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Es war die wichtigste Veranstaltung des Monats: Telefónica hat am Mittwoch seine neue Haupstadtrepräsentanz mit der neuen Telefónica Digital Lounge eröffnet und 200 hochkarätige Besucher waren dabei. Die anwesende Prominenz umfasste Politiker, Künstler, Unternehmensvertreter und digitale Vordenker, aber auch bekannte Figuren aus Film und Fernsehen. Es war ein echtes Who-is-Who der Berliner Szene.

Telefónica in Deutschland möchte die digitale Transformation nicht nur als Unternehmen gestalten, sondern Teil einer öffentlichen Debatte über die Zukunft des gesellschaftlichen Zusammenlebens sein. Das zeigte sich auch am Mittwoch: Durch ihre Einrichtung als Ort für Veranstaltungen und die zentrale Lage präsentierte sich die neue Repräsentanz schon am ersten Abend als Mittelpunkt des Geschehens. Gleich zur Eröffnung wurde Unter den Linden 26 kräftig diskutiert.

Mehr Produktivität: Von der Dampfmaschine zur Digitalisierung

Telefonica Eroeffnung Berlin Patrice Bouedibela

War auch zu Gast: Patrice Bouedibela

„Unser Leben in der Digitalen Welt“ war das Thema der Debatte, mit welcher der Abend im Telefónica BASE_camp begann, bevor es dann später zum Feiern in die Telefónica Digital Lounge ging. So ließ sich gleich das neue Konzept erleben: Während das BASE_camp im Eingangsbereich für Debatten vor Publikum dient, bietet die Lounge auf der vierten Etage ein Umfeld für den engeren Austausch.

„Die digitale Transformation ist hier täglich ein Thema – in öffentlichen Foren sowie in fachlichen Diskussionen“, erklärte CEO Thorsten Dirks die Lage in Berlin. „Wir wollen mit unserer neuen Hauptstadtrepräsentanz beiden Bedürfnissen gerecht werden.“ Und wie gut das funktioniert, zeigte Telefónica gleich am ersten Abend.

Eröffnung der neuen Telefónica-Hauptstadtrepräsentanz am 14. Oktober 2015

Die Panel-Diskussion kam sofort in Fahrt, weil ihre ungewöhnliche Teilnehmer-Kombination aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Kirche für besondere Spannung sorgte. „Die Digitalisierung bringt unglaubliche Produktivitätsfortschritte, genau wie damals die Dampfmaschine“, trumpfte beispielsweise Clemens Fuest auf, der Präsident des industriefreundlichen Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. „Die hat aber auch schnell ganze Berufsgruppen arbeitslos gemacht“, erwiderte Moderator Hajo Schumacher, der vom SPIEGEL kommt und genau wie die Zeitschrift „im Zweifelsfall links“ ist. So war der Ton für die Debatte schnell gesetzt.

Vorbild Moldawien: Kaum Gratis-WLAN in Deutschland

16_9_Natalia_Woerner„Wer bei der Digitalisierung immer nur die Risiken sieht, der bekommt auch keine Innovationen“, sagte Paul Ziemiak, der Vorsitzende der Jungen Union. Und dann schwärmte er plötzlich von Moldawien: Bei seinem letzten Besuch in diesem ärmsten Land von Europa habe er überall gratis ins WLAN gekonnt.

Doch als er wieder in Frankfurt auf dem Flughafen stand, war Schluss mit dem kostenlosen Breitband, denn die deutschen Gesetze behindern solche Angebote von Cafés oder öffentlichen Einrichtungen. Für den nächsten Tag war er mit der Bundeskanzlerin verabredet und man fragt sich, ob er auch dort das Thema zur Sprache brachte, denn seine Partei besetzt schließlich die wichtigsten Posten der Regierung.

„Unsere Strukturen sind einfach zu konservativ, mahnte Clemens Fuest. Das sei besonders im Vergleich zu den USA erkennbar, wo besonders die Digitalisierung dafür verantwortlich sei, dass die Wirtschaft momentan schneller wächst als in Europa. Deutschland habe zwar Vorteile durch seine starke Industrie, doch man solle sich fragen, wie lang noch der Großteil der Einnahmen durch Autos mit Verbrennungsmotor erzielt werden kann. Ein schnelles Umdenken scheint dringend nötig.

Martin Luther: Der Steve Jobs des Mittelalters

Telefonica Eroeffnung BerlinUnd ausgerechnet dafür gab es Beispiele aus Bereichen, wo sie kaum vermutet wurden: von der Kirche und aus der klassischen Musik. „Die ganze Reformation war nur möglich durch den Buchdruck“, erinnerte Wolfgang Huber, der ehemalige Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Martin Luther war sozusagen der Steve Jobs des Mittelalters, der durch disruptive Ideen und moderne Technik ein neues Zeitalter heraufbeschwor. Und auch heute sei die Kirche hochmodern. Ein starker Auftritt bei Facebook ist für Huber wichtig und außerdem nähmen heute genauso viele Menschen elektronisch an Gottesdiensten teil, wie an den Sonntagen in die Kirche gingen. Radio, Fernsehen und die Digitalisierung machen es möglich.

Ähnlich argumentierte auch Martin Hoffmann, Intendant der Stiftung der Berliner Philharmoniker: Während die Konzerte seines Orchesters nur Platz für einige hundert Leute bieten, erreicht es im Internet ein Millionenpublikum. Die Livestreams seiner Digital Concert Hall sind auf der ganzen Welt beliebt und die zugehörige App ist für jedes mobile Betriebssystem sowie unzählige Smart-TV verfügbar. Den Grundstein für diese Haltung habe übrigens Herbert von Karajan gelegt, der ein großer Technik-Enthusiast war und sogar an der Entwicklung des CD-Standards mitwirkte. Den HD-Livestream im Internet und den Youtube-Kanal der Berliner Philharmoniker hätte er auf jeden Fall geliebt. So wird alte Musik für junge Leute hörbar und jeder kann dabei sein.

Denn darin waren sich alle Panel-Teilnehmer einig: Die Digitalisierung kann nur ein Erfolg werden, wenn sie allen Menschen hilft und der große Fortschritt in der Produktivität auch die erwarteten Zuwächse an Wohlstand und Lebensqualität bringt. „Wir müssen die richtige Balance zwischen gesellschaftlichen, unternehmerischen und persönlichen Interessen finden“, sagte Thorsten Dirks am Ende der Debatte. Telefónica sei bereit für diesen Dialog.

Eröffnung der Hauptstadtrepräsentanz in Berlin
Fotografen: Christian Klant, Sebastian Runge
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