Ulrich Irnich (Foto: Jan Zappner CC BY 2.0)

Ulrich Irnich (Foto: Jan Zappner CC BY 2.0)

Der Einsatz von Robotern, künstlicher Intelligenz und neuen Datenanalyseverfahren verändert die Arbeitswelt. Computer können heute schon Ärzte bei ihrer Diagnose unterstützen, einfache Texte für Journalisten schreiben oder juristische Akten für Anwälte durchforsten. Wie müssen sich Unternehmen darauf einstellen? Welche Rollen übernehmen künftig Menschen und welche Maschinen? Diese und viele weitere Fragen diskutieren am 25. Oktober 2016 Experten im Telefónica BASECAMP in Berlin unter dem Motto „future.work – Wie die künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt revolutioniert“. Einer der Experten ist Ulrich Irnich. Wir haben vorab mit ihm über die Digitalisierung der Arbeitswelt bei Telefónica Deutschland gesprochen.

Als Director Simplification & Transformation bei Telefónica Deutschland treibt Ulrich Irnich täglich die Vereinfachung und digitale Transformation im Unternehmen voran. Mit seinem Team macht Irnich komplexe Systeme im Unternehmen einfacher, stößt die Digitalisierung von internen Prozessen an und sorgt so dafür, dass Telefónica Deutschland an Geschwindigkeit zulegt. Das bedeutet auch, dass smarte Software immer mehr Aufgaben erledigt. Arbeit 4.0 hat Einzug gehalten.

Herr Irnich, heute noch Director, morgen vielleicht schon durch künstliche Intelligenz ersetzt. Haben Sie keine Angst um Ihren Job?
Nein, ich habe keine Angst vor künstlicher Intelligenz. Im Gegenteil: Sie nimmt mir hoffentlich bald viel unliebsame Arbeit ab. Das fängt schon bei Reportings an: Ich muss mich in Zukunft nicht mehr durch dicke Stapel an Dokumenten durcharbeiten, sondern sehe digital am Bildschirm alles Wichtige auf einen Blick. Und der Computer macht mir auch direkt einen Entscheidungsvorschlag. Damit bleibt mir viel mehr Zeit für andere, kreative Aufgaben. Das klingt ein wenig nach Science Fiction, aber genau so läuft es in Teilen unseres Unternehmens bereits ab. In unserem Alltag nehmen wir kleine, digitale Helferlein ja auch schon in Anspruch: Zum Beispiel durch Fotoerkennung oder Sprachassistenten.

Wo genau ist bei Telefónica Deutschland die künstliche Intelligenz bereits am Werk?

Digital Collaboration Center

Digital Collaboration Center

Nehmen wir das Digital Collaboration Center in Düsseldorf und München. Die Kollegen des Online-Vertriebs sehen auf einen Blick und nahezu in Echtzeit, welche Shops und Angebote gut laufen, was der Wettbewerb so macht und wo sie nachsteuern müssen. Millionen von Datensätze werden durchforstet und helfen uns in der schneller werdenden Welt zielgerichtet Entscheidungen zu treffen.

In anderen Fällen ist der Austausch mit Kollegen elementar: Hierfür haben wir das DigitalBrain eingeführt. Den passenden Ansprechpartner unter tausenden Menschen zu finden, war früher oft eine Herausforderung. Heute stelle ich einfach eine Frage in das System und bekomme umgehend Rückmeldung. Denn das System findet auf Basis eines Algorithmus selbst den richtigen Experten im Unternehmen. Und das fördert trotz aller Digitalisierung den Austausch zwischen den Menschen.

Was kann der Mensch, was die Maschine nicht kann?
Die Digitalisierung darf nur einen Zweck haben: Sie muss dem Mensch dienen. Es geht also nicht um Mensch oder Maschine. Es geht um die richtige Verbindung von „Mensch“ und „Maschine“. Das entscheidende Kapital der Digitalisierung ist ohnehin menschlich. Denn wir Menschen haben klare Vorteile gegenüber der Maschine: Initiative ergreifen, Beziehungen aufbauen, Empathie empfinden, oder Mut fassen. Ich könnte die Liste noch eine Weile fortsetzen. Deshalb ersetzen digitale Tools keine Mitarbeiter. Sie dienen vielmehr als Hilfsmittel, immer bessere Lösungen zu entwickeln. Die finale Entscheidung muss aber immer ein Mensch treffen. Denn schlussendlich tragen wir die Verantwortung.

Das klingt einfach, in der Umsetzung stellt die Digitalisierung Unternehmen aber auch vor große Herausforderungen. Was ist das Rezept von Telefónica Deutschland?
Der Zusammenschluss mit E-Plus war der ideale Zeitpunkt, um jeden Stein umzudrehen. Wir haben seither unsere Prozesse radikal vereinfacht und digitalisiert. Wir wollen die Onlife Telco werden, damit unsere Kunden von den digitalen Möglichkeiten ganz nach ihren Wünsche und Bedürfnissen profitieren können. Das funktioniert aber nur mit einem schlanken und datengetriebenen Geschäftsmodell. Bereits zwei Jahre nach Beginn unserer digitalen Transformation sind wir schon kein traditioneller Konzern mehr.

Wie schafft es Telefónica Deutschland bei dem vielen Wandel, die Mitarbeiter mitzunehmen?

Integriert in das Intranet: Digital Brain

Integriert in das Intranet: Digital Brain

Wie bei allen Unternehmen dieser Größe passiert so ein Kulturwandel natürlich nicht über Nacht. Unser Arbeitsalltag war häufig geprägt von Silo-Denken und einem allenfalls begrenzten Austausch. Diese Unternehmenskultur haben wir schrittweise verändert. Wir setzen heute viel mehr auf projektorientiertes Arbeiten über Abteilungsgrenzen hinweg.

Digitale Werkzeuge und künstliche Intelligenz sind fester Bestandteil unserer Arbeit. Sobald die Mitarbeiter selbst die Erfahrung machen, dass die Digitalisierung ihren Arbeitsalltag erleichtert und interessanter macht, stehen sie auch hinter diesem Wandel. Hier sind die Führungskräfte gefragt. Sie müssen den digitalen Wandel vorleben.

Auf was müssen sich die Führungskräfte noch einstellen?
Die Führung ändert sich fundamental. Denn die Digitalisierung demokratisiert Unternehmen. Es gibt kein Herrschaftswissen mehr. Alle Mitarbeiter können alles wissen und direkt handeln. Eine solche Transparenz gab es noch nie. Führen über Hierarchie funktioniert deshalb nicht mehr. Führungskräfte müssen stattdessen Freiräume für Kreativität schaffen, aber gleichzeitig Zielerreichung fordern, schnelle Rollenwechsel vornehmen und berechenbar bleiben. Klingt komplex und das ist es auch. Auch ich muss mich jeden Tag wieder in diese Rolle einfinden. Auch meine Entscheidungen werden von meinen Mitarbeitern hinterfragt. Aber das hält wach. Und es lohnt sich.

Vielen Dank an Ulrich Irnich für das Gespräch. Mehr Meinungen zu dem Thema hören Sie am 25. Oktober im Telefónica BASECAMP in Berlin.

Weitere Informationen:

Jetzt anmelden: future.work am 25. Oktober 2016 im Telefónica BASECAMP (Berlin)
Mensch, Maschine!: Interview mit Carl Frey für unser Event mit WIRED

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