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Cayetano Carbajo Martín

Bei der „connect 5G conference“ am 3. Mai 2018 im Münchener Hilton Airport Hotel sprachen hochkarätige Experten der Mobilfunkbranche über die Chancen und Herausforderungen von 5G. Cayetano Carbajo Martín, CTO und Managing Director Networks von Telefónica Deutschland, leitete die Vortragsreihe mit seiner Keynote ein. Er ist überzeugt, dass Telefónica Deutschland mit ihren derzeitigen 4,5- und 5G-Projekten bereits erhebliche Fortschritte auf dem Weg zur Einführung der neuen Technologie erzielt hat.

Dennoch müssten bis zum erfolgreichen Start von 5G einige Grundvoraussetzungen geschaffen werden, und dies nicht nur auf der technischen Seite, betonte Martín in seiner Auftaktrede: So erfordere die Technologie zum Beispiel zwingend den Ausbau der Glasfaseranbindung der für 5G vorgesehenen Basisstationen. Zudem müssen zukünftig viele dezentrale Rechenzentren als Basis des sogenannten „Edge Computing“ nah am Geschehen Aufgaben im Netzwerk übernehmen, die heute zentral erfolgen. Erst damit können die Anbieter beispielsweise die für zeitkritische 5G-Anwendungen wie dem schnellen, autonomen Fahren dringend benötigten niedrigen Latenzzeiten gewährleisten. Bei der Glasfaseranbindung setzt Telefónica auf Partnerschaften wie aktuell mit Vodafone und NGN Networks. Mit Hilfe solcher Kooperationen gelingt die zeitnahe Modernisierung des Transportnetzes, also dem Teil des Netzes, der die Basisstationen an das Core-Netz anbindet.

Nicht ohne Grund, denn Telefónica ist ein wichtiger Treiber bei der Einführung von 5G in Europa: Bereits heute beteiligt sich das Unternehmen weltweit an Aktivitäten zur Einführung von 5G und konkreten Projekten in Deutschland und Spanien. So beispielsweise beim „TechCity“-Projekt mit Huawei, beim „Early 5G Innovation Cluster“ mit Nokia und dem „5G Connected Mobility“-Projekt mit Ericsson.

Telefónica testet Pre-5G in zwei spanischen Städten

connect-conference-2018-Foto-Marc-Mueller-WEKA-MEDIA-PUBLISHING-1280x720Neben Martín gaben weitere Experten aus verschiedenen Bereichen von Telefónica interessante Einblicke in technische und regulatorische Aspekte. So implementiert der spanische Mutterkonzern derzeit eine „Pre-5G“-Versorgung in den spanischen Städten Segovia und Talavera de la Reina. In diesen Städten untersucht Telefónica bereits frühzeitig die technologischen Herausforderungen, implementiert ein industrielles Ökosystem für die 5G-Entwicklung und definiert zukünftige Anwendungen für seine Kunden. Die „Pre-5G“-Versorgung basiert wiederum auf einer NSA-5G-Plattform. NSA steht für „Non-Stand-Alone“ und bedeutet, dass es sich bei diesem Netz noch nicht um eine gänzlich eigenständige 5G-Versorgung handelt. Zwar senden die Basisstationen bereits an den ersten 5G-Standard angelehnte Signale, doch für die Verbindung zu Systemelementen wie den Media-Gateways und wichtigen Knotenpunkten wird weiterhin ein LTE-Core-Netz benötigt. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, um die Basisstationen miteinander verbinden und Daten untereinander austauschen zu können.

Noch in diesem Jahr wird Telefónica mit seinen beiden Systemtechnik-Partnern Ericsson (Talavera) und Nokia (Segovia) Maßnahmen umsetzen, um die Bevölkerung stärker als bisher an der weiteren Entwicklung von 5G mit seinen Vorteilen teilhaben zu lassen. Unter anderem soll im Funknetz die Geschwindigkeit innerhalb de „Pre-5G“-Netzes auf ein Gigabit pro Sekunde erhöht und die Kapazität mit MIMO-Antennen massiv gesteigert werden. Ein in Kürze anstehender Umbau im Core-Netz verfolgt das Ziel, die Latenzzeiten mit Hilfe von „Mobile Edge Computing“ im 4G-Netz weiter zu senken. Im kommenden Jahr folgt in beiden Städten dann die Einführung von „5G Phase 2“ – einem „Stand-Alone“-Betrieb, der in der Folge kein 4G mehr benötigen wird.

