Markus Haas

Markus Haas, Chief Operating Officer (COO)

„Operational Excellence in der digitalen Transformation – Was Startups und Konzerne voneinander lernen können“ war das Thema des Startup-Talks mit Telefónica Deutschland COO Markus Haas, Finn Age Hänsel (Managing Director Movinga) und Laura Kohler (CEO European Innovation Hub) im Telefónica BASECAMP. Eine Erkenntnis der Diskussion: So weit liegen die Welten von Konzernen und Startups doch nicht auseinander, wie es Klischees vermuten lassen. Denn auch Großunternehmen wie Telefónica mit rund 10.000 Mitarbeitern fördern digitale Arbeitsweisen, und junge Unternehmen müssen sich andererseits früher oder später mir Strukturen beschäftigen.

Auch Telefónica Deutschland hat einmal als Startup begonnen. Markus Haas startete 1998 als einer der ersten 1000 Mitarbeiter bei Viag Interkom, später O2. Markus Haas erinnerte sich im Telefónica BASECAMP in Berlin an das exponentielle Wachstum der kleinen Firma. Auf diese Wurzeln besinnt sich Telefónica Deutschland nun wieder mit Blick auf agile und dynamische Arbeitsweisen, wie sie charakteristisch für Startups sind.

Die Aufzeichnung vom Mittwoch Abend

Startups haben es heute leichter

Twitter CollageDas Umzugs-Startup Movinga steckt in dieser Wachstumsphase, die Viag Interkom noch in der ersten Welle des Startup-Booms erlebt hat. Das Startup bedient den fragmentierten und wenig digitalen Umzugsmarkt. „Wir wollen den Schmerz aus der Umzugserfahrung nehmen und nutzen dafür die digitalen Möglichkeiten„, beschreibt Finn Age Hänsel die Vision des Startups.

Der Fortschritt der Digitalisierung spielt heutigen Gründern in die Karten. „Manchmal bin ich etwas neidisch. Wenn ich an die ersten Jahre von Viag Interkom zurückdenke, hatten wir es deutlich schwerer als die Startups heute. Mit einer Online-Registrierung für ihr Produkt haben Startups jetzt sämtliche Kundendaten auf einen Schlag.“ Und auch Hänsel sieht heute einen Vorsprung zu den Anfängen der digitalen Jungunternehmen: Gründer seien heute viel erfahrener als noch vor fünf Jahren – der Trend gehe zu Seriengründern. „Mittlerweile haben viele bereits Startups aufgebaut und wieder verkauft. Sie dienen oft als Business Angels an der Seite neuer Gründer.“

Auch Unternehmen wie das European Innovation Hub tragen dazu bei, dass Startups heute schneller Fuß fassen. Laura Kohler berät sie in ihrer Gründungsphase. „Startups stehen zunächst vor drei Hürden: Sie brauchen eine klare Sales-Strategie und müssen ihre Kunden kennen lernen. Außerdem brauchen sie Struktur: Marketing, Vertrieb und ein funktionierendes Team. Und nicht zuletzt müssen sie Geschwindigkeit aufnehmen.“

Startup-Talk

Keine Angst vor Fehlern

Geschwindigkeit, eine Fehlerkultur, die Freiheit zum Gestalten – genau das würde großen Unternehmen fehlen, da sind sich Hänsel und Kohler einig. „Ein Startup kann von heute auf morgen aufgrund der Kundenreaktion seine Strategie um 180 Grad drehen. Im Konzern geht das nicht so leicht.“

Laura Kohler hat im Konzern zudem die Erfahrung gemacht, dass zu oft eindeutige Beweise für den Erfolg einer Idee vom Vorstand eingefordert werden. In einer frühen Phase seien eindeutige Indikatoren für den Erfolg oder Misserfolg aber nicht vorhanden. „Lieber werden Ideen im Keim erstickt, als ein Risiko zu tragen“, beschrieb sie im Startup-Talk ihre häufig gemachte Erfahrung.

Dass hier mitunter Potentiale nicht erkannt werden, war unbestritten. Dabei würde es vielen Unternehmen nicht schaden, frühzeitig Produkte am Markt zu testen – nicht erst, wenn sie fertig sind. „Junge Unternehmen sind viel häufiger in Beta“, stellte Markus Haas fest.

Telefónica etabliert Startup-Kultur in neuen Geschäftsfeldern

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Startup-Talk im Telefonica-BASECAMP mit Markus Haas

Telefónica Deutschland ist schon heute kein traditionelles Unternehmen mehr. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Leading Digital Onlife Telco zu werden. Dazu gehört ein neues, schlankes und datengetriebenes Geschäftsmodell auf Basis unserer Vision“, erläutert Markus Haas. Zwei wesentliche Rohstoffe bilden die Basis dieser Vision: Konnektivität und Daten. Damit erschließt Telefónica Deutschland neue Geschäftsfelder und vereint dafür die Mentalität von Startups mit der Erfahrung der Konzernwelt.

„Wir siedeln die neuen Geschäftsfelder der Zukunft, Advanced Data Analytics und Internet of Things, bewusst abseits des Kerngeschäfts in kleinen agilen Teams an. Das ist wie bei jungen Pfalzen. Wir müssen sicherstellen, dass sie sich frei entwickeln und wachsen können.“ Markus Haas betont, dass die Teams großen Gestaltungsfreiraum und gleichzeitig die volle Unterstützung des Vorstands bekommen. „Die Geschäftsfelder sind für alle neu. Deshalb müssen die Kollegen Ideen ausprobieren dürfen, auch wenn vielleicht nicht jede davon funktionieren wird. Diese Freiheit und der Erfahrungsgewinn helfen uns in jedem einzelnen Fall.“

Agilere Arbeitsweisen sind auch im Kerngeschäft wichtig

Startup-Talk-11052016-Telefonica-BASECAMP-0320-1280x720Aber auch im Kerngeschäft geht Telefónica neue Wege. Als Beispiel für neue und digitale Arbeitsweisen nennt Markus Haas das Digital Command Center, in dem Mitarbeiter den Markt in Echtzeit transparent auf großen Flatscreens selbst analysieren können. Das passiert abteilungsübergreifend ohne Silodenken, dafür ganz nah an den Bedürfnissen der Kunden. „Mit dem Digital Command Center geben wir den Mitarbeitern die Daten zurück. Statt nur Reports anzusehen, sollen sie in Zukunft selbst Daten analysieren können und daraus Entscheidungen treffen.“ Finn Age Händel und Laura Kohler bewerten die Entwicklung von Telefónica positiv. Speed, Freiheit, Mut und Leidenschaft – das seien die Kernelemente, die sich auch andere Konzerne von Startups abschauen sollten.

Fotograf: Hendrik Andree

Weitere Informationen

Website: Telefónica Basecamp
Startup-Talk: Auch Telefónica Deutschland fing klein an

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