Foto: Fotolia / Maridav

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Die Telekommunikationsbranche investiert derzeit so viel wie schon lange nicht mehr. Doch die Einnahmen bleiben, wie schon in den Vorjahren, leicht rückläufig. Das geht aus dem Jahresbericht der Bundesnetzagentur hervor, den die Behörde nun veröffentlichte. Für den Mobilfunk zeichnet der Bericht ein gemischtes Bild: steigende Datenmengen, weniger Kurznachrichten, stagnierendes Gesprächsaufkommen.

393 Millionen Gigabyte (GB). So groß war die Datenmenge, die 2014 durch die deutschen Mobilfunknetze floss. Gegenüber 2013 war das ein Plus von 125 Millionen GB. So sehr legte das Datenvolumen noch nie binnen eines Jahres zu (z. Vgl: Zuwachs 2013: + 111 Mio. GB). Das zeigt: Die mobile Datennutzung wird bei den Deutschen immer beliebter. Das wird auch an einer anderen Kennziffer im soeben erschienenen Jahresbericht 2014 der Bundesnetzagentur deutlich: Demnach hat sich die Datennutzung je Teilnehmer seit 2011 annähernd vervierfacht – auf 288 Megabyte pro Monat. Zu dieser Entwicklung trägt auch der anhaltende Smartphone-Boom bei: 2014 befanden sich bereits 52,6 Millionen SIM-Karten in einem UMTS- oder LTE-fähigen Endgerät. Gegenüber dem Vorjahr (36,9 Mio.) ein sattes Plus von fast 43 Prozent! Außerdem nutzen inzwischen rund 30 Millionen Teilnehmer einen sogenannten Bündeltarif, der sowohl die Mobiltelefonie als auch die mobile Datennutzung umfasst.

Telefónica hat die meisten Mobilfunkkunden

Die Zahl der Teilnehmer in den Mobilfunknetzen lag laut Bericht zum 31.12.2014 bei 112,63 Millionen. Ein Jahr zuvor waren es noch über 115 Millionen gewesen. Die Behörde führt den Rückgang vor allem darauf zurück, dass die Netzbetreiber viele über längere Zeit ungenutzte SIM-Karten ausgebucht hätten. Rein rechnerisch entfallen auf jeden Einwohner aber noch immer knapp 1,4 SIM-Karten. Telefónica Deutschland ist mit über 42 Millionen Teilnehmeranschlüssen Marktführer. Das entspricht einem Marktanteil von rund 37 Prozent. Telekom und Vodafone folgen mit 35 beziehungsweise 28 Prozent. 5,2 Millionen der fast 113 Millionen SIM-Karten entfallen inzwischen auf die sogenannte M2M-Kommunikation, also den Datenaustausch zwischen oder mit Maschinen, Automaten und Geräten.

Umsatz leicht rückläufig

Bundesnetzagentur-Jahresbericht-2014Für die Netzbetreiber ist es zwar erfreulich, dass ihr engagierter Netzausbau von den Teilnehmern ganz offenbar mit einer gesteigerten Datennutzung gewürdigt wird. Doch im selben Umfang wie die Datenmengen steigen die Umsätze – angesichts der üblichen Flatrate-Tarife – allerdings nicht. Zwar verzeichneten die Anbieter ein leichtes Plus beim Umsatz mit Mobilfunkdiensten (von 18,81 auf 19,15 Milliarden Euro).

Doch die gesamten Mobilfunkeinnahmen (inkl. Geräte und Vorleistungen für Drittunternehmen) waren erneut rückläufig. Der Gesamtumsatz fiel von 26,22 auf 26,04 Milliarden Euro. Die gesamten Umsätze der deutschen Telekommunikationsunternehmen gingen ebenfalls leicht zurück. Sie fielen von 57,0 um 0,9 Prozent auf 56,5 Milliarden Euro.

SMS immer unbedeutender

Viele Nutzer werden es an ihrem eigenen Verhalten nachvollziehen können: Die einst so beliebte Kurznachricht (SMS) verliert angesichts der vielseitigeren Messaging-Apps rapide an Bedeutung. 2014 wurden laut Bericht der Bundesnetzagentur nur noch 22,5 Milliarden SMS verschickt. Das entspricht etwa dem Aufkommen von 2006. Dabei ist es gerade erst zwei Jahre her, dass der SMS-Versand mit knapp 60 Milliarden (2012) seinen Rekordwert erreicht hatte. Relativ stabil zeigt sich dagegen seit Jahren das Gesprächsaufkommen in den Mobilfunknetzen. Das Gesamtvolumen der abgehenden, also aus Mobilfunknetzen geführten Gespräche belief sich 2014 auf 111 Milliarden Minuten (2013: 110 Mrd. Min.).

Festnetz: weniger Gespräche, mehr Daten

Der Anteil des Mobilfunks an allen abgehenden Gesprächsminuten ist damit leicht auf knapp 42 Prozent gestiegen. 2013 lag diese Quote noch bei 40 Prozent. Der Grund: Von Festnetzanschlüssen aus wurde 2014 rund neun Milliarden Minuten weniger telefoniert. Die Behörde vermutet auch hier den Umstieg auf Messaging-Dienste als Grund für den Rückgang. Dafür legt auch im Festnetz die Menge der übertragenen Daten weiter dynamisch zu. 2014 stieg das über Breitbandanschlüsse abgewickelte Volumen auf 9,3 Milliarden GB. Die Zahl der Breitband-Anschlüsse im Festnetz kletterte 2014 von 28,7 auf 29,6 Millionen.

Breitband-Versorgung: wichtiger Beitrag des Mobilfunks

Vizepräsident Dr. Wilhelm Eschweiler © Bundesnetzagentur 2014

Vizepräsident der BNetzA, Dr. Wilhelm Eschweiler
© Bundesnetzagentur 2014

Derzeit fließt ein Großteil der Investitionen in den Ausbau der Netze. Das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung: Bis 2018 sollen deutschlandweit Datengeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Im aktuellen Jahresbericht der Bundesnetzagentur wird auch auf den Beitrag des Mobilfunks hingewiesen. „Der Mobilfunk bietet die Möglichkeit, unterversorgte Gebiete kostengünstig und schnell mit Breitband zu versorgen. Deshalb sollen auch mobile Verbindungen genutzt werden, um die Breitbandziele zu erreichen“, stellt etwa Dr. Wilhelm Eschweiler klar, Vizepräsident der Bundesnetzagentur. Aus diesem Grund wird derzeit auch die LTE-Infrastruktur ausgebaut.

Telefónica Deutschland etwa will bis Ende des Jahres 75 Prozent der Bevölkerung mit dem 4G-Netz versorgen können. Die Netzbetreiber sind für ihren weiteren Ausbau auch auf neue Funkfrequenzen angewiesen. Am 27. Mai beginnt daher eine weitere Frequenzauktion der Bundesnetzagentur, in der umfassende Spektrumpakete unter den Hammer kommen.

Weitere Informationen

Bundesnetzagentur: Jahresbericht 2014
Veröffentlichung des Jahresberichts: Pressemeldung der Bundesnetzagentur

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