Markus Haas bei der Wirtschaftswoche-Veranstaltung Morals & Machines,
Foto: Marc-Steffen Unger

Künstliche Intelligenz wird die Welt so stark verändern wie die Einführung des Handys – wenn nicht noch stärker, davon ist Markus Haas, CEO von Telefónica Deutschland, überzeugt. Umso wichtiger ist es, die Auswirkungen der Künstlichen Intelligenz auch aus ethischer Perspektive zu diskutieren. Deshalb nahm Markus Haas am 28.06.2018 an der Wirtschaftswoche-Veranstaltung „Morals & Machines“ in Berlin teil und sprach mit Expertinnen von IBM und Microsoft über gesellschaftliche Veränderungen durch künstliche Intelligenz und die Entwicklung der Unternehmensverantwortung.

Die passende Umgebung für ein moralisches Thema: In der St. Elisabeth Kirche in Berlin lud die WirtschaftsWoche ein, um über die Folgen der Digitalisierung für unsere Gesellschaft zu diskutieren. Bereits am Vorabend war Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast und sprach mit Miriam Meckel, Herausgeberin der WirtschaftsWoche, über die europäische Strategie zu Künstlicher Intelligenz. Der nächste Vormittag begann mit dem Historiker und Bestsellerautor Yuval Noah Harari („Homodeus“). Am Nachmittag diskutierte Markus Haas mit Deborah Harrison, Entwicklerin von Cortana bei Microsoft, sowie mit Martina Koederitz, Global Industry Managing Director bei IBM, über konkrete Anwendung von digitaler Technik und künstlicher Intelligenz in Unternehmen.

Diversität und Transparenz wichtige Erfolgsfaktoren

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Foto: Marc-Steffen Unger

Nachdem die Vorrednerin Joy Buolamwini per Video ihre Studie vorstellte, nach der schwarze Frauen weniger häufig von Gesichtserkennung korrekt erkannt würden, konfrontierte die Moderatorin Astrid Maier die Runde mit diesen und weiteren wissenschaftlichen und praktischen Erkenntnissen über den Nutzen und die Grenzen von Künstlicher Intelligenz. IBM und Microsoft hätten mittlerweile viele zusätzliche Erfahrungen gesammelt und würden inzwischen treffsicherer im Einsatz der Technologie sein. Martina Koederitz betonte, dass sie ihre Algorithmen mit noch mehr Daten füttern und ebenso wie Microsoft setzen sie auf gemischte Teams, um die Diversität zu erhöhen.

Auch Markus Haas hat nach eigenen Ausführungen aus der Vergangenheit gelernt. Führte die Berichterstattung über die Analyse von anonymisierten Mobilfunkdaten 2012 noch zu Widerstand, habe eine große Informationsoffensive des Unternehmens dazu beigetragen, dass die Menschen besser verstehen, was Telefónica mit ihren Daten mache und welchem Zweck das dient. „Wir berechnen aus den Daten anonymisierte Bewegungsströme und diese helfen beispielsweise der Verkehrsplanung oder der Emissionsreduktion“, so Haas. Datenanalyse und KI seien mittlerweile fester Bestandteil der Unternehmensstrategie: „Dabei ist essentiell: Jeder kann selbst über die Verwendung seiner Daten entscheiden – und natürlich auch nein sagen“. Diese Datensouveränität für den Einzelnen sei auch ein wichtiger Bestandteil des Digitalen Manifestes, das die Telefónica Gruppe diese Woche veröffentlichte. Das Manifest sei ein Wegweiser in die Zukunft mit dem Ziel, den Nutzen der Digitalisierung allen Menschen zugänglich zu machen, betont Markus Haas.

Sinnvoller Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen

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Markus Haas (mitte) im Gespräch mit Miriam Meckel (WirtschaftsWoche) &
Frank Dopheide (Handelsblatt), Foto: Marc-Steffen Unger

Ein weiteres positives Beispiel für den Einsatz von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz ist Watson Health von IBM. Die Technologie helfe z.B. Krebsarten frühzeitig zu erkennen und schlägt Therapiemaßnahmen vor. Dies sei aber kein Produkt, betont Koederitz, sondern ein Service. „Bei IBM sind wir zwar Experten für Künstliche Intelligenz, aber kein Pharmaunternehmen, kein Arzt oder Automobilhersteller“. Für die Entwicklung arbeite IBM deshalb eng mit Wissenschaftlern und Experten aus der Praxis zusammen. Im Falle von Watson Health sei das Ziel, dass die Technologie möglichst intensiv genutzt wird, damit sie klüger wird und auch Ärzten in entlegenen Regionen zugutekommen kann.

Ein weiteres Thema der Diskussion waren Sprachassistenten. Deborah Harrison kennt den digitalen Assistenten von Microsoft sehr gut, denn sie hat Cortana entwickelt und ihr Sprache, Wortschatz und „Benimmregeln“ beigebracht. Aber versucht sie auch ein Mensch zu sein? Und warum ist sie eine Frau? „Cortana sagt bei Fragen in diese Richtung direkt, dass sie nur ein Code ist. Das war uns wichtig“, so Harrison. Eine Frauenstimme habe sie nur, weil sich zeigte, dass ihre weibliche Stimme eher akzeptiert wird. Auch der Chatbot Lisa von O2 sei eindeutig als digitaler Assistent gekennzeichnet. „Es muss stets klar sein, ob man mit einem Menschen oder einer Maschine spricht“, so Markus Haas. Auch hier sei Transparenz erfolgsentscheidend.