Interessenskonflikt zwischen Politik und Wirtschaft

connect-conference-2018-Foto-Marc-Mueller-WEKA-MEDIA-PUBLISHING-030518KOCH200-1280x720Einen etwas anderen Blick warfen die Spezialisten der Telefónica Deutschland während der connect Konferenz auf die aktuelle politische Situation rund um die von der Bundesnetzagentur geplante Frequenzvergabe. Zwar muss sich Deutschland mit Blick auf die zunehmende weltweite Digitalisierung anstrengen, um insbesondere den wirtschaftlichen Anschluss nicht zu verlieren. Hier ist es das Bestreben der Politik, Deutschland einerseits in Bezug auf eine flächendeckende Mobilfunkversorgung und den Glasfaserausbau zur Weltspitze zu bringen, andererseits erkennt die Politik in einer neuen Frequenzauktion für den 5G-Mobilfunk auch eine lukrative Einnahmequelle. So sollen die daraus gewonnenen Erlöse dem lange vernachlässigten Glasfaserausbau – und damit einer anderen Technologie und z.T. anderen, konkurrierenden Anbietern zugeführt werden.

In diesem Punkt sieht sich zumindest ein Teil der Anbieter benachteiligt: Hohe Frequenzkosten ziehen gleichzeitig einen Mangel an freien, finanziellen Mitteln für den eigentlichen Ausbau des Mobilfunks in der Fläche nach sich – damit würde sich das Verfahren aus vergangenen Frequenzvergaben der letzten 18 Jahre wiederholen. Seitdem zahlten die Anbieter rund 60 Milliarden Euro an den deutschen Staat. Dieses Geld fehlte auch Jahre später noch für den schnellen Ausbau der Infrastruktur. Diesmal plädiert nicht nur Telefónica Deutschland für eine Art Mobilfunkpakt. Nicht eine kostspielige Auktion sollte das Ziel sein, sondern eine kostenfreie Frequenzzuteilung, verbunden mit definierten Auflagen zur Versorgung in der Fläche.

Telefónica und ihre Partner mit Systemtechnik und Anwendungen zum Ausprobieren

connect-conference-2018-Foto-Marc-Mueller-WEKA-MEDIA-PUBLISHING--20180503-MM-4031-1280x720Die Konferenz bot den Teilnehmern aber nicht nur Theorie in Form von Vorträgen: Mehrere Ausstellungsräume am Rande der connect Konferenz entführten die Besucher schließlich in die praktische Anwendung von 5G. So erhielten diese einen Einblick in 5G-Projekte und -Anwendungen, die die Ingenieure derzeit am Planungstisch entwickeln. Unter anderem präsentierten Telefónica Deutschland, Huawei und Nokia einige konkrete Anwendungsbeispiele, die mit 5G erstmals Realität werden. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt dabei das Modell eines Fußballstadions. Eine farbliche Animation verdeutlichte das sogenannte „Network Slicing“-Prinzip.

Beim Network Slicing werden im Netz parallel unterschiedliche Konfigurationen auf die jeweiligen Anforderungen vor Ort ausgerichtet. So wird nicht nur die benötigte Kapazität in einem Stadion flexibel auf die einzelnen Zuschauerblöcke verteilt – es lassen sich auch unterschiedliche Netzwerk-Konfigurationen mit abweichenden Priorisierungen unabhängig voneinander einstellen. Auf diese Weise kann den Sicherheits- und Rettungskräften eine stabile und höhere Verfügbarkeit und Qualität im Netz zugesichert werden.



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Fotos: Marc Müller/ WEKA MEDIA PUBLISHING

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