphone-App Layar installiert, kann sie damit sichtbar machen. Der “Augmented Reality Browser” nutzt Kameras und GPS-Funktionen von Smartphones oder Tablets, um seine Umgebung zu analysieren und dazu passende Webseiten oder Videos automatisch im Internet zu recherchieren. Die gefundenen Objekte werden dann als zweite Ebene (englisch: “layer”) in das Kamerabild auf dem Bildschirm eingeblendet. Bei den Broschüren von O2 sind das vor allem Guru-Videos, Bilder oder Links zu Webseiten von O2.

Think-Big-Projekt: Stolperstein Digital in Ludwigshafen

Augmented Reality kommt jetzt auch bei Think Big zum Einsatz. Das Jugendprogramm von Telefónica und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) unterstützt seit einigen Monaten das Projekt Stolperstein Digital, mit dem Schüler des Pfalz-Kollegs aus Ludwigshafen die Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus in ihrer Stadt bewahren.

Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Es gibt 50.000 dieser kleinen Steine in Deutschland und in 17 weiteren Ländern Europas. Die kleinen Betonwürfel sind in die Bürgersteige und Plätze eingelassen und tragen polierte Messingplatten auf der Oberseite. Sie haben die Namen von Personen eingraviert, die früher dort wohnten, bis die Nazis sie ins Konzentrationslager schickten. Das geschah auch an vielen Orten in Ludwigshafen und soll nicht vergessen werden.

Für ihr Projekt erstellten die Jugendlichen eine Tour zu sechs Stolpersteinen. An den Stationen des Rundgangs können die Nutzer kurze Audiobeiträge hören, die eine App auf ihrem Smartphone abspielt. Dafür muss man nur den Stein scannen, indem die Kamera darauf gerichtet wird. Die Schüler erzählen kleine fiktive Geschichten aus dem Leben der Menschen und stellen damit einen Bezug zur Gegenwart her. Dies geschieht in der Form von Monologen, Briefen an ehemalige Mitschüler oder Gesprächen zwischen Familienangehörigen. So wird die Geschichte wieder lebendig und die Erinnerung bleibt gewahrt durch die Nutzung von Augmented Reality.

Stolperstein-App bei Think Big | im Web | bei Facebook | und bei Google Play

Abonnieren
Blogbeiträge per E-Mail
Blog-Archiv