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Lesen Sie hier 5 Thesen von Markus Haas zur Ethik von Künstlicher Intelligenz

I. „Wir müssen die Menschen mitnehmen – die Digitalisierung ist kein Members Club“
Alle Teile der Gesellschaft sollten Zugang zu digitalen Möglichkeiten erhalten. Und jeder sollte auch befähigt werden, sie zu nutzen. Das steht im Mittelpunkt von Telefónicas „Digitalem Manifest“, das den Menschen in den Mittelpunkt der Digitalisierung stellt. Telefónica Deutschland baut hierfür das größte und modernste Mobilfunknetzwerk, das auf den tatsächlichen Nutzen der Menschen in ihrem digitalen Alltag ausgerichtet ist. Zudem machen wir Menschen aller Altersgruppen fit für die digitale Welt. Mit bundesweiten Förderprogrammen wie Think Big, Digital mobil im Alter und unseren o2 Gurus geben wir Inspiration und Hilfestellung für Millionen Menschen.

II. „KI muss den Menschen dienen: Wir werden die Skepsis in der Gesellschaft nur überwinden, wenn künstliche Intelligenz greifbare Vorteile für den Einzelnen schafft.“
Überall dort, wo das menschliche Gehirn an seine Grenzen stößt – denn Millionen von Daten können wir nicht verarbeiten – oder von Routineaufgaben befreit wird, liefert künstliche Intelligenz einen echten Mehrwert. Es ist wichtig, dass der Einzelne selbst den Nutzen erfährt, sonst kehrt er dem technologischen Wandel den Rücken zu. Unsere Mitarbeiter profitieren zum Beispiel durch das sogenannte Digital Brain: eine KI in unserem Intranet, das Menschen und ihr Wissen unabhängig von Abteilung oder Hierarchie miteinander vernetzt. Und auch der Chatbot Lisa nimmt unseren Servicemitarbeitern viele Routineanfragen ab. Unsere Kunden profitieren davon natürlich auch: Sie erhalten schneller und 24/7 Antwort. KI optimiert darüber hinaus auch unser Netz und fördert somit ein positives Kundenerlebnis.

III. „Nicht alles, was möglich ist, ist moralisch legitim – künstlicher Intelligenz müssen Grenzen gesetzt werden.“
Wir müssen als Gesellschaft und Wirtschaft gemeinsam klare Grenzen definieren, inwieweit autonome Systeme vordringen dürfen – und das über Ländergrenzen hinweg.
Ist eine KI-basierte Personalauswahl möglich und sinnvoll – oder ist sie diskriminierend? Wie können wir verhindern, dass künstliche Intelligenz im Wahlkampf eingesetzt wird, um unsere persönlichen politischen Ansichten zu beeinflussen? Das sind nur zwei Fragen, die wir diskutieren sollten. Darüber hinaus müssen die Regulierungsbehörden verhindern, dass einzelne Internetplattformen zu dominant werden und somit die alleinige Kontrolle über das Nutzererlebnis oder die Bereitstellung von Informationen haben.

IV. „Die Verwendung von Daten muss transparent sein“
Wir bei Telefónica sind überzeugt, dass jeder über die Verwendung seiner Daten selbst entscheiden sollte. Und wir müssen akzeptieren, dass es dafür keine internationale Wahrheit und keinen Standard gibt. Mehr noch, die Bereitschaft der Menschen, Daten zu teilen, ist weltweit sehr unterschiedlich. Aber ein gemeinsames Ziel und Verständnis sollte sein: Transparenz. Deshalb ist es uns bei Telefónica wichtig, offen über unsere Datenanalysen zu informieren. Sei es auf speziell dafür eingerichteten Websites, in unserem Geschäftsbricht oder über die Presse. Des Weiteren geben wir jedem die Wahl, der Analyse seiner anonymisierten Daten auch zu widersprechen. Damit gehen wir über gesetzliche Anforderungen hinaus und geben den Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zurück. Zudem ist es besonders in Hinblick auf Künstliche Intelligenz wichtig zu wissen, ob Mensch oder Maschine ein Ergebnis erzielt haben, damit wir beurteilen können, welche Kriterien zu einem bestimmten Ergebnis geführt haben – von Mensch oder Maschine.

V. „Der Mensch muss oberste ethische Instanz bleiben“
Wir lenken Maschinen, nicht sie uns. Kein Computer wird jemals in der Lage sein, einen Menschen in ethischen Fragen zu ersetzen. Unser moralisches Urteilsvermögen erfordert implizites Hintergrundwissen, das nicht immer erklärbar und programmierbar ist, da es unendlich groß ist. Wir Menschen geben uns nie damit zufrieden, einer Regel zu folgen. Explizite Regeln gibt es nur für einen kleinen Bereich des Verhaltens. Menschen sehen eine Vielzahl von Prinzipien als gesichert und evident an und können daher Zusammenhänge völlig anders interpretieren, als es Roboter je könnten. In dieser Hinsicht sind wir den Maschinen weit voraus. Deshalb sollte es auch in Zukunft nur der Mensch sein, der über ethische und moralische Fragen entscheiden darf.

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