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Kevin P. Hoffmann, Head of the Business Section, Der Tagesspiegel
und Rachel Empey, (CFO) der Telefónica Deutschland Holding AG

Zukäufe und Zusammenschlüsse sind für Unternehmen ein Schlüsselinstrument, um sich in einem zunehmend digitalisierten Markt behaupten zu können. Diese Strategie erklärte Telefónica Deutschlands Finanz- und Strategievorstand Rachel Empey Studenten der Berliner European School of Management and Technology anhand ihres eigenen Unternehmens.

Digitalisierung verändert die Welt – sie ist eine Revolution, der sich keine Branche widersetzen kann“, sagte Empey in ihrer Rede am Dienstag in den historischen Räumen des ehemaligen Staatsratsgebäudes der DDR. „Man muss sich fragen, ob man den Wandel von sich aus schnell genug gestalten kann. Oft sind Zukäufe ein Werkzeug, um langfristig im Wettbewerb mithalten zu können.“

Digitalisierung als Herausforderung und Chance

Der Siegeszug von Internetunternehmen und Betreibern digitaler Plattformen habe seit den 1990er Jahren zahlreiche traditionelle Industrien durcheinandergewirbelt und ehemalige Marktführer gestürzt, sagte die Britin. Auch vor der Telekommunikationsbranche mache diese Entwicklung nicht halt. Ein wachsender Anteil der über das Internet generierten Umsätze werde von Unternehmen geschaffen, die weder Infrastruktur bauten noch für ihre Nutzung bezahlten. In der Konsequenz werde es für Telekommunikationsunternehmen schwieriger, aus ihren Einnahmen den von Kunden und Politik geforderten Netzausbau zu finanzieren – eine nicht nachhaltige Situation, so Empey.

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Rachel Empey

Anhand der Unternehmensbewertung durch Anleger lasse sich die Diskrepanz zwischen Infrastrukturanbietern und Anbietern digitaler Dienste leicht erkennen. So generierten erstere zusammengenommen im letzten Jahr zwar 4,7 Mal so hohen Cashflow aus ihrer Geschäftstätigkeit wie letztere, ihr Unternehmenswert lag aber nur 1,9 Mal höher. Besonders am Beispiel Europa zeige sich, dass Unternehmen meist zu klein seien, um neben den Herausforderungen eines intensiven Wettbewerbs und einer Vielfalt an Regulierern auch die Digitalisierung zu meistern, sagte Empey.

Folglich sei Konsolidierung eine Strategie, die vielen Unternehmen nicht nur das längerfristige Überleben sichert. Laut Empey geht es um mehr als das: Sie eröffne ihnen auch völlig neue Geschäftsmodelle. Sowohl traditionelle Branchen wie die deutsche Automobilindustrie mit dem Kauf des digitalen Kartografie-Spezialisten Here als auch digitale Größen wie Facebook mit dem Kauf des Kommunikationsdienstes WhatsApp haben ihr Geschäftsmodell in letzter Zeit mit Zukäufen ergänzt.

„Zukäufe können ein sehr schnelles Mittel sein, um an der Konkurrenz vorbeizuziehen – sofern man das richtige Unternehmen zum richtigen Zeitpunkt und zum richtigen Preis erwirbt“, sagte Empey.

Antrieb durch Kauf von E-Plus

Telefonica FlaggenTelefónica Deutschland selbst hat diese Logik mit dem Kauf von E-Plus bereits in die Tat umgesetzt. Der Zusammenschluss der dritt- und viertgrößten Anbieter im deutschen Mobilfunkmarkt sorge laut Empey nicht nur für Einsparungen und größere Kapazitäten für Netzinvestitionen. Er erlaube es dem Unternehmen auch, mit seinen Kompetenzen aus der Übertragung, dem Management und der Analyse von Daten in neue, digitale Geschäftsfelder vorzustoßen, sagte der Finanzvorstand.

Die riesigen Datenmengen aus dem Netzbetrieb würden in Zukunft immer systematischer durchleuchtet, um zum Beispiel Verkehrsströme effizienter zu lenken. Darüber hinaus werde das Unternehmen helfen, die Milliarden an Endgeräten zu verknüpfen, die das häusliche Leben genauso wie industrielle Fertigung erleichtern werden.
Hieraus ließen sich zunehmend auch neue Umsatzquellen erschließen, so Empey: „Digitalisierung und Technologie werden unser Betriebsmodell fundamental verändern“.

Weitere Informationen

ESMT Open Lectures mit Rachel Empey
Management der Telefónica Deutschland Holding AG

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