Digital Innovation Day 2015 - DID 2015

Gebt Gas. Gebt endlich Gas!“ Diese dutzendfach wiederholte Forderung des Zukunftsforschers Nick Sohnemann dürfte den Teilnehmern des Digital Innovation Day am stärksten in Erinnerung bleiben. Es ist Zeit zum Durchstarten, zeigte die renommierte Telefónica-Veranstaltung am Mittwoch. Denn die „Schockwellen der Digitalisierung haben die deutschen Kern-Industrien erreicht“, wie es der CTO der Software AG, Wolfgang Beeck, in seiner Präsentation formulierte.

Ein großer Wille zum Aufbruch zeigte sich überall bei dem Treffen von Experten und Unternehmensvertretern, das CEO Thorsten Dirks vor 300 Teilnehmern eröffnete. Auch Bayerns Staatsministerin für Wirtschaft und stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner nahm daran teil und mahnte in ihrer Rede, dass „wir uns bei der Digitalisierung nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“ sollen. In den kommenden Jahren müsse das gesamte Produktionsumfeld digitalisiert werden: von der Grundlagenforschung bis zur Industrie-Software. Alle bisherigen Geschäftsmodelle seien auf dem Prüfstand, wie man an den jüngsten Beispielen sehen könne. Die US-Firmen AirBnB und Uber seien in wenigen Jahren zu den weltgrößten Anbietern von Unterkünften und Taxis aufgestiegen, obwohl sie gar keine eigenen Hotels oder Fahrzeuge besitzen. Die Digitalisierung hat es ermöglicht.

Zweite Halbzeit: Digitalisierung für den Mittelstand

Thorsten Dirks auf dem DID 2015

Thorsten Dirks, CEO von Telefónica in Deutschland

Besonders der Mittelstand, an den sich der Digital Innovation Day vor allem richtete, steht unter Druck. Er ist das Rückgrat der Wirtschaft, doch 70 Prozent der deutschen Unternehmen stellt  die Digitalisierung vor eine große Herausforderung. Das zeigt eine Umfrage des Hightech-Branchenverbandes BITKOM.

Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Befragten beobachtet, dass Wettbewerber aus der Internet-Branche in ihren Markt drängen. In mehr als jedem zweiten Unternehmen (55 Prozent) ändere sich als Folge der Digitalisierung das Geschäftsmodell. Doch die gute Nachricht dabei sei, dass die Unternehmen die Notwendigkeit von Veränderungen erkannt hätten, sagte Thorsten Dirks in seiner Rede.

„Es wird oft behauptet, dass Europa die erste Halbzeit der Digitalisierung gegen die Amerikaner bereits verloren habe“, brachte der CEO von Telefónica in Deutschland die Lage auf den Punkt. „In die zweite Halbzeit starten wir jedoch mit gänzlich anderen Voraussetzungen. Viele unserer Industrieunternehmen sind in ihren Bereichen Weltmarktführer, und dies gilt insbesondere für Unternehmen aus dem deutschen Mittelstand.“ Denn ab jetzt gehe es um industrielle Anwendungen. M2M-Kommunikation wird Maschinen und Geräte, Fahrzeuge und Häuser, Industrieanlagen und Logistikzentren zu einem Internet der Dinge vernetzen.

M2M-Internet: Milliarden vernetzte Maschinen

DID 2015 - Seissiger Wildkamera

Wildkamera

Das entstehende Internet der Dinge wird komplette Wertschöpfungsketten verändern und völlig neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Schon in wenigen Jahren wird es vielfach größer sein als das heutige Internet. So soll die Zahl der vernetzten Geräte von fünf Milliarden Ende 2014 bis Ende 2019 auf 35 Milliarden steigen. Drei Viertel davon werden vernetzte Maschinen sein und die Beispiele dafür gab es beim Digital Innovation Day zu sehen.

Die Firma Seissiger zeigte beispielsweise, wie selbst die Bäume im Wald vernetzt werden. Ihre Wildkameras nutzen M2M-SIM-Karten von Telefónica und helfen Förstern, ihre Tierbestände zu schützen. Und gleich nebenan zeigte die Firma Tork, wie die automatische Maschinenkommunikation auch bei dringenden Bedürfnissen hilft. Wer kennt nicht das Problem, dass auf einer Toilette im Restaurant, Museum oder Unternehmen die Seife oder die Handtücher ausgegangen sind? Der Tork EasyCube stattet die entsprechenden Geräte mit Sensoren aus, die an eine Zentrale melden, wenn für Nachschub gesorgt werden muss. Das beseitigt nicht nur ein Ärgernis für den Besucher, sondern sorgt auch für mehr Effizienz beim Betreiber.

Telefónica: LTE als Grundlage für die Digitalisierung

Ilse Aigner beim DID15Ein ähnliches Beispiel führte auch Wolfgang Beeck an, denn seine Firma vernetzt sogar Mülltonnen über Mobilfunk. Das Smart Waste Management der Software AG wird bereits in Dresden erprobt: Ein Sensor im Deckel meldet den Füllstand, sodass die Müllabfuhr nur noch Häuser anfahren muss, wo es wirklich nötig ist. Das kann der Abfallwirtschaft viel Geld sparen – und den entscheidenden Beitrag für solche neuartigen Lösungen leisten Unternehmen wie Telefónica in Deutschland.

„Mit unseren Hochgeschwindigkeitsnetzen liefern wir die Infrastruktur, auf der das Internet der Dinge Realität wird“, sagte CEO Thorsten Dirks. „In den vergangenen Jahren haben die Telekommunikationsunternehmen hierzulande mehr als 100 Milliarden Euro in die Breitbandnetze investiert.“  Der schnell vorankommende Ausbau der LTE-Mobilfunknetze sei eine wichtige Grundlage für das Internet der Dinge und auch das mobile Superbreitband nach dem 5G-Standard sei bereits absehbar. Thorsten Dirks hatte erst am Vortag die Pläne dafür mit Telefónica-Kollegen in Madrid besprochen, erwähnte er auf der Bühne. So kann die Wirtschaft bei der Digitalisierung richtig Gas geben.

Impressionen vom DID 2015 am 30. September 2015 in München
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