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Das Interview mit Thorsten Dirks in der Wirtschaftswoche

In einem Interview mit der Wirtschaftswoche spricht Thorsten Dirks, CEO von Telefónica Deutschland, über den Kundenwunsch nach Entspannung und darüber, wie sich Telefónica für die Digitalisierung aufstellt.

Herr Dirks, seit der Übernahme von E-Plus hat Telefónica zwar die meisten Mobilfunkkunden, beim Umsatz hinken Sie aber hinter der Deutschen Telekom und Vodafone her. Wie wollen Sie diesen Rückstand aufholen?

Dirks: Unsere bisherige Bilanz sieht gar nicht so schlecht aus. Die meisten Unternehmen sind ein oder zwei Jahre nach so einer Fusion mit sich selbst beschäftigt. In diese Falle sind wir nicht getappt. Wir haben keine Kunden verloren und im operativen Geschäft deutlich zugelegt.

Sie haben einen bunten Strauß unterschiedlichster Produkte und Marken. Mit welchen wollen Sie denn in Zukunft Kunden und Umsätze gewinnen?

Dirks: Klammern wir mal den Markt mit vorausbezahlten Prepaid-Karten aus. Dort werden wir weiter mit Partnern zusammenarbeiten, zum Beispiel Aldi und Tchibo. Der Prepaid-Markt hat ein Volumen von vier Milliarden Euro und läuft auch wirklich gut. Genauer schauen wir uns gerade den viel größeren Markt für Vertragskunden an, der ein Volumen von rund 14 Milliarden Euro hat.

Was ändern Sie bei den Vertragskunden?

Dirks: Zwei Drittel der Deutschen sind Stammkunden bei einem der drei Mobilfunknetzbetreiber und haben diesen noch nie gewechselt. Diese Kunden geben 30, 40 oder 50 Euro pro Monat aus und bekommen dafür ein Datenpaket mit einer harten Volumengrenze. Mit unserem neuen Tarifmodell „O2 Free“ ändern wir das. Die letzte große Sorge der Mobilfunknutzer ist, dass ihr Datenvolumen plötzlich verbraucht ist und ihr Anbieter ihnen den Datenstrom weitgehend kappt. Bei uns kann der Kunde künftig endlos weitersurfen und Nachrichten teilen. Wir geben den Kunden endlich Sorglosigkeit in ihrem digitalen Alltag.

Thorsten Dirks

Thorsten Dirks

Das hört sich so an, als wollten Sie sich von der Billigstrategie verabschieden und den Umsatz mit höheren Tarifen steigern?

Dirks: Wir werden beide Segmente bedienen. Wir wollen den Kunden mehr geben und dafür auch mehr haben. Unser neuer Tarif zielt darauf ab, aus unserem Kundenbestand mehr Wert und damit höhere Umsätze zu generieren. Wenn ich Ihnen ein Angebot unterbreite und dafür ein paar Euro zusätzlich von Ihnen verlange, dann funktioniert das aber nur, wenn Sie das Angebot auch gebrauchen können.

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Ist Telefónica denn schon auf solch eine umfassende Digitalisierung vorbereitet?

Dirks: Das ist kein einfacher Prozess. Im Zuge unserer Fusion stellen wir das Unternehmen komplett digital auf. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Seit einigen Wochen können alle Mitarbeiter über eine Anwendung in Echtzeit auf alle Unternehmensdaten zugreifen.

Wirklich? Es gibt kein Herrschaftswissen?

Dirks: So ist es. Jeder Mitarbeiter hat einen webbasierten Zugriff auf alle Unternehmensdaten. Früher habe ich als Chef eine Anfrage an Mitarbeiter geschickt: Ich wüsste gerne, ob sich unsere Tarife in Gebieten mit guter Netzabdeckung besser verkaufen. Bitte auf Postleitzahlen herunterbrechen. Alle sind losgelaufen, haben einen Report geschrieben, der dann nach drei Monaten auf meinem Schreibtisch lag. Ich habe mir das angeguckt und Schlussfolgerungen gezogen. Heute kann jeder Mitarbeiter, auch die in unseren Shops, solche Abfragen auf seinem Bildschirm starten und bekommt unmittelbar das Ergebnis.

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Aber warum gehen Sie so ein Risiko ein? Die Daten könnten auch in fremde Hände fallen.

Dirks: Weil ich dadurch etwas fördere, was ich im Unternehmen immer haben wollte. Die Entscheidungen sollen an den Stellen fallen, wo es am effektivsten ist. Und das ist beim Mitarbeiter. Das schafft Herrschaftswissen ab. Das verwirrt Führungskräfte. Die Herausforderung ist mir bewusst. Der Mitarbeiter kann jetzt besser informiert sein. Denn er hat Zugriff auf die gleichen Daten. Und dann zieht er daraus Schlussfolgerungen, an die sein Chef noch gar nicht gedacht hat. Das macht letztlich alle stärker.

Weitere Informationen

Das vollständige Interview zum Nachlesen steht in Ausgabe 39/16 der Wirtschaftswoche, erschienen am 23. September 2016 sowie online und als Zusammenfassung auf wiwo.de .
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