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Thorsten Dirks, CEO von Telefónica Deutschland (re.)

In der anstehenden Phase der Digitalisierung geht es um komplexe Prozesse und industrielle Anwendungen – Stichwort „Industrie 4.0“. Für Telefónica Deutschland-CEO Thorsten Dirks hat die deutsche Wirtschaft deshalb gute Chancen, in der digitalen Transformation künftig eine globale Führungsrolle zu übernehmen.

„Wir bewegen uns weg vom Konsumenten-Internet hin zum industriellen Internet“, sagte Dirks auf dem Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung in Berlin. Allerdings: Auch die USA und China kämpfen darum, bei der globalen Digitalisierung an der Spitze zu stehen.

Wie muss sich die deutsche Wirtschaft in der digitalen Welt aufstellen?
„Deutschland, China, USA – wer gewinnt im Kampf um die Digitalisierung?“, lautete der Titel der Podiumsdiskussion zwischen Dirks und dem CEO des führenden Roboterherstellers Kuka, Till Reuter. Die Moderation übernahm der SZ-Wirtschaftschef und Buchautor Marc Beise. Dabei wurde gleich zu Beginn klar, dass für eine Exportnation wie Deutschland Abschottung keine Option ist. Um in einer zunehmend digitalisierten Welt erfolgreich zu sein, müssten Unternehmen sich dem digitalen Wettbewerb stellen und „globale Kompetenzen kombinieren“, sagte Reuter.

„Digital Hubs“ als Brückenschlag zwischen Startups und Konzernen

sz-wirtschaftsgipfel-2016-1280x720-7195Dabei verfügen Deutschland und Europa nach Ansicht von Dirks über die richtigen Voraussetzungen: „Wir haben genügend Leitindustrien“, die weltweit erfolgreich sind, betonte Dirks. Die Aufgabe sei nun, diese Branchen bei der Digitalisierung zu unterstützen. Künftig werde beispielsweise nicht mehr das Spaltmaß der Karosserie oder die PS-Leistung über den Erfolg eines Autos entscheiden, sondern welche digitalen Technologien in dem Fahrzeug verbaut sind. Hier sind kleinere Unternehmen und Startups oft weiter. „Wir brauchen einen Brückenschlag zwischen Startups und großen Unternehmen“, forderte der Telefónica Deutschland-CEO.

Die Bundesregierung hat deshalb zusammen mit dem Branchenverband Bitkom die Initiative „Digital Hubs“ gestartet. In zunächst fünf Städten werden sogenannte Hubs eingerichtet, in denen Startups, Mittelständler und Großunternehmen mit Forschungseinrichtungen und Kapitalgebern an einem Ort zusammenarbeiten können. Dabei werden den Hubs einzelnen Industrien zugeordnet – in München ist der Schwerpunkt beispielsweise Mobilität, in Hamburg Logistik. Die Hubs sollen auch international beworben werden. „Ich würde mir wünschen, wenn junge Menschen – egal wo auf der Welt – künftig beim Thema Mobilität an München denken“, sagte Dirks, der auch BITKOM-Präsident ist. Statt ins Silicon Valley könnten digitale Talente in Zukunft dann eben auch „ins Altmühltal pilgern“.

Mechatronik trifft auf Datenwelt

sz-wirtschaftsgipfel-2016-1280x720-7236Auch für die Robotertechnik eröffne die zunehmende Digitalisierung der Industrie große Chancen, sagte Reuter. Im Mittelpunkt stehe künftig die Kombination aus „Mechatronik und IT“, so der Kuka-Chef. Grundlage seien auch hier Daten, wie Dirks ergänzte. „Warum wird künstliche Intelligenz wieder ein Thema? Weil wir heute die Daten haben“, so Dirks. Auf einen Quadratmeter Produktionsmaschinen würden heute rund 25 Sensoren verbaut werden. Künftig rechnen Branchenexperten mit bis zu 1000 Sensoren. Aus dieser Masse an Daten ließen sich „neue Erkenntnisse und neue Produkte“ ableiten.

Datenschutz „Made in Germany“

Das Thema Datenschutz, das wurde in der Diskussion klar, wird dabei auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. „Personenbezogene Daten müssen sicher und geschützt sein“, betonte Dirks. Egal ob und wie Daten genutzt werden, müsse man als Einzelner stets die Kontrolle über seine Daten behalten. Nach Ansicht von Moderator Marc Beise könnten für Deutschland die vergleichsweise strengen Datenschutzbestimmungen langfristig sogar zu einem Standortvorteil werden. Denn: Weltweit gewinne der Datenschutz an Bedeutung.

Fazit: Industrie 4.0 als Chance nutzen

Auch wenn die Diskussion als Streitgespräch angekündigt worden war, herrschte in einem Punkt Einigkeit. Deutschland müsse keine Angst vor der Digitalisierung haben, im Gegenteil: Durch die traditionell starke Industriebasis und den breiten Mittelstand habe die deutsche Wirtschaft gute Chancen, bei der industriellen Digitalisierung in Zukunft eine Schlüsselstellung einzunehmen. Dazu müssten sich traditionelle Industrien jedoch weiter öffnen und die digitale Transformation als Chance begreifen. Das wird offenbar auch in anderen Ländern so gesehen, wie Dirks von einer Reise nach Asien berichtete: In China habe sich der Begriff „Industrie 4.0“ bereits als deutsches Fremdwort eingebürgert, sagte er.

Über den Wirtschaftsgipfel der Süddeutsche Zeitung:

Der SZ-Wirtschaftsgipfel, der dieses Jahr zum zehnten Mal stattfand, ist das wichtigste Treffen der deutschen Wirtschaft und Politik. Neben dem Präsidenten des Europäisches Parlaments, Martin Schulz, nahmen Regierungschefs und Minister sowie zahlreiche Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen an der dreitägigen Konferenz in Berlin teil.

Weitere Informationen: Süddeutsche Zeitung – der Wirtschaftsgipfel

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