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Günther Oettinger (re.) und Georg Polzer (li.)

Welches Gewicht hat die Digitalisierung, während die Finanz- und Flüchtlingskrise Europa fest im Griff haben? „Ein Großes!“ war die klare Antwort auf dem UdL Digital Talk im Telefónica BASECAMP. Der EU-Kommissar für die Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger, diskutierte mit Georg Polzer, dem Gründer und CEO des Startups für smarte Datenanalyse Teralytics AG, über die nötigen Voraussetzungen, damit Europa einen Spitzenplatz in der digitalen Welt besetzen wird. Oberste Priorität – da waren sich beide einig – haben ein digitaler europäischer Binnenmarkt und Investitionen in die digitale Infrastruktur, in eine auf Digitalisierung ausgerichtete Bildungspolitik und in natürlich in die Startup Branche.

„Die digitale Revolution kann nur gemeinsam mit allen Europäischen Ländern gelingen!“, betonte Günther Oettinger auf dem 38. UdL Digital Talk in Berlin. Themen wie Dateneigentum und -nutzung müssten auf europäischer Ebene geklärt werden. Nur so könnten die Daten über Grenzen hinweg genutzt werden. Das Europäischen Parlament und auch die 28 Mitgliedsstaaten der Union seien bereit, den digitalen Binnenmarkt Realität werden zu lassen, so Oettinger optimistisch. Diese Entwicklung unterscheide sich maßgeblich von der aktuellen Tendenz einiger Länder, sich angesichts der Flüchtlingskrise abzuschotten.

Deregulierung für fruchtbare Digitalbranche

Statt für mehr Regeln trat Oettinger für eine Deregulierung in Europa ein, die auch Georg Polzer befürwortete. Sein junges Unternehmen ist Spezialist für die Analyse anonymer Mobilfunkdaten und gewinnt daraus wertstiftende Informationen über Bewegungsströme und Interessen der Bevölkerung. Seiner Ansicht nach sind nicht die großen Konzerne der Wachstumsmotor für die Digitalisierung, sondern die jungen digitalen Startups. „Zu starke Regulierungen im Kampf gegen die großen Facebooks und Googles dieser Welt zerstören die zarten europäischen Startup-Pflänzchen im Keim“, betont der junge Gründer.

Eine europäische Lösung sieht Oettinger in einer Behörde für den Datenraum Europa, die der Ansprechpartner für alle Unternehmen ist. Er geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir brauchen ein digitales BGB. Die Frage ist, ob der Bundestag bereit ist, Fragen von digitalem Eigentum zu europäisieren anstatt sie im nationalen Recht zu behalten.“

Geld in die Hand nehmen für digitale Infrastruktur, Bildung und Startups

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Günther Oettinger

Neben europaweiten Standards für Technik, Datenschutz und Urheberrecht brauche es auch verstärkt Investitionen. Laut Oettinger dürfe Deutschland nicht nur für die Rente mit 63 oder Betreuungsprämie konsumieren, sondern müsse investieren. Notwendig sei vor allem eine digitale Infrastruktur. „Wir dürfen in Zukunft über Schlaglöcher fahren, aber nicht mehr durch Funklöcher. Die digitale Infrastruktur, wie der Ausbau von Breitband, muss Priorität haben“, so Oettinger.

Eine bessere Ausbildung, die die Menschen auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet, steht für Oettinger zudem oben auf der Agenda. Er forderte, dass Schulen einen größeren Schwerpunkt auf die Persönlichkeitsentwicklung legen. „Die digitale Welt braucht nicht nur Softwareentwicklung, sondern vor allem auch kreative Köpfe„, betont Oettinger. Deshalb seien kreative Fächer wie Musik und Kunst besonders wichtig.

Investitionen forderte Georg Polzer auch in die Startup-Förderung. Bisher werde in Europa „nur mit der Gießkanne gefördert“. Er vermisse ein „digitales Manhattan-Project“, damit sich die junge und kreative Digitalbranche in Europa entwickeln und auch halten kann. Oettinger hält mit Blick auf digitale Startups die Aktivierung öffentlichen und privaten Kapitals für notwendig. Zur Freude Polzers kündigte der Kommissar an, dass er eine „Verdoppelung und Verdreifachung“ der Mittel für EU-Förderinstrumente „in den nächsten Jahren“ anstrebe.

Eine andere Kultur ist gefragt – mehr Mut zum Scheitern

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Georg Polzer

In vielen europäischen Städten gibt es eine lebendige Start-Up-Szene. Auch in Berlin entstehen neue Geschäftsmodelle. Doch die ganz große Nummer ist noch nicht entstanden. Laut Oettinger sei nicht nur Geld sondern auch eine neue Kultur erfolgsentscheidend. Statt vor neuen Geschäftsmodellen Angst zu haben, sollten die nächsten WhatsApps in Europa gegründet werden, betont auch Polzer.

Oettinger kritisierte die fehlende Kultur des Scheiterns in Deutschland. „Es bedarf bei Startups mehr Mut und ein Umfeld, das Scheitern und einen Neuversuch zulässt. Auch auf Seiten der Banken“, so der EU-Kommissar. Banken bräuchten dafür neue Bewertungskompetenzen für digitale Geschäftsmodelle.

„Die Telekommunikationsunternehmen sind unsere Googles, Apples und Facebooks“

Die gesellschaftlichen Herausforderungen der Zukunft sind ohne digitale Technologien nicht lösbar. Die Telekommunikationsbranche trägt maßgeblich dazu bei, dass diese digitale Zukunft Wirklichkeit wird. Dem stimmte auch die Diskussionsrunde zu.

Neben der Bedeutung digitaler Startups hob Günther Oettinger im UdL Talk die Rolle der Europäischen Telekommunikationswirtschaft bei der Digitalisierung hervor: „Die Telekommunikationsunternehmen sind unsere Googles, Apples und Facebooks“. Die europäische Regulierung der Branche müsse den Unternehmen dabei aber auch die Möglichkeit lassen, Gewinne zu erwirtschaften. Nur so könnten sie in die Infrastruktur der Zukunft investieren.

Telefónica Deutschland gestaltet die digitale Zukunft maßgeblich mit

Telefónica Flaggen vor der E-Plus ZentraleAls größter Mobilfunkanbieter Deutschlands mit mehr als 43 Millionen Kunden bietet Telefónica Deutschland eine wichtige Grundlage für die Digitalisierung: Konnektivität und Datenanalyse. Aus der systematischen Analyse nicht personenbezogener, anonymisierter Informationen ergeben sich viele Chancen für Menschen, Gesellschaft und Wirtschaft – von Mobilität und Gesundheit über den privaten Konsum bis zur öffentlichen Verwaltung.

Darüber hinaus arbeitet Telefónica Deutschland zusammen mit Partnern an Lösungen für die Vernetzung von Geräten, Maschinen und Fahrzeugen. Telefónica treibt die Entwicklung des Internets der Dinge branchenübergreifend voran. So trägt das Unternehmen dazu bei, dass Deutschland und Europa eine führende Rolle in der digitalen Revolution übernehmen.

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Der Veranstaltungsort: Basecamp
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