Digital-Masterminds Panel Diskussion (vlnr Peter Rampling, Ali Aslan, Andrew Keen)

Digital-Masterminds Panel Diskussion (vlnr.: Peter Rampling, Ali Aslan, Andrew Keen)

Mit der Ausbreitung des Internets sind nun schon seit mehr als einem viertel Jahrhundert große Hoffnungen für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft verbunden. Der Autor Andrew Keen hält mit seinem neuesten Buch Das digitale Debakel (The Internet is Not the Answer) dagegen.

In seiner kritischen Analyse rechnet er mit dem Silicon Valley, der Herzkammer der Digital Economy, ab. Aus seiner Sicht führen die dort entwickelten Geschäftsmodelle – verkörpert durch Google, Facebook und Co. – vor allem zur Verletzung der Privatsphäre, steigender Arbeitslosigkeit und gesellschaftlicher Ungleichheit. Am 8. April stellte er seine Thesen bei der Premiere der Veranstaltungsreihe Digital Masterminds @ BASE_camp erstmals in Berlin vor.

Kontroverse These: Digitale Revolution ein Debakel?

Peter Rampling

Peter Rampling, Telefónica

Im Interview mit dem TV-Moderator und Journalisten Ali Aslan diskutierte Andrew Keen die Kernpunkte seines Buches: „Wenn ich über das Internet spreche, spreche ich über die Digitale Revolution.“ Und diese Revolution führt in Keens Augen erst einmal nicht zu einer fortschrittlicheren Gesellschaft.

„Ich sehe ein Wirtschaftsmodell, in dem den Siegern alles und den Verlierern nichts bleibt“. Überwunden geglaubte monopolistische Strukturen hielten vermehrt Einzug in die New Economy, mit negativen Folgen für Innovation, Produktqualität und Beschäftigung.

Auch den Hinweis Ali Aslans, dass die Digitalisierung viele neue Jobs geschaffen habe und kreative Zerstörung dem Kapitalismus innewohne, ließ er nicht durchgehen. „Jedes Unternehmen wird irgendwann durch etwas Neues ersetzt. Die Fehlannahme der Theoretiker war, dass die kreative Zerstörung mehr Arbeitsplätze schaffen würde.“ Keen verweist dabei auf Unternehmen mit 15 Mitarbeitern, die darauf aufbauen, dass Nutzer freiwillig Inhalte produzieren und darauf ein millionenschweres Geschäftsmodell aufbauen.

Andrew Keen: „Kein Schwarzseher, sondern Kritiker“

Andrew Keen präsentiert sein Buch im BASE_camp

Andrew Keen praesentiert sein Buch im BASE_camp

Die anschließende Diskussion zwischen Andrew Keen und Peter Rampling, Digitalexperte und Managing Director für das Consumer Business bei Telefónica Germany, über Chancen und Risiken der Digitalisierung führte Theorie und Praxis zusammen.

Rampling schloss sich der Kritik an Monopolen an und sprach sich für eine gute Regulierung aus, die Wettbewerb befördert. Keen wiederum verwies darauf, dass erst das Vorgehen der USA und der EU gegen die Monopolstellung von Microsoft den erneuten Boom des Silicon Valley ermöglichte, der Firmen wie Google und Facebook hervorbrachte.

Der Autor hält gerade die Monetarisierung privater Daten, die das Erfolgsgeheimnis dieser Unternehmen ist, für problematisch. „Ohne unsere Daten haben sie kein Geschäftsmodell. Diese Tatsache ist das grundlegende Problem.“ Das Publikum interessierte dann auch, welchen Rat Keen der Politik in Berlin und Brüssel mit auf dem Weg geben würde. Neben einem strikten Wettbewerbsrecht und einem starken Datenschutz sprach sich dieser deutlich für ein Recht auf Vergessen aus. Peter Rampling fügte hinzu, dass beim Datenschutz immer die Gesetze des Heimatstaates der Nutzer angewendet werden sollten – unabhängig davon, wo auf der Welt die Server für einen Dienst stünden.

Doch auch für Andrew Keen sind die digitale Revolution und das Internet nicht per se und aus sich selbst heraus schlecht. „Ich bin kein Schwarzseher, ich bin ein Kritiker, ließ er seine Zuhörer wissen. Mit mehr guter Regulierung und einer stärkeren Kooperation der Vereinigten Staaten und Europas ließe sich demnach vieles beheben. Am Ende aber, so Keen, haben wir uns mit Blick auf die fortschreitende Digitalisierung alle eine Frage zu beantworten: Welche Zukunft wollen wir für uns?“

Weitere Informationen:

Veranstaltungen: BASE_camp Kalender
Website: BASE_camp Berlin

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