Markus Haas im Tagesspiegel am 08.09.2018

Markus Haas am 8. September 2018 im Tagesspiegel

In einem Interview mit dem „Tagesspiegel“ äußert sich Telefónica Deutschland CEO Markus Haas zu den Herausforderungen der digitalen Infrastruktur in Deutschland sowie zu den geplanten Vergaberegeln für den neuen Mobilfunkstandard 5G.

Wir veröffentlichen an dieser Stelle eine gekürzte Fassung des Interviews. Das komplette Gespräch erschien am 8. September 2018 im Tagesspiegel.

Herr Haas, viele Menschen in Deutschland surfen noch nicht einmal mit dem aktuellen 4G-Standard LTE im mobilen Netz, während Sie bereits den nächsten Standard 5G im Blick haben, der mobile Datenübertragung in Echtzeit ermöglichen wird. Ende September berät der Beirat der Bundesnetzagentur über die Vorgaben für die Versteigerung der Frequenzen. Wie zufrieden sind Sie mit den voraussichtlichen Bedingungen?

Haas: Es geht hier nicht nur um die Telekommunikationsindustrie. An unserem Ausbau hängen Schlüsseltechnologien aus ganz Deutschland wie die Chemie-, Automobil- und Maschinenausbauindustrie, die mit 5G effizienter, besser, digitaler und zukunftsfähiger werden können. Dafür brauchen wir in Deutschland die beste mobile Infrastruktur. Dieses Ziel sehen wir in den vorliegenden Eckpunkten und in der politischen Diskussion auf den ersten Blick verankert – verbunden mit sehr ambitionierten Ausbauplänen.

Demnach müssen alle drei Anbieter bis 2022 unter anderem 500 neue 5G-Stationen in Betrieb nehmen. Bundesweit sollen zudem 98 Prozent aller Haushalte mit mobilen Datengeschwindigkeiten von mindestens 100 Megabit in der Sekunde ausgestattet sein, ebenso Autobahnen und Bundesstraßen. Ist das zu ambitioniert?

o2-5G-Logo-01-Bubble-cluster-Blauverlauf-1920x1080Haas: Dieses Ziel kann man nur erreichen, wenn man auf bestehendes Flächenspektrum zurückgreift. Dessen Laufzeit müsste dafür dringend verlängert werden. Außerdem müssen alle Anbieter an einem Strang ziehen und ein investitionsfördernder Rahmen gesetzt werden. Im vorliegenden Papier gibt es diesbezüglich noch viele offene Fragen. Und für die 300 Mbit/s, die perspektivisch in Aussicht gestellt werden sollen, gibt es noch keine weltweit freigegebenen Frequenzbereiche geschweige denn stehen diese Frequenzen in den nächsten Jahren den Mobilfunkern zur Verfügung.

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Bis 2022 wollen Sie zusammen mit Vodafone und Telekom bundesweit eine LTE-Abdeckung von 99 Prozent garantieren.

Haas: Sicher werden wir diese Auflagen auch erfüllen, wenn die Rahmenbedingungen der 5G Vergabe investitionsfreundlich sind. Das ist die Voraussetzung. Vorher müssen wir auf Basis bisheriger Auflagen bereits 98 Prozent der Bevölkerung mit LTE versorgen. Die Netzbetreiber haben in den letzten 18 Jahren 60 Milliarden Euro allein in Frequenzen investiert. Wenn wir die in die Infrastruktur hätten stecken können, so wie in anderen Ländern, wären wir sicher deutlich weiter in Deutschland.

Welche Lösung haben Sie für die weiterhin nicht versorgten einen Prozent der Bevölkerung, die oft in ländlichen Gebieten leben?

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CEO Markus Haas

Haas: Natürlich ist es unser Ziel, möglichst alle Bürgerinnen und Bürger zu versorgen. Aber dass das klappt, kann ich nicht versprechen. Es geht auch darum, was unternehmerisch machbar und wirtschaftlich vertretbar ist. Es spricht aber viel dafür, dass wir das Ziel durch Infrastrukturwettbewerb erreichen, denn die Anbieter haben ja nicht komplett überlappende Netzabdeckungen, so dass es dann defacto mehr als 99 Prozent sein werden. Der teuerste Teil ist, eine Station aufzubauen und zu erschließen. Je nach Lage kommen da pro Mast schnell mehrere 100.000 Euro zusammen. Deshalb haben wir heute schon eine Mitnutzungsquote von fast 70 Prozent. Es macht auch mehr Sinn, einen Mast gemeinsam mit Wettbewerbern zu nutzen, als drei nebeneinander zu bauen. Diese und weitere Kooperationskonzepte wollen wir noch weiter intensivieren.

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Sie müssen in den nächsten Jahren mindestens 1.000 Stationen aufbauen, in China werden derzeit 460 Antennenanlagen aufgestellt – pro Tag. Auf 10 000 Menschen kommen dort 14,1 Mobilfunkmasten, in Japan sind es sogar 17,4, in Deutschland dagegen nur 8,7. Wird Deutschland gerade nicht in rasantem Tempo abgehängt?

Haas: In China gibt es natürlich ganz andere Voraussetzungen – politisch und rechtlich. Wenn Sie sich dort zum Beispiel die baulichen Sicherheitsabstände anschauen oder wie Kabel verlegt werden. Die gehen halt staatlich organisiert, pragmatisch und daher mit viel höherem Tempo vor. Da wird ein Standort festgelegt und morgen angefangen zu bauen. Bei uns gibt es andere Spielregeln und Genehmigungsverfahren. Da muss einiges passieren, damit wir auch schneller bauen können.

Was fordern sie?

Haas: Teilweise haben wir für den Aufbau einer Antenne einen Vorlauf von mehr als einem Jahr, wenn solche Prozesse innerhalb von sechs Monaten ablaufen, würde uns das schon viel helfen. Es ist aber erkannt, dass wir beschleunigte Genehmigungsverfahren brauchen und der Ausbau oberste Priorität hat. Wir müssen die Verfahren aber auch bis auf die kommunale Ebene umsetzen. Sonst werden wir nicht so schnell sein, wie andere Länder. Ich will nicht abgehängt werden.
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Weitere Informationen:

Wir veröffentlichen an dieser Stelle eine gekürzte Fassung des Interviews. Das komplette Gespräch erschien am 8. September 2018 im Tagesspiegel.

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