Thorsten Dirks, CEO der Telefónica Deutschland Holding AG beim Interview mit der Welt

Ein gutes Jahr ist seit dem Zusammenschluss von Telefónica Deutschland und E-Plus vergangen. Im Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ sprach Telefónica Deutschland CEO Thorsten Dirks jetzt über die Fortschritte bei der Integration beider Unternehmen, den sich daraus ergebenden Nutzen für die Verbraucher und verschiedene Aspekte der Digitalisierung.

Wir publizieren hier Auszüge des Gesprächs, der volle Wortlaut findet sich in der Printausgabe der Tageszeitung „Die Welt“ vom 14.11.2015.

Vor einem Jahr hat die Fusion von Telefónica und E-Plus in Deutschland begonnen. Erfahrungsgemäß sind die meisten Firmenzusammenschlüsse nicht sonderlich erfolgreich.

Thorsten Dirks: Unserer schon. Wir haben im ersten Jahr der Integration große Fortschritte gemacht und können an alle unsere Vorhaben einen Haken machen. Natürlich gibt es auch Themen, die man nicht allein in der Hand hat.

Was wäre das?

Thorsten Dirks: Die Verhandlungen mit den Betriebsräten über die Restrukturierung waren das einzige Projekt, bei dem wir etwas mehr Zeit gebraucht haben als geplant. Doch auch hier haben wir uns Ende Januar geeinigt. Insgesamt haben wir ein gutes gemeinsames Fundament gelegt, um das führende digitale Telekommunikationsunternehmen zu schaffen.

Thorsten DirksDeutschland hat statt vier jetzt nur noch drei Netzbetreiber. Kein gutes Jahr für den Wettbewerb.

Thorsten Dirks: Einspruch. Auch mit drei Netzbetreiber ist der Markt weiter sehr dynamisch. So sind in den letzten Jahren viele neue Anbieter hinzugekommen – davon profitieren die Verbraucher. Es stehen ja nicht nur die Netzbetreiber im Wettbewerb miteinander, sondern alle Marktteilnehmer. Etliche dieser Anbieter sind auf unseren Netzen unterwegs, wie beispielsweise 1&1 oder die Drillisch-Marken. Im Prepaid-Markt spielen Marken wie AldiTalk mittlerweile die weitaus größere Rolle.

Was würden Sie eigentlich Google oder Apple sagen, wenn die bei Ihnen Netzkapazitäten kaufen wollten?

Thorsten Dirks: Wir würden sie zu einem Gespräch einladen.

Und damit zum Wegbereiter für jene zu werden, die von Telekom-Unternehmen immer als Bedrohung dargestellt werden.

Thorsten Dirks: Viele dieser Unternehmen sind mal Wettbewerber, mal Partner. Apple hat uns jetzt als einzigen Netzbetreiber weltweit für das Bezahlen von iTunes-Inhalten über die Mobilfunkrechnung ausgewählt. Wir lassen zudem seit Jahren Drittanbieter auf unsere Netze. Das hat dazu geführt, dass die Marktdurchdringung mit Mobilfunk größer und die Preise günstiger wurden. Mit Bedrohung hat das nichts zu tun.

Das Europäische Parlament hat in Sachen Netzneutralität entschieden und weitgehende Ausnahmen zugelassen. Werden Sie jetzt Netflix um Gebühren für die Durchleitung bitten?

Thorsten Dirks: Auch über dieses Thema würden wir mit allen sprechen, die auf uns zukommen. Grundsätzlich finde ich den Weg ausgewogen, den wir in Europa gefunden haben. Es geht ja auch darum, den Netzbetreibern zusätzliche Erlösquellen zu erschließen, damit wir weiter massiv in den Netzausbau investieren können. Auch in Zukunft bleibt der Netzzugang dabei diskriminierungsfrei. Zudem gibt es künftig Dienste, die beim Datenaustausch zwingend vorrangig behandelt werden müssen. Vernetzte autonome Fahrzeuge oder telemedizinische Anwendungen zählen dazu.

Kommen wir eigentlich beim Breitbandausbau in Deutschland schnell genug voran?

Thorsten Dirks: Auch wenn ich ein ungeduldiger Mensch bin, sollten wir die Kirche im Dorf lassen. Das Ziel der Bundesregierung ist eine flächendeckende Versorgung mit 50 Megabit pro Sekunde bis 2018. Darauf sollten wir uns alle konzentrieren. Am Ende kann allerdings auch das nur ein Etappenziel sein. Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir den Weg in die Gigabit-Gesellschaft schaffen.

LTE-Antenne-Halle-NeustadtDer Mobilfunk soll noch schneller werden. Wann halten wir das erste Smartphone in der Hand, das über das Mobilfunknetz der fünften Generation Daten empfängt?

Thorsten Dirks: Wir sind ja noch dabei, die vierte Generation in den Massenmarkt zu tragen. Erste 5G-Geräte werden wir 2018 sehen und auch nur in geringer Stückzahl. Der 5G-Standard unterscheidet sich deutlich von seinen Vorgängern. Es wird nicht nur um höhere Geschwindigkeiten gehen, sondern vor allem um mehr Kapazität.

Weitere Informationen

Artikel: „Langfristig hätten wir allein keine echte Chance gehabt“, Die Welt; 14.11.2015

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