Das Food Podium vlnr. Sebastian Esser, Franziska Schmid, Tanja Bülter, Hanni Rützler, Jan Spielhagen, Marco Müller-960x540

Das Food Podium vlnr. Sebastian Esser, Franziska Schmid,
Tanja Bülter, Hanni Rützler, Jan Spielhagen, Marco Müller

Was wir wann, wie und vor allem wo essen, hat noch nie so viel über uns ausgesagt wie heute. Rund 200 Gäste waren gestern zur Veranstaltung Mobile Living im BASE_camp Berlin erschienen, um über die zunehmende Wechselwirkung von digitalen Medien und Lebensmitteln zu erfahren. TV-Moderatorin Tanja Bülter diskutierte unter der Headline „Die neue Liebe zum Essen – Genuss zwischen Herd und Posting“ in einer spannenden Podiumsrunde mit fünf Food-Experten.

Ernährungswissenschaftlerin, Trendforscherin und Autorin Hanni Rützler, Jan Spielhagen, Chefredakteur der Magazine ESSEN & TRINKEN und BEEF!, Sternekoch Marco Müller, Franziska Schmid von „veggie love“ und Geschäftsführer und Gründer des Startups HOME EAT HOME, Sebastian Esser. Unter das food-affine Publikum mischten sich auch die Schauspielerinnen Mariella Ahrens, Gerit Kling, die Schauspieler Werner Daehn und Axel Schreiber, sowie Topmodel Franziska Knuppe, Social-Media-Experte Karim Maataoui sowie Schauspieler und Restaurantbesitzer Peer Kusmagk.

Foodtrends: Persönliche Statements einer neuen Generation

Peer Kusmagk und Anna R diskutierten aus dem Publikum zum Thema Digital & Food-960x540

Peer Kusmagk und Anna R. diskutierten aus dem Publikum zum Thema Digital & Food

Foodtrends und die digitale Selbstinszenierung via Social Media, kenntlich gemacht mit Hashtags wie #foodporn oder #foodlove, sind zu persönlichen Statements einer neuen Generation von Gourmets geworden. „Foodporn“ sei die zeitgemäße Form einer Annäherung an das Thema Essen, so konstatiert Trendforscherin Hanni Rützler. War früher das gemeinsame Abendbrot Mittelpunkt der sozialen Kommunikation, so würden Smartphone und Apps heute eine Verbindungen und echtes Gemeinschaftsgefühl zwischen den Usern schaffen. Das Fotografieren von Essen beschreibe ein Phänomen, dass Menschen sich über das, was sie essen, darstellen. Essen sei zu einem Phänomen geworden, mit dem man die eigenen Werte, Vorlieben und Orientierungsgrößen kommunizieren könne.

Bei der Frage, ob Postings in der digitalen Food-Community tatsächlich einen echten Mehrwert zum Beispiel in Form kulinarischer Informationen bieten, verweist Journalist Jan Spielhagen weiter an die Qualität der Fachmagazine. Die Mischung aus Journalisten und Köchen böte den Vorteil – des Experten Know Hows –. Die neue Leidenschaft zum Posten und Kommentieren von Essen sieht Spielhagen aber trotzdem positiv: „Die Menschen wollen ihr Essen auf dem Teller fotografieren und das ist auch gut so!“. Von der neu entdeckten Freude am visuellen Erleben von Essen profitieren auch die klassischen Verlage.

Neue Macht: Food Blogger und Crowd-Votum

Axel Schreiber bei der Berlin Food Week im BASE_camp-960x540

Axel Schreiber bei der Berlin Food Week im BASE_camp

Wenn im digitalen Alltag jeder zum Fotografen und Restaurantkritiker werden kann, müssen Gastronomen mitunter auch mit unschönen Abbildern ihrer Speisen umgehen. Für Marco Müller, Sternekoch und Besitzer des Berliner Restaurants „Weinbar Rutz“ überwiegt der Nutzen: „Manchmal wird ein Gericht digital sogar noch schöner inszeniert, als wir es angerichtet haben!“, so Müller.

Wie Food-Blogger und das Votum der Crowd die die klassischen Restaurantkritiker inzwischen ablösen und was der Michelin Stern heute eigentlich noch Wert ist, hat Buchautorin Franziska Schmid erlebt. Mit ihrem Blog „veggie love“ dokumentiert sie seit vielen Jahren ihren veganen Lebensstil. Wenn sie heute ein Restaurant empfehle, könne es vorkommen, dass sie kurz darauf selbst keinen Tisch mehr bekomme – die digitale Empfehlung ziehe die Gäste an, so Schmid. So profitiere die Restaurantbranche vom digitalen Mitteilungsbedürfnis der Menschen.

Auch Sebastian Esser verbindet die digitale Welt mit dem stationären Geschäft – und möchte mit dem Startup „Home Eat Home“ seinen Kunden das „Selberkochen“ schmackhaft machen. Ob digitale Bestellungen und Lieferanten künftig den Inhalt des Kühlschranks und den Speiseplan bestimmen? Fest stehe, so Esser, User hätten Macht über den Ruf eines Restaurants oder Lieferservices – nutzten diese aber oft zum Guten. Am Ende stand für das Podium fest: Egal ob Augenschmaus oder leiblicher Genuss – die Liebe zum Essen eint die User und Konsumenten und förderte den bewussten Umgang mit Lebensmitteln.

#FoodpornAwards: Das Beste kommt zum Schluss

Der Gewinner des 2. Platzes beim Food Porn Award-960x540

Der Gewinner des 2. Platzes beim Food Porn Award

Wie die gekonnte digitale Inszenierung von Mahlzeiten aussieht, zeigten die besten Food-Smartphone-Fotos. Sie wurden im Anschluss an die Podiumsdiskussion mit der Verleihung der „Foodporn Awards“ gekürt. Für den Wettbewerb im Rahmen der Berlin Food Week und in Kooperation mit der Foto-Sharing App EyeEM, gingen zuvor 32.000 Beiträge ein.

Im Vorfeld des Abends hatte daher die Jury aus hochkarätigen gastronomischen Vertretern der Hauptstadt – Truong Si Dong Phuong (Mitinhaber der vietnameischen Restaurantkonzepte District Mot, Chénchè Teehaus, SiAn) Sophia und Maria Giesecke (40 days of eating, Mit Vergnügen), Steffen Sinzinger (Sous Chef im XXenia im Pullman Hotel Schweizer Hof und Blogger) sowie Anke Krohmer (seit 2012 Chefredakteurin von Lust auf Genuss) – die Qual der Wahl. Die prämierten Foodies wurden im Anschluss der Preisverleihung dem BASE_camp Publikum präsentiert. Die 10 Gewinnerbilder sind ab sofort für zwei Wochen im BASE_camp Berlin ausgehängt.

Über Mobile Living: Mobile Living ist ein bunt besetztes, innovatives Erlebnisformat, das aus verschiedenen Perspektiven auf jeweils einen Einsatzbereich digitaler Anwendungen blickt. Zu der Veranstaltungsreihe im BASE_camp kommen Vertreter und Leader des digitalen Wandels zusammen, um über unterschiedliche Aspekte des mobilen Lifestyles zu diskutieren: Von Digital Health bis Smart Home.

Weitere Informationen

Mobile Living – Digital & Food
Kalender: BASE_camp

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