Steven Hill

Darf man eine Technologie verbieten, weil sie Arbeitsplätze zerstört? Diese provokante Frage stellte Steven Hill, bekannter Buchautor und Kritiker der Sharing Economy, den Gästen im Telefónica BASECAMP am vergangenen Mittwoch direkt zu Beginn. Bei dem Sharing Modell geht es nach der Idee des Teilens darum, sich als Nachfrager kein Eigentum zu verschaffen, sondern vorübergehend Dinge zu benutzen, zu bewohnen oder zu bewirtschaften.

Für den Anbieter bedeutet das zum Beispiel, dass eigene Auto oder die Wohnung vorübergehend mit anderen zu teilen und das füllt nicht nur die eigene Geldbörse, sondern spart auch Ressourcen und hilft, Sachen effizienter zu gebrauchen. Das Motto der Branche „sharing is caring“ bringt viele Vorteile für den modernen, individuellen Lebensstil. Eine Vielzahl von Möglichkeiten stehen offen, ohne, dass man sich an Eigentum binden muss. Das kann im Fall von Carsharing sogar nicht nur Kosten sparen, sondern ist, so die Hoffnung, auch gut für den Umweltschutz. Weniger eigene Autos bedeuten weniger Verkehr. Laut Hill haben diese speziellen Unternehmensmodelle aber auch eine Kehrseite: Die Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt sind drastisch.

Wie sich unsere Arbeitswelt verändert

Telefonica Digital MastermindsIn der Reihe Digital Masterminds, die diesmal in Kooperation mit der American Academy in Berlin stattfand, diskutierte Hill mit dem Journalisten und WIRED-Autor Lars Gaede über die immer schnellere Veränderung der Arbeitswelt durch neue Technologien. Das Publikum im Basecamp verfolgte die Diskussion aufmerksam, aber auch mit kritischen Fragestellungen. So war der Hashtag #DigiMinds auch bei diesem Event wieder einer der meist getwitterten in Deutschland.

Hill betonte einerseits, dass er kein Gegner des technologischen Fortschritts sei. Im Gegenteil, er verweist auf die Vorteile der digitalen Transformation und die daraus entstehenden neuen Geschäftsmodelle. Allerdings, so die Mahnung Hills, gehe mit den neuen Technologien oft auch eine „deutliche Verschlechterung der Arbeitsbedingungen“ einher.

Was passiert, wenn Algorithmen Menschen ersetzen?

Steven HillKritisch sieht Hill die Entwicklungen in der Robotertechnologie und bei künstlicher Intelligenz. Das erklärte Ziel vieler Silicon Valley-Unternehmer sei, möglichst wenig Mitarbeiter zu beschäftigen. „Sie brüsten sich damit, Menschen durch Algorithmen zu ersetzen“, kritisiert Hill. Außerdem gäbe es für die Mittelschicht in den USA heute kaum noch Jobalternativen. Eine Entwicklung, die sich seiner Meinung nach weiter verschärfen wird. 1,6 Millionen Amerikaner arbeiten heute als Lastwagenfahrer, rechnet Hill vor. Was passiert mit den Menschen und ihren Arbeitsplätzen, wenn es künftig selbstfahrende LKW gibt? In seinem neuen Buch, mit dem er eine Debatte in den USA angestoßen hat, kommt Hill zu einem klaren Urteil: „Raw Deal“ lautet der Titel – auf Deutsch etwa: „Über den Tisch gezogen“.

Trotz aller Mahnungen waren sich Steven Hill und Moderator Lars Gaede einig, dass nicht der technologische Fortschritt das Problem sei, sondern der Umgang der Gesellschaft mit den neuen Herausforderungen. Jeder einzelne habe außerdem im Griff, ob oder wie er die Dienste der Sharing Economy nutze: „Der erste Schritt ist, dass die Kunden aufgeklärt werden.“

Weitere Informationen:

Telefónica BASECAMP: Job-Maschine oder Digitale Ausbeutung?
Website: Telefónica Basecamp

Fotos: Christian Klant

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