Interview BZ 20190716 Markus Haas

Markus Haas im Interview mit der Berliner Zeitung

Die teure Frequenzauktion hat dem Markt Milliarden entzogen, gleichzeitig verlangen die Ausbauauflagen den Mobilfunkbetreibern enorm viel ab. Im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt CEO Markus Haas, dass Sanktionen den Netzausbau nicht voranbringen und dass Deutschland jetzt einen Schulterschluss von Politik und Wirtschaft braucht.

Wir veröffentlichen an dieser Stelle Auszüge des Interviews. Das vollständige Interview ist in der Print-Ausgabe der Berliner Zeitung vom 16.07.2019 erschienen.

Derzeit wird viel über bessere Infrastruktur vor allem in ländlichen Gebieten diskutiert. Ist mit der Frequenzauktion ein Instrument geschaffen worden, um dies zu erreichen?

Markus Haas: Ein ganz klares Nein. Es wurden wieder Unsummen für ein Stück Papier ausgegeben. Geld, das für den Netzausbau fehlt. Deshalb hätte es die teure Auktion besser gar nicht gegeben. Als Telefónica Deutschland haben wir immer wieder dafür geworben, alternative Wege zu gehen. Die Frequenzen sollten besser gegen konkrete Ausbauzusagen vergeben werden.

Die Politik hat sich aber anders entschieden.

Markus Haas

Markus Haas: Dem Markt werden durch die Auktion Milliarden entzogen. Gleichzeitig sind an die neuen Frequenzen Auflagen geknüpft, die sich mit dem vergebenen Spektrum aufgrund der physikalischen Eigenschaften überhaupt nicht erfüllen lassen. Alle Beteiligten aus Politik und Wirtschaft müssen sich daher endlich an einen Tisch setzen und gemeinsam eine Lösung finden, wie wir zügig mit der richtigen Infrastruktur die digitale Zukunft Deutschlands sichern.

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Bringen uns die aktuellen Pläne der Bundesregierung mit Sanktionsdrohungen bei einem verschleppten Ausbau weiter?

Markus Haas: Solche eindimensionalen Aktionen bringen uns nicht weiter. Ganz im Gegenteil. Sanktionen lenken nur von den vielschichtigen Gründen ab, weshalb Mobilfunknetze in Deutschland heute noch nicht da sind, wo sie sein sollten. Der Hemmschuh sind hierzulande nicht nur teure Auktionen. Auch aufwendige Genehmigungsverfahren verlangsamen den Ausbau von schnellem Internet. Hier sind die Kommunen gefordert, in der Zusammenarbeit erheblich effizienter zu werden. Es kann nicht sein, dass Gemeinden einerseits Funklöcher beklagen, andererseits auf ihren eigenen Liegenschaften aber keine Mobilfunkmasten stehen haben wollen. Dies erleben wir häufig.

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Was wollen die privaten Kunden nach Ihrer Einschätzung wirklich? Netflix in HD-Qualität scheint derzeit die Maximalforderung der privaten Kunden zu sein.

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Auch auf dem Land ist schnelles Internet dringend erforderlich, so Markus Haas.

Markus Haas: Der Datenverbrauch ist in einem Maße gestiegen, wie wir es uns vor einigen Jahren nicht hätten vorstellen können. Noch vor kurzem haben O2-Privatkunden im Monat nur ein paar Megabyte genutzt. Heute sind es mehrere Gigabyte. Das ist erst der Anfang. Die Alltagsanwendungen lassen sich noch lange mit LTE abbilden. Aber irgendwann werden wir auch im privaten Bereich Anwendungen sehen, etwa in der Telemedizin, die andere Übertragungsgeschwindigkeiten verlangen. Wir müssen heute den Grundstein für Hochgeschwindigkeitsnetze von morgen legen. Das geht nur im Schulterschluss von Politik und Wirtschaft.

Spielt bei den Klagen über mangelnden Ausbau in ländlichen Regionen nicht auch ein diffuses und irrationales Gefühl, abgehängt und vergessen zu sein, eine wichtige Rolle?

Markus Haas: Durchaus, das merkt man, wenn man sich mit Kunden oder Abgeordneten aus dünn besiedelten Landkreisen unterhält. Bei der pauschalen politischen Forderung, 5G unabhängig vom tatsächlichen Bedarf flächendeckend auszurollen, schwingt ein Gefühl der Benachteiligung von ländlichen Regionen gegenüber Städten mit. Fakt ist, dass auch auf dem Land schnelles Internet dringend erforderlich ist. Mich selbst ärgert es ja auch, wenn ich in den Bergen unterwegs bin und eine Internetseite ewig braucht, bis sie sich auf dem Handy aufbaut. Wir setzen deshalb alles daran, schnelles Breitband immer weiter in die Tiefe des Landes zu bringen.

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