Interview mit CFO Markus Rolle in der Börsen Zeitung vom 26. April 2018

Interview mit CFO Markus Rolle in der Börsen-Zeitung vom 26. April 2018

In seinem ersten Interview als CFO nimmt Markus Rolle gegenüber der Börsen-Zeitung Stellung zur aktuellen Geschäftsentwicklung, zu Wachstumschancen und Auswirkungen von neuen Bilanzierungsregelungen auf die Bilanz des Unternehmens.

Telefonica Deutschland ist gut ins Jahr gestartet, insbesondere im Kerngeschäft mit Mobilfunk-Serviceerlösen. Rechnen Sie im Jahresverlauf mit einer Beschleunigung auf der Umsatzseite?
Rolle: Wir haben dem Markt in unserem Ausblick für den um Regulierungseffekte bereinigten Gesamtumsatz eine weitgehend unveränderte Entwicklung gegenüber dem Vorjahr angekündigt. Daran halten wir fest und haben hier mit einem Plus von 0,4 Prozent in diesem Korridor geliefert. Gestützt wird diese Entwicklung von einer positiven Entwicklung bei den Mobilfunkservices und aktuell im Endgerätegeschäft, das aber naturgemäß über das Jahr etwas schwankend sein kann. Im Festnetz sehen wir wie erwartet anhaltende Umsatzrückgänge durch unseren laufenden Ausstieg aus der Wholesale-Vermarktung.

Sie haben gesagt, dass Ihre Ergebnisprognose für 2018 einen gewissen Spielraum lässt. Können Sie den beziffern?
Rolle: Wir erwarten noch positive Ergebniseffekte aus der Netzintegration, andererseits investieren wir in die Transformation. Darüber hinaus nehmen wir im kommerziellen Umfeld Geld in die Hand, wenn es der Markt erfordert, um mittelfristig sicherzustellen, dass wir unseren fairen Anteil am aktuellen Marktwachstum bekommen. Wir sind bereinigt um Regulierungseffekte im ersten Quartal um 0,4% gewachsen. Der Gesamtmarkt hat zuletzt etwas schneller zugelegt, in etwa um 2%. Unser klares Ziel ist, mittelfristig mit dem Markt zu wachsen.

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Welche Umsatz- und Ergebniseffekte erwarten Sie aus der Neufassung des IFRS 15?
Rolle: Im Gegensatz zu einigen unserer Wettbewerber haben wir uns früh von der gängigen Subventionspraxis für Smartphones verabschiedet und schon 2009 das „My-Handy-Modell“ eingeführt. Es handelt sich um einen normalen ratierlichen Kauf, bei dem wir die Umsätze buchen, wie sie anfallen. Ich rechne daher für uns nur marginal mit Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnisrechnung. Die Hardwareverkäufe haben wir ja wie erwähnt seit langem separiert. Im Bezug auf das Betriebsergebnis erwarten wir ebenfalls kaum Auswirkungen, solange wir relativ stabile Transaktionsvolumina bei Verträgen und Handys haben.

Wie sieht es mit den Auswirkungen von IFRS 16 aus, nach dem 2019 die Lease-Verpflichtungen neu bilanziert werden müssen?

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Markus Rolle

Rolle: Das ist für uns ein größeres Thema, weil wir rund 70 000 Leasing-Verträge – ein großer Teil davon für Mobilfunkstandorte – anfassen und bewerten müssen. Nahezu alle Leasingausgaben, die derzeit als operative Leasingkosten eingestuft werden, sind nach der Neuregelung nicht mehr als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung abzubilden, sondern als Asset in der Bilanz und werden somit jährlich abgeschrieben. Daher ergibt sich für die Gesellschaft als technischer Effekt eine signifikante Verbesserung beim operativen Ergebnis vor Abschreibungen (OIBDA), die wir derzeit noch nicht beziffern können. Da reden wir aber durchaus über einige Prozentpunkte Marge. Der operative Cash-Flow verändert sich dagegen nicht, jedoch erhöht sich mit der Einführung von IFRS16 unsere Nettoverschuldung, so dass wir unsere Kriterien dort überprüfen müssen.

Inwiefern?
Rolle: Wir haben derzeit als Zielwert, dass wir die Verschuldung bei einem Faktor von maximal 1, gemessen am EBITDA halten wollen. Per Ende 2017 lag unser Verschuldungsgrad bei 0,6. Durch den neuen Accounting-Standard müssen wir aktuell als operative Leasingausgaben eingestufte Kosten in der Nettoverschuldung berücksichtigen. Der Verschuldungsgrad wird sich folglich erhöhen.

Sie haben kürzlich einen neuen Schuldschein aufgelegt, der zum Teil mithilfe der Blockchain platziert wurde. Ist das ein Instrument, das sie häufiger nutzen wollen, auch für größere Volumina als die Tranche von 75 Mill. Euro?
Rolle: Wir versuchen stets unsere Finanzierung zu diversifizieren und zu optimieren. Dabei haben wir die Gelegenheit genutzt, mit der Blockchain auch zu üben. Die Transaktion war sehr erfolgreich. Die ursprünglich vorgesehene Tranche von 50 Mill. Euro war dreifach überzeichnet, worauf hin wir sie auf 75 Mill. Euro aufgestockt haben. Generell werden wir aber auch weiterhin klassische Finanzierungswege nutzen, also auch Bonds in Betracht ziehen, wenn sich das anbieten sollte.

