Jared Cohen

Jared Cohen, Gründer & Director des Think Tanks Google Ideas

Mit dem rasant wachsenden Zugang zum Internet geht nicht nur ein Nutzen für Individuen oder die Gesellschaft einher. Macht und Politik verändern sich insgesamt. Zum Thema „Die Vernetzung der Welt – Macht und Politik im digitalen Zeitalter“ konnte das Telefónica BASECAMP gestern im Rahmen der Veranstaltungsreihe Digital Masterminds einen besonders hochkarätigen Gast präsentieren: Jared Cohen, Gründer & Director des Think Tanks Google Ideas und einer der weltweit führenden Köpfe der digitalen Branche.

Im Gespräch mit der Journalistin Dr. Anna Sauerbrey diskutierte er vor rund 200 Gästen über die (Um-)Verteilung von Macht im Zuge der Digitalisierung.

Eine digitale Parallelwelt existiert nicht

Zu Cohens wichtigsten Warnungen zählte: Technologie und die digitale Welt, sind als Teil der Welt an sich und nicht als davon losgelöster Teil zu betrachten. Eine Parallelwelt existiert nicht“. Auch wenn sie daher von Einzelnen missbraucht würde, müsse Jeder Verantwortung übernehmen und sich selbst mit der Frage befassen, ob er sich richtig verhält.

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Jared Cohen im Gespräch mit Journalistin Dr. Anna Sauerbrey
über die (Um-)Verteilung von Macht im Zuge der Digitalisierung

Laut Cohen, den das „Time“-Magazin zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt zählt, könnten digitale Konflikte, die in Internet-Foren oder durch Propaganda-Videos bei Youtube ausgetragen werden, jederzeit zu Konflikten in der realen Welt führen. Die Digitalisierung sei manchmal nur eine Fortführung von Auseinandersetzungen mit anderen Mitteln. Der ehemalige Berater der US-Außenministerinnen Condoleeza Rice und Hillary Clinton spricht hier aus Erfahrung. Auch die US Regierung musste von ihm erst auf die Relevanz aktueller Entwicklungen im Internet hingewiesen werden. Die Auswirkungen, die der technische Fortschritt ermöglicht, wurde mit dem arabischen Frühling deutlich; Smartphones und Social Media machten es den Menschen möglich, sich der Kontrolle autoritärer Systeme zu entziehen. Revolutionen seien durch die Digitalisierung leichter in Gang zu setzen, aber auch schwieriger zu beenden, so Cohen.

Mit seinen Thesen knüpfte Jared Cohen als Gast der vierten Ausgabe des Telefónica Formats „Digital Masterminds“ an bisherige Diskussionen an. Telefónica Deutschland gestaltet die digitale Transformation nicht nur als Unternehmen, sondern stellt sich auch der öffentlichen Debatte über die Zukunft der realen Welt und des digitalen Zusammenlebens.

Zusammenfassung der Veranstaltung

Digital Masterminds Logo-960x540Das Telefónica BASECAMP dient als Ort der Diskussionen und gibt international renommierten Vordenkern mit seiner Veranstaltungsreihe eine Plattform. Die Digital Masterminds treffen auf Journalisten, Unternehmensvertreter und Politiker, um die Zukunft des digitalen Lebens zu analysieren.

Dass sich manche Herausforderungen im entscheidenden Moment mit wenigen Gesprächen lösen lassen, erzählte Jared Cohen: Auf dem Höhepunkt der Jugendproteste im Iran im Jahre 2009 verschob Twitter eine geplante Abschaltung für ein Update, damit die Demonstranten in der Lage waren, das Soziale Netzwerk weiter für die Organisation ihrer Proteste zu nutzen und Informationen an die internationalen Medien weiterzugeben. Als Mitarbeiter im Außenministerium ermöglichte er so mit wenigen Telefonaten einen weiteren Austausch über das Netz.

Unterscheidung zwischen guten und schlechten Inhalten im Netz nicht möglich

Jared Cohen

Jared Cohen, Gründer & Director des Think Tanks Google Ideas

Doch gibt es ein Allheilmittel, um das Böse im Netz zu bekämpfen? Der Think Tank Google Ideas entwickelt beispielsweise Algorithmen, um diskriminierende Diskussionen im Internet früh zu erkennen, damit sich keine physische Gewalt daraus entwickelt. Cohen, der ein Verfechter des freien Netzes ist, würde hier in Ausnahmefallen sogar eine Zensur zulassen.

Manchmal sei es wichtig, Inhalte nicht findbar zu machen. Die Masse an Daten sei jedoch zu groß und die gesellschaftlichen Normen auf der Welt zu unterschiedlich für klare Trennungen. Nazi-Propaganda ist beispielsweise in Deutschland verboten, in den USA durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt. Letztendlich müssen die lokalen Gesetze entscheiden. Ähnlich unterschiedliche Ansichten gibt es bei nackten Tatsachen; auch die Grenzen zwischen Kunst und Pornografie seien fließend, bemerkte Cohen. Diese Unterscheidung sei mit strikten Regeln und Algorithmen nicht machbar. Was verboten ist und gelöscht gehört, legen Politiker fest und die Mitarbeiter von Internet-Unternehmen setzen es um. Google stellt nur die Daten dafür bereit.

Das Unternehmen hält sich jedoch nicht immer raus. In der Ukraine werden mit dem Reverse Proxy Project Shield von Google Ideas bei den Auseinandersetzungen um die Krim gleichzeitig russische und ukrainische Websites beschützt. Google hilft hier bei angegriffenen Webseiten – beispielsweise von unabhängigen Nachrichten-Websites oder Seiten von Menschenrechtlern und Wahlbeobachtern – mit ihrer konzerneigenen Infrastruktur aus. Wer sie dann noch abschießen möchte, muss das auch bei Google.com tun, das von den besten IT-Sicherheitsexperten der Welt geschützt wird.

Google Ideas hilft manchmal ganz praktisch; hat sich das Ziel gesetzt, Internetnutzern durch Innovationen das Leben zu erleichtern. Zum digitalen Leben gehört laut Cohen in der heutigen Zeit auch das mobile Internet. „Smartphones machen das Leben jedes Einzelnen ein bisschen besser. Nicht im Hinblick auf ein erfüllteres Leben, jedoch im Hinblick auf die Fülle an Informationen, die so jederzeit schnell zur Hand sind“, so Cohen.

Digital Masterminds: Die Vernetzung der Welt

Weitere Informationen

Digital Masterminds: Die Vernetzung der Welt – Macht und Politik im digitalen Zeitalter
Wikipedia: Jared Cohen

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  1. morgenlage.tagesspiegel.de: Morgenlage Wirtschaft am Freitag, 13. November 2014 | Morgenlage
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