Antenne am Reichstag

Antenne am Reichstag

Zum Jahreswechsel tanzten wieder mehrere hunderttausend Menschen auf Deutschlands längster Partymeile in das neue Jahr. Die etwa zwei Kilometer lange Straße des 17. Juni in Berlin ist seit der Wende eine beliebte Location für Großveranstaltungen. Erstmals über die Grenzen Berlins hinaus bekannt wurde sie zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 – als „Fanmeile“.

Damit die von vielen zehntausend Smartphones auf der Fan- und Partymeile gesendeten und empfangenen Botschaften am Silvesterabend ihren Weg durch das Netz fanden und damit die enormen Datenmengen zum Jahreswechsel bewältigt werden konnten, ist in den vergangenen Monaten weiter in die Netztechnik investiert worden.

So haben die beiden Anbieter Telefónica und Vodafone mit dem technischen Dienstleister SFX-Plan die Mobilfunk-Systemtechnik in ein Industriegebiet außerhalb des Berliner S-Bahn-Rings verlegt. In einer Art „Technikhotel“ werden die ständig benötigten Kapazitäten für die verschiedenen Events in Berlin flexibel verteilt. So ist beispielsweise vorstellbar, zukünftig an einem Tag das Olympiastadion, am nächsten Tag die Straße des 17. Juni und einen Monat später die Messe Berlin mit den nötigen Kapazitäten zu versorgen.

Angebunden über Glasfaser: Zentrale Verteileinheit

RF-Module am "BTS Hotel"

RF-Module am „BTS Hotel“

Das Grundstück im Nordwesten Berlins beheimatet einen großen Sendemast und diente schon bisher als ein Zentralstandort für das Berliner Telefónica-Netz. Aus diesem Grund wurde entschieden, die geographische Lage für den zentralen Aufbau der flexibel einsetzbaren Sendetechnik zu nutzen. Mittelspannungsversorgung, Backboneanbindung und vieles mehr waren entweder bereits vorhanden oder wurden in den vergangenen Monaten ergänzt. Nun steht auf dem Hof nicht mehr nur der Sendemast, sondern seit einiger Zeit stehen hier auch Container. Container mit neuester Technik, in dieser Form weltweit erstmals installiert von der Firma SXF Plan. Die eingesetzte Technik entspricht neuesten Anforderungen und stammt vom Hersteller Cobham Wireless aus Großbritannien, der ein vergleichbares System derzeit in der Metro in Stockholm aufbaut. Cobham Wireless nennt es ein „intelligentes digitales System für verteilte Antennen“, kurz idDAS (engl.: „intelligent digital distributed antenna system“).

Größter Vorteil des Systems aus Sicht der Netzbetreiber: Eine zentrale Master-Verteileinheit erspart den Netzbetreibern den Aufbau separater Units, die Verlegung einer dedizierten Glasfaserstrecke bis zur Fanmeile und die Installation einzelner Antennen vor Ort. Allerdings muss jeder Anbieter für sich dafür Sorge tragen, eine ausreichend schnelle Anbindung des zentralen Standortes zu gewährleisten. Auch, wenn zwischen dem neuen zentralen Technikstandort und der Berliner Partymeile nur wenige Kilometer liegen – die Glasfaserleitung nimmt nicht den direkten Weg dorthin: aufgrund der Tatsache, dass auf bestehende Leitungen zurückgegriffen wird, hat die Glasfaserleitung eine Gesamtlänge von knapp 26 Kilometern. Diese verlaufen quer durch die Stadt, bis sie schließlich an der Siegessäule in einem Technikraum ankommen und auf einem Patchfeld auf die einzelnen Antennenstandorte aufgeteilt werden. Nur für den Sender unmittelbar am Brandenburger Tor kommen noch einmal zwei Kilometer Glasfaserstrecke hinzu. Diese muss das Signal zurücklegen, bis es von der eigentlichen Basisstation zur Antenne gelangt.

Messegelände oder Konzertarena: Kapazitäten flexibel steuern

Antenne an Laterne auf der Fanmeile Berlin

Antenne an einer Laterne auf der Fanmeile Berlin

Sowohl Telefónica als auch Vodafone haben im neuen Technikzentrum 20 LTE- und 20 UMTS-Stationen installiert, die sich auf 27 Antennen verteilen. Die Anlage ist in der Lage, selbstständig zu entscheiden, wie viel Kapazität an welchem Standort anliegen soll. Und dennoch: Trotz des Automatismus kann jeder Netzbetreiber seine Präferenzen individuell einstellen. Für die Zukunft hieße das: Sind mehrere Hot-Spots an die Sender angeschlossen, könnte Telefónica sich beispielsweise entscheiden, die Hälfte seiner Kapazität an einem Tag auf dem Messegelände und die andere am Brandenburger Tor bereitzustellen, während Vodafone an denselben Orten eine Aufteilung von einem Drittel zu zwei Drittel vornimmt.

Möglich ist auch eine völlig dynamische und zugleich automatische Steuerung. Übersehe ein Netzbetreiber beispielsweise ein großes Konzert in einem Stadion, könnte die Anlage die Kapazität automatisch hochfahren, sofern der Netzbetreiber diesen Eingriff im Vorfeld zugelassen hat. Matthias Johannes, bei Telefónica Germany verantwortlich für den Aufbau von Sonderprojekten, berichtet begeistert von dieser neuen Lösung: „Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit Vodafone und SFX Plan einen intelligenten Weg gefunden haben, um den heutigen Anforderungen an ein hochleistungsfähiges Netz gerecht zu werden. Oftmals sind paradoxerweise gerade die Teile eines Mobilfunknetzes über längere Zeit ungenutzt, die die meiste Kapazität bereitstellen – so beispielsweise in Stadien oder großen Messehallen. Mit diesem neuen System können wir jetzt diese Kapazitäten erstmals sehr flexibel steuern.“

Weitere Informationen:

Das O2 Mobilfunknetz: www.o2.de/netz

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