Größere Ausgaben kommen auf Sie zu. Die Bundesnetzagentur will noch im Herbst neue Mobilfunkfrequenzen vergeben, und zwar höchstwahrscheinlich im Wege der Versteigerung. Wie rüsten Sie sich dafür?
Rolle: Wir sind bereits gut gerüstet. Wir halten eine erhebliche Liquiditätsreserve vor. Dank der guten Unternehmensbonität (Fitch: BBB mit positivem Ausblick) und des niedrigen Verschuldungsgrads steht uns ein breites Spektrum an Finanzierungsinstrumenten zur Verfügung, und das ausgeglichene Fälligkeitsprofil unterstützt ebenfalls unsere finanzielle Flexibilität. Unabhängig davon wie die Frequenzvergabe letztlich erfolgt, ob als Auktion oder nach französischem Vorbild als Zuteilung mit einer Selbstverpflichtung zum Ausbau, gehen wir mit einer sehr soliden Frequenzausstattung an den Start. Insbesondere bei den flächendeckenden Frequenzen, die alle mindestens bis 2025 besichert sind, haben wir nahezu eine Gleichstellung unter allen Netzbetreibern. Was die Kapazitätsfrequenzen für hohe Datendurchsätze betrifft, haben wir derzeit eine sehr umfassende Ausstattung infolge des Mergers mit E-Plus.

Die Auktion für Mobilfunklizenzen des neuen 5G-Standards ist gerade in Großbritannien zu Ende gegangen, mit Gesamtkosten von 1,4 Mrd. Pfund für die Branche. Das ist deutlich weniger als bei früheren Vergaben auf den Tisch gelegt wurde. Rechnen Sie in Deutschland mit einer ähnlichen Größenordnung?
Rolle: Grundsätzlich vergibt die Bundesnetzagentur Spektrum in erheblichem Umfang für eine technologieneutrale Nutzung. Allein im 3,5 GHz-Band 300 Megahertz, die für die Netzbetreiber vorgesehen sind, und eventuell separiert noch 100 Megahertz für lokale Betreiber bzw. besondere Zwecke. Da kann man nicht unbedingt von knappen Ressourcen sprechen, die unbedingt per Auktion allokiert werden sollten. Ich gehe davon aus, dass die Branche aus früheren Auswüchsen gelernt hat.

Telefonica Deutschland plädiert für eine Selbstverpflichtung der MNO zum Netzausbau. Wie soll die aus Ihrer Sicht konkret aussehen?
Rolle: Fakt ist doch, dass Deutschland in der Versorgung mit schnellem Internet international weit abgeschlagen ist. Eine Ursache hierfür sind die immens hohen Frequenzkosten, die die Betreiber hierzulande zahlen mussten. Dort sind seit dem Jahr 2000 rund 60 Milliarden Euro allein an Nutzungsrechten an den Staat geflossen. Geld, das den Betreibern dann eben für eine flächendeckende Versorgung mit Breitbanddiensten in Deutschland fehlt. Wir plädieren für geringere Frequenzkosten in dem aktuell diskutierten anstehenden Vergabeverfahren. Im Gegenzug könnten sich die Netzbetreiber zu einer weitreichenden Investitionsoffensive für schnelles Breitband auch in bisher schlecht versorgten Regionen verpflichten. Dann nämlich würde sich der Business-Case insgesamt so rechnen, dass man eben auch dort ausbaut, wo Ausgaben nicht komplett von zu erwartenden Einnahmen gedeckt werden können.

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Im Lager der Konkurrenz zeichnet sich nach dem Schulterschluss von United Internet mit Drillisch erneut ein großer Merger ab. Vodafone möchte Unitymedia schlucken. Müssen Sie ihre Anstrengungen für konvergente Angebote nun auch deutlich verstärken und mehr für Marketing ausgeben?
Rolle: In der Infrastruktur bleibt es dabei, dass wir ein Mobilfunknetzbetreiber sein wollen. Unseren Kunden können wir konvergente Angebote über die von der Telekom gemietete Infrastruktur zugänglich machen. Das Business liefert positive Margen. Der Festnetzumsatz insgesamt ging erneut um 10,7 Prozent zurück, was aber vor allem an unserem seit Jahren angekündigten und sukzessiv erfolgten Ausstieg aus dem Wholesale-Geschäft liegt. Das ist niedrigmargiges Teilgeschäft, ein Thema der Vergangenheit. Im Privatkundenbereich und der Vermarktung von Highspeed-VDSL-Anschlüssen bewegen wir uns dagegen zunehmend in eine positive Richtung. Das ist für uns ein relevantes Standbein. Und es gibt eben Kunden, die gern alles aus einer Hand wollen. Und solche integrierten Angebote sind damit auch Teil unseres Geschäftsmodells. Was den erwähnten möglichen Zusammenschluss angeht, sind da ja noch viele Fragen offen.

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Wie sieht es im Geschäftskundenbereich aus, wollen Sie da auch ausbauen?
Rolle: Wir sind in diesem Segment tatsächlich deutlich unterhalb eines fairen Marktanteils vertreten. Das kann und soll auch für uns in Zukunft ein Wachstumstreiber sein. Ich gehe davon aus, dass wir nach Abschluss der Netzintegration dort besser am Start sind. Allerdings treten wir nicht im Lösungsgeschäft an, das ist zu komplex und sehr wettbewerbsintensiv. Wir wollen Standardprodukte vermarkten, mit denen wir insbesondere mittlere und kleinere Unternehmen adressieren können.

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Als weiteren Wachstumstreiber hat Telefónica Deutschland auch Big Data auserkoren. Erfordert der Ausbau dieses Geschäfts auch Zukäufe?
Rolle: Unsere Tochter Telefónica Next ist bereits recht gut aufgestellt. Wir haben dort schon Zukäufe getätigt. Wir behalten den Markt im Blick und wenn sich eine sinnvolle Gelegenheit ergibt, würden wir das Geschäft auch wieder durch eine Akquisition stärken.

Weitere Informationen

Das vollständige Interview erschien am 26. April 2018 in der Börsen-Zeitung.

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