Jochen Wegner, Mitchell Baker und Thorsten Dirks

Mitchell Baker (Mozilla), Jochen Wegner (ZEIT), Thorsten Dirks (Telefónica)

Die Diskussionsrunde bei den Digital Masterminds @BASE_camp war gestern besonders hochkarätig: Mitchell Baker, Executive Chairwoman der Mozilla Foundation, diskutierte mit Thorsten Dirks, CEO von Telefónica in Deutschland, über die Offenheit des Internets. Der Moderator Jochen Wegner, Chefredakteur von ZEIT online, sorgte dafür, dass die Diskussion schnell spannend wurde und zeitweise sogar hitzig war. Die Offenheit des Internets müsse immer wieder neu erkämpft werden, sagte Mitchell Baker, und momentan sei das gar nicht so einfach.

Die Vorsitzende der Stiftung, die für die Verbreitung von freier Software wie dem Firefox-Browser sorgt, war als Gast bei der dritten Ausgabe der Digital Masterminds. Dort wurde über die Frage diskutiert: „Welche Art von Internet wollen wir in der digitalen Zukunft haben“? Mit seiner Veranstaltungsreihe gibt das BASE_camp in Berlin international renommierten Vordenkern und Leadern der digitalen Welt eine Plattform zur Diskussion ihrer Positionen. In Telefónicas Thinktank im Zentrum der Hauptstadt treffen sie auf Journalisten und Unternehmensvertreter, um die Aspekte des digitalen Lebens zu analysieren und Lösungen für die Zukunft zu finden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf aktuellen gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung: angefangen von den Entwicklungen auf dem Wirtschafts- und Arbeitsmarkt bis hin zum Einfluss der neuen Techniken auf das Privatleben oder die Bildung. Digital Masterminds @BASE_camp wird zusätzlich online über Facebook und Twitter begleitet, woraus sich interessante Diskussionen ergeben.

AOL und Apps: Große Firmen wollen Internet kontrollieren

Mitchell Baker

Mitchell Baker

„Vor weniger als 20 Jahren diskutierten wir noch darüber, ob das Internet wirklich offen bleibt oder sich bald alle Inhalte in die geschlossene Welt von AOL verlagern“, erinnerte Jochen Wegener die 180 Teilnehmer der Veranstaltung.

Das ist längst Geschichte, doch heute habe man fast dieselbe Diskussion: Durch den Siegeszug der Smartphones kontrollierten gerade einmal zwei Firmen, was die Leute auf ihren mobilen Geräten zu sehen bekommen. Immer mehr Inhalte würden nicht im offenen World Wide Web (WWW) präsentiert, sondern in Apps, und den Zugang dazu kontrollierten Apple und Google.

Das sei auch für Mozilla ein großes Problem, ließ Mitchell Baker wissen: Während ihr Firefox-Browser auf dem PC ein großer Erfolg sei und sich gegen den übermächtigen Internet Explorer durchgesetzt habe, sei eine Marktöffnung im Mobilbereich heute eine Herausforderung. Zwar gehöre Firefox zu den meistgenutzten mobilen Browsern beim Google-Betriebssystem Android, doch die iPhone-Version müsse derzeit noch warten, denn Apple mache strenge Vorschriften für die verwendbaren Funktionen.

Mitchell Baker: Nur offene Systeme bringen echte Innovationen

Publikum-0609-960x540Anders als das ‚restriktive Apple Ökosystem‘ sei ein offenes System transparent und biete Zugang und Kontrolle für alle. So wie das WWW, in dem jeder eine Webseite veröffentlichen kann, die sofort für alle Internet-Nutzer erreichbar ist. „Nur offene Systeme bringen wirkliche Innovationen hervor und sind gut für die Mehrheit der Menschen“, mahnte Mitchell Baker.

Als Beispiel führte sie Software wie Skype an, die von einer kleinen Firma aus Estland kam und plötzlich kostenlose Anrufe ermöglichte, womit sie bald einen Großteil der internationalen Telefonate auf sich vereinte. Ihr blitzschneller Siegeszug war nur im Web möglich. Die mobile App brauchte dagegen viele Jahre, bis sie endlich für die ersten App Stores freigeschaltet wurde.

Thorsten Dirks: Internet muss offen für alle sein

Thorsten Dirks

Thorsten Dirks

„Auch in Zukunft muss das Internet offen für alle sein“, sagte deshalb auch CEO Thorsten Dirks. Offene Schnittstellen und freie Entwicklungsmöglichkeiten hätten in den vergangenen Jahren unglaubliche Fortschritte gebracht – und die Netze von Unternehmen wie Telefónica in Deutschland sind die wichtigste Grundlage dafür.

Als digitaler Mobilfunkanbieter hat es sich die Firma zur Aufgabe gemacht, den modernen digitalen Lebensstil ihrer Kunden bestmöglich zu unterstützen. Dazu gehört auch, auf ihre Wünsche zu hören, und momentan bevorzugten die Kunden vor allem Smartphones mit Android und iOS. Das musste auch Mitchell Baker zugestehen. Doch bei der anschließenden Diskussion, ob nun offene oder geschlossene Betriebssysteme mehr Schutz für die Kunden bieten, erzielten die beiden keine Einigkeit.

Auch bei den Fragen über Netzneutralität wurden unterschiedliche Ansichten deutlich. In einem offenen Internet, das nach dem bisherigen Best-Effort-Prinzip funktioniert, bewegen sich alle Daten gleich schnell. Doch wichtige Echtzeit-Anwendungen, beispielsweise für Rettungsdienste oder autonome Fahrzeuge, könnten auch bevorzugt behandelt werden, was ihnen wahrscheinlich einen großen Innovationsschub bringen würde. Dieses Thema wird gerade heiß in der Europäischen Union debattiert und auch Thorsten Dirks verwies gestern Abend auf diese Diskussion. Mitchell Baker führte dagegen an, dass wahrscheinlich jeder Nutzer seine eigene Vorstellung habe, welcher Dienst zu priorisieren sei. „Wir brauchen endlich eine Rationalisierung dieser Debatte“, forderte deshalb der CEO von Telefónica in Deutschland. Bei den Digital Masterminds @BASE_camp brachte er die Diskussion wieder einen Schritt voran.

Fotos: Henrik Andree

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