Markus Haas in der Welt am Sonntag vom 16.09.2018

Markus Haas in der Welt am Sonntag vom 16.09.2018

Anlässlich eines Feierabendgesprächs sprach CEO Markus Haas mit der Welt am Sonntag über seine Freizeitgestaltung in den Bergen und warum derzeit so hitzig über die aktuelle und künftige Mobilfunkversorgung in Deutschland diskutiert wird.

Wir veröffentlichen an dieser Stelle eine gekürzte Fassung des Interviews, das am 16. September in der Welt am Sonntag erschienen ist.

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Zumindest haben Sie als Manager hier Ihre Ruhe. In den Bergen funktioniert das Handy oft gar nicht. Stört Sie das?

Haas: Gerade hier in der Gegend waren wir im Schließen der Funklöcher ziemlich gut. Wenn ich hier bin, schaue ich vielleicht zweimal am Tag aufs Smartphone, häufiger nicht. Und es ist auf stumm gestellt. Aber es stimmt schon, in den Bergen gibt es auch hin und wieder gar keinen Empfang.

Wann sind denn in Deutschland alle Funklöcher gestopft?

Haas: Wir werden wahrscheinlich keine hundertprozentige Flächenabdeckung in Deutschland erreichen können. Aber bei der Bevölkerungsabdeckung werden wir dem sehr nahe kommen.

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Ist die nächste Mobilfunkgeneration 5G eine Chance, eine komplette Flächenabdeckung hinzubekommen?

Haas: Mit den richtigen Frequenzen könnte das funktionieren. Die Frequenzen, die im kommenden Jahr versteigert werden, sind dafür nicht geeignet, weil ihre Reichweite zu klein ist. Wenn wir in Deutschland die gesamte Fläche abdecken wollen, werden wir in den kommenden Jahren noch mehr Spektrum brauchen. Dafür müssen aber erst die Voraussetzungen geschaffen werden.

Welche Voraussetzungen?

Haas: Erst einmal müssen die Frequenzen im langwelligen Bereich, also unterhalb von 700 Megahertz, weltweit harmonisiert und für den entsprechenden Gebrauch bestimmt werden. Die World Radio Conference im nächsten Jahr, in der alle Länder vertreten sind, wird hier der Schlüssel sein. Wenn diese Konferenz nicht erfolgreich ist, werden wir in den nächsten zehn Jahren flächendeckend kein 5G haben.

Die Bundesnetzagentur hat ihre Vorstellungen für die Versteigerung neuer Frequenzen im nächsten Jahr genannt. Sie ist den Netzbetreibern weit entgegengekommen und erschwert den Zugang für einen Neueinsteiger und ein viertes Mobilfunknetz.

Haas: Das war ein heftiger Sommer mit vielen Diskussionen. Der Kanonenrauch verzieht sich langsam. Wir erkennen, dass der Druck der Bürger auf die Politiker groß ist, endlich das Problem der Netzabdeckung zu lösen. Das spiegelt sich im Entwurf der Netzagentur wieder. An erster Stelle stehen die Netzabdeckung und Anreize für Investitionen. Das wollen nicht nur die Netzbetreiber, auch andere Industrien verlangen danach, darunter die Autobauer, die Maschinenbauer und die Logistiker.

Warum wäre ein viertes Funknetz so schlimm?

Haas: Wir hatten vor knapp 20 Jahren bei der UMTS-Mobilfunkversteigerung eine geringe Ausbauverpflichtung von nur 50 Prozent. Dadurch gab es sechs Frequenzersteigerer, die sehr viel Geld an den Staat überwiesen haben. Aber es wurden keine sechs Netze aufgebaut. Drei von ihnen haben das am Ende nicht einmal überlebt. Auch jetzt ist der Investitionsbedarf in Deutschland so groß, dass es für vier Netze keine Wirtschaftlichkeit geben wird. Ein viertes Netz wäre immer nur ein Teilnetz, das Deutschland bei der Netzversorgung nicht helfen würde. Wenn die Priorität ist, die besten Netze haben zu wollen, dann ist die Frage nach einem vierten Netzbetreibers irrelevant.

Die Netzagentur hat Ihre Argumente berücksichtigt. Sie müssten in Feierlaune sein.

Haas: Einen Champagner habe ich nicht geöffnet. Die Verpflichtungen, die dort vorgeschlagen sind, fordern uns einiges ab. Wir müssen noch einmal mehrere tausend Funkstationen aufbauen. Mit dem verauktionierten Spektrum sind die Ausbaupläne in der Fläche nicht umsetzbar. Daher ist eine Laufzeitverlängerung von bestehenden Frequenzen erforderlich. Auch die Verpflichtung, andere Unternehmen Zugang zu unserem Netz zu ermöglichen, steht weiterhin drin. Es ist nur verklausuliert formuliert. Hier besteht noch Klärungsbedarf, um den gewünschten Ausbauschub der Branche auszulösen. Auch zu den von der Politik in Aussicht gestellten fairen Zahlungsbedingungen für ersteigerte Frequenzen haben wir bislang nichts gelesen. Im Extremfall müssten wir die Lizenzen sieben Jahre vor deren Nutzung bezahlen. Das ist mehr als fragwürdig und damit Streit vorprogrammiert.

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o2-5G-Logo-01-Bubble-cluster-Blauverlauf-1920x1080Wann werden denn die ersten Nutzer auf dem 5G-Netz sein?

Haas: Das hängt davon ab, wann die ersten Endgeräte massenmarkttauglich verfügbar sind. Ich glaube nicht, dass es vor 2020 sein wird.

Was kann mein erstes 5G-Smartphone besser als mein aktuelles Gerät?

Haas: Vielleicht werden Sie merken, dass die Datenübertragung etwas schneller ist und das Netz schneller auf ihre Eingaben reagiert. Aber die Stärke spielt 5G nicht bei Smartphones aus. 4G ist hier schon sehr gut und wird auf Jahre die Alltagsbedürfnisse der Verbraucher bedienen können. Bemerkbar wird 5G bei sehr großen Datenmengen, die im Netz gemanagt werden müssen und bei industriellen Anwendungen. Für uns bedeutet 5G zunächst einmal ein deutlich effizienteres Netz, das wir auch brauchen, wenn die Datenmengen im Netz weiter so ansteigen wie bisher.

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Telefónica ist der einzige Netzbetreiber in Deutschland, der über kein Festnetz verfügt. Wird das in der 5G-Zukunft ein Nachteil sein?

Haas: Unseren Kunden bieten wir ein erstklassiges Festnetzangebot auf Basis der Technologie der Deutschen Telekom. Unsere Mobilfunkstationen binden wir wiederum über Kooperationen per Glasfaser an. Da sind die Preise im freien Fall. Man muss die Glasfaser nicht zwingend besitzen. Allerdings fehlen uns direkte eigene Breitbandzugänge zu den Kunden in die Wohnung. Hier testen wir in Kürze, ob wir zumindest in den großen Städten diese Strecke mit 5G überbrücken könnten.

Weitere Informationen:

Wir veröffentlichen an dieser Stelle eine gekürzte Fassung des Interviews, das am 16. September 2018 in der Welt am Sonntag erschienen ist.
Update: Die Online-Fassung des Gesprächs finden Sie seit 22. September 2018 auch bei welt.de